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Stadt will Gebäude an der Werkstraße kaufen / Bis zu 80 Plätze geplant

Sammelunterkunft in Klein Berkel geplant

Die Stadt plant, im Gewerbegebiet in Klein Berkel eine Sammelunterkunft für Flüchtlinge anzukaufen. Bis zu 80 Plätze sollen dort ab dem Sommer vorgehalten werden. Trotzdem wolle man an dem grundsätzlichen Prinzip der dezentralen Unterbringung festhalten, sagte Stadtbaurat Hermann Aden.

veröffentlicht am 15.02.2016 um 16:31 Uhr
aktualisiert am 18.02.2016 um 12:43 Uhr

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von andrea tiedemann

Hameln. Die Stadt plant, im Gewerbegebiet in Klein Berkel eine Sammelunterkunft für Flüchtlinge einzurichten. In der Werkstraße soll ein Gebäude angekauft werden, sagte Hermann Aden (Grüne). In der Werkstraße könnten dann bis zu 80 Plätze geschaffen werden, so der Stadtbaurat. In dem Gebäude ist derzeit noch die Akademie Überlingen untergebracht – bis Ende März aber verlässt die Bildungseinrichtung einen Teil des Gebäudes – das Haus mit der Nummer sieben –, um die Standorte weiter zu zentralisieren. „Wir haben gekündigt“, bestätigt Andrea Hofmann vom Hamelner Standort. Während in der Nummer acht weiterhin Fortbildungen zum Küchenhelfer stattfinden werden, soll der Bereich nebenan umgebaut werden. Zimmer müssen hergerichtet werden und Sanitäranlagen installiert. Die „Doppelfunktion“ des Hauses sei für die Arbeit der Akademie kein Problem, so Hofmann.

Mit dieser Sammelunterkunft wolle man aber nicht die grundsätzliche Haltung, Flüchtlinge dezentral unterzubringen, aufgeben, sagte Aden. Doch angesichts steigender Flüchtlingszahlen kommt die Stadt bei der Unterbringung kaum hinterher. Teilweise, so Aden, könne man die Unterbringung hinauszögern und die Menschen ein paar Tage länger in der Kaserne lassen. Das sei aber nicht immer möglich. Für solche Fälle ist die Unterkunft in der Werkstraße vorgesehen – also als reines Übergangsquartier. „Damit sie nicht auf der Straße stehen.“ Dass die Unterkunft mitten in einem Gewerbegebiet liegt, sei kein Problem, so Aden. Die baurechtlichen Vorschriften würden würden bei der Unterbringung von Flüchtlingen nicht so streng ausgelegt wie sonst. Dass es gerade dieses Objekt ist, sei „Zufall“, so Aden. „Es wurde frei und uns zum Kauf angeboten.“ Kaufpreis und genaue Quadratmeterzahl verrät er nicht.

Doch wie finden die Anwohner das Vorhaben? Oliver Gohritz, der mit seinem Autoservice direkt gegenüber wohnt, ist dagegen. Abgesehen davon, dass er darüber gerne vorher von der Stadt informiert worden wäre, stehe er der derzeitigen Flüchtlingspolitik grundsätzlich skeptisch gegenüber. Er habe auch Sorge um seine kleine Tochter, sagt er. Auch ein weiterer Nachbar, der anonym bleiben möchte, ist „geschockt“. Er habe die Befürchtung, dass durch die Flüchtlinge vermehrt gestohlen werde – er könne seine Waren dann nicht mehr so offen präsentieren wie bisher. „Aber man kann ja nichts machen“, sagt er resigniert. „Im Notfall muss ich dann verkaufen.“ Marion Besoke, die in der Werkstraße 15 A ein Gästehaus betreibt, kann sich ohne weitere Informationen keine differenzierte Meinung machen, sagt sie. „Die Stadt muss Anlieger natürlich nicht vorher fragen, aber es wäre angebracht und zweckmäßig.“ Sie habe zunächst viele Fragen zum Projekt: Wie werden die Flüchtlinge versorgt? Wer betreut sie dort? Ist die Unterbringung nur für eine begrenzte Zeit geplant? Und: Wer genau soll hier einziehen – Familien oder einzelne Männer? Alles Fragen, die wichtig seien, um sich überhaupt zu dem Projekt positionieren zu können. Und natürlich hofft Besoke, dass es für den Betrieb ihres Gästehauses keine Beeinträchtigungen gibt.

Ortsbürgermeisterin Ilona-Ute Bode-Wißmann (CDU) findet die Entscheidung der Stadtverwaltung „okay“, schließlich müsse man irgendwo Platz für die Flüchtlinge finden. „Wir versuchen natürlich, da zu unterstützen.“

Ob es bei dieser Sammelunterkunft bleibt oder künftig weitere geben muss, vermag Aden noch nicht sagen. Man könne es „für die Zukunft nicht ausschließen“. Die Wohnungen sollen „nachnutzbar“ errichtet werden; also auch für eine alternative Nachnutzung geeignet sein.

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