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Landrat lässt Proben aus Zimmern der Linsingen-Kaserne rechtsmedizinisch untersuchen

Schmutz ist nicht gleich Schmutz

HAMELN. Landrat Tjark Bartels hat von NRW-Innenminister Ralf Jäger „eine versöhnliche entschuldigende Stellungnahme“ eingefordert. Das Gleiche erwartet er von der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG). Er sieht Landkreis und DRK durch überzogene Darstellungen einzelner Polizisten zu Unrecht an den Pranger gestellt.

veröffentlicht am 03.05.2016 um 19:39 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 13:16 Uhr

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Ulrich Behmann

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Ulrich Behmann Chefreporter zur Autorenseite

Diese Personen hätten vollkommen aus den Augen verloren, was sie mit ihren Behauptungen und Fotos anrichten. „Sie haben verantwortungslos gehandelt.“ Womöglich habe auch der Personalratswahlkampf eine Rolle gespielt. In den sozialen Medien sei ein völlig falsches Bild von der Erstaufnahmeeinrichtung in Hameln entstanden. Bartels präsentierte am Dienstagnachmittag Untersuchungsergebnisse des Rechtsmedizinischen Instituts der Hochschule Hannover. „Im Ergebnis wurde in keiner der Proben Material originär menschlichen Ursprungs gefunden.“ Das zertifizierte Labor Nordlab Hameln/Hildesheim sei zuvor mit der Entnahme von Proben beauftragt worden. Blut, Stuhl und Erbrochenes seien nicht nachgewiesen worden. Allerdings räumte der Landkreis ein, dass nicht an allen Stellen, sondern nur an den noch greifbaren Materialien Proben entnommen wurden. Wie eine Kakerlake in das Essen eines Polizisten gelangen konnte, kann sich der Landkreis nicht erklären. „Es gibt zum derzeitigen Zeitpunkt keinerlei Hinweise darauf, dass die Schabe durch einen Befall in der Küche in die Speise gelangt ist.“ Die Untersuchung des Rohmaterials (Spinat) habe ebenfalls keinen Hinweis auf Schädlinge ergeben.

Mit ein paar Sätzen auf Facebook werde eine Katastrophe angerichtet, meinte Bartels. Die hemmungslosen persönlichen Angriffe seien auch eine Art der Verrohung. An Minister Jäger schrieb Bartels: „Da ich (…) den angerichteten Rufschaden nicht so stehen lassen möchte, bitte ich Sie um eine Entschuldigung für die überzogene und in ihrem Kern vollständig falsche Darstellung.“ Er glaube, so Bartels, dass die „ungehemmte Gewalttätigkeit der Kommunikation“ vor allem deshalb funktioniert, weil sie in ihrer Anonymität geboren werde. „Es werden Menschen – die man in keinster Weise kennt – beschimpft, beleidigt und verleumdet.“ Bedauerlich sei, dass der „Kristallisationspunkt und der Anfang dieser Kommunikation ausgerechnet von Beamten im Dienst gesetzt wurden“. Bartels lobte die Berichterstattung der Dewezet – sie sei eine der wenigen Zeitungen gewesen, die genau recherchiert habe.

NDR-Korrespondent Wilhelm Purk sagte, er habe mit dem DPolG-Vorsitzenden in Bayern gesprochen. „Er hat die Untersuchungsergebnisse als nachrangig bezeichnet, ist nicht bereit, seine Kritik zurückzunehmen.“ Das erste Erscheinungsbild sei entscheidend gewesen, habe der Gewerkschafter erklärt. Bartels sagte dazu: Für die in Teilen mangelhafte Reinigung einiger weniger Zimmer habe er sich sofort entschuldigt. Die Mängel seien umgehend behoben worden.

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