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... und soll im Notfall schnell einsatzbereit sein

Sammelunterkunft in Klein Berkel bleibt...

veröffentlicht am 05.09.2016 um 18:53 Uhr
aktualisiert am 07.09.2016 um 20:12 Uhr

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Autor:

Andreas Timphaus

Seit einigen Monaten ist der Zustrom von schutzsuchenden Menschen nach Deutschland praktisch versiegt. Damit hat auch der Druck auf die Städte und Gemeinden nachgelassen. Dennoch verfolgen die Verantwortlichen in den Rathäusern wohl weiter aufmerksam die weltpolitischen Entwicklungen. Die Lage kann sich schließlich fast täglich ändern.

Die Stadt hatte auch während des Höhepunkts der Flüchtlingskrise versucht, die ankommenden Menschen dezentral unterzubringen – mit Erfolg. Um für einen etwaigen Notfall gerüstet zu sein, wurde im Rathaus zu Beginn des Jahres dennoch der Entschluss gefasst, im Gewerbegebiet in Klein Berkel eine Sammelunterkunft für Flüchtlinge einzurichten – als reines Übergangsquartier. Dazu wurde an der Werkstraße ein Haus für rund 658 000 Euro erworben. Inzwischen hat sich die Situation deutlich entspannt. Im Juli musste die Stadt nur noch neun Flüchtlinge unterbringen. Deshalb stellt sich die Frage, wie die Stadt nun weiter mit dem Gebäude plant.

In der letzten Sitzung des Ortsrats Klein Berkel verteidigte Dieter Schur, Fachbereichsleiter für Recht und Sicherheit, noch einmal die Entscheidung der Verwaltung zum Kauf. „Die Notwendigkeit war da.“ Zwar stünden momentan noch genügend Wohnungen zur Verfügung, doch das Haus sei weiter als Übergangsquartier eingeplant. „Wir brauchen es für den Notfall“, sagte Schur: „Wenn weiterhin nur wenige Flüchtlinge bei uns ankommen, werden wir das Heim voraussichtlich nicht in Anspruch nehmen müssen.“

Die Anwohner dürften diese Nachricht als vorsichtige Entwarnung lesen. Der Aufschrei im Februar war groß. Nach der Ankündigung der Stadt, eine Sammelunterkunft einrichten zu wollen, hatten sie sich in einer Sitzung des Ortsrats massiv gegen eine Unterbringung von mehr als 80 Flüchtlingen an der Werkstraße gewandt. Sie sahen sich zu spät und unzureichend von der Stadt informiert, befürchteten einen Anstieg der Kriminalität und erklärten, sie hätten Angst um sich und ihre Kinder.

Mitte Mai fand eine Ortsbegehung des Areals statt, bei der Oberbürgermeister Claudio Griese im Gespräch mit Anwohnern einräumte, dass eine Übergangsunterkunft an der Werkstraße „vertretbar, aber nicht ideal“ sei. Die Anwohner äußerten ihre Angst vor ausländerfeindlichen Aktivitäten. Es habe Gespräche mit Fremden gegeben, die von möglichen Anschlägen gesprochen hätten. Nach den Hinweisen schaltete die Polizei den Staatsschutz ein.

Derzeit sieht es nicht danach aus, als ob die Sammelunterkunft in naher Zukunft wirklich zum Einsatz kommt. Dennoch bereitet sich die Stadt vor und lässt einen Teil des Gebäudes umbauen. In einem Bungalow auf dem Gelände könnten später bei Bedarf bis zu 16 Flüchtlinge in zwei Wohngruppen zeitweise eine Bleibe finden. Zirka 80 000 Euro gibt die Stadt für die Herrichtung aus. Darin enthalten sind 10 300 Euro Installationskosten für einen Zaun, der rund um das Gelände gezogen wird. Die Arbeiten an den Außenanlagen seien an eine externe Firma vergeben worden, teilt ein Stadtsprecher auf Anfrage mit.

Sollte auch der Rest des 2995 Quadratmeter großen Areals doch einmal hergerichtet werden müssen, rechnet die Stadt mit weiteren Kosten in Höhe von rund 200 000 Euro. Momentan würden an dem L-förmigen Gebäude, das an den Bungalow angrenzt, jedoch nur Sicherungsarbeiten durchgeführt, sagt Schur. Fakt ist auch: Nach den Hinweisen aus der Bevölkerung und den Geschehnissen in anderen Flüchtlingsunterkünften lässt die Stadt den Bau und das Gelände regelmäßig durch einen Sicherheitsdienst überwachen.

Was aber mit dem Areal passiert, falls sich der Flüchtlingsstrom dauerhaft auf dem momentan niedrigen Niveau einpendelt, dazu kann und will die Stadtverwaltung noch keine Einschätzung abgeben. „Leider ist in dieser Richtung keine verlässliche Aussage möglich. Die Situation in der Türkei kann über Nacht so eskalieren, dass verfolgte Türken oder Kurden untergebracht werden müssen. Aber auch mit Flüchtlingen aus den türkischen Lagern muss gerechnet werden“, heißt es aus dem Rathaus. Solange in dieser Welt Not und Verfolgung nicht aufhörten zu existieren, gehe man deshalb von einer dauerhaften Lösung aus.

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