weather-image
Verteilung der Flüchtlinge auf die Kommunen stockt

Registriert – und trotzdem in der Kaserne

Hameln. Die Stadt Hameln rechnet damit, dass sie weit mehr Flüchtlinge aufnehmen wird, als bisher geplant. Konkrete Zahlen werden nicht genannt. Bislang war von 356 Flüchtlingen bis Januar ausgegangen worden. Bis Ende 2016 könnten es darüber hinaus nach „vorsichtigen Berechnungen“ „über 1000“ sein.

veröffentlicht am 22.10.2015 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 12:46 Uhr

270_008_7785663_hm401_2210.jpg
Birte Hansen

Autor

Birte Hansen-Höche Reporterin zur Autorenseite

Hameln. Über 500 Flüchtlinge wurden in der Linsingen-Kaserne registriert und könnten somit raus aus der großen Unterkunft, rein in eine Wohnung in irgendeiner Gemeinde in Niedersachsen. So die Theorie. In der Praxis zieht sich auch dieser Schritt in die Länge.

Nach der Registrierung kann es nach Auskunft der Landesaufnahmebehörde Niedersachsen (LAB) weitere drei bis vier Wochen dauern, bis die Flüchtlinge ihren sogenannten Zuweisungsbescheid erhalten. Darauf steht, an welchem Tag sie sich in welcher Gemeinde melden sollen. „Im Einzelfall kann es aber auch zu zeitlichen Abweichungen kommen“, sagt Stefan Pankratowitz von der LAB. Sprich: Es kann schneller gehen oder auch langsamer. Es könnte so einfach sein, könnte manch einer denken, der sich längst bereiterklärt hat, Wohnraum zur Verfügung zu stellen und vielleicht sogar bestimmte Flüchtlinge, weil angefreundet, aufzunehmen, doch ohne den Zuweisungsbescheid des Landes geht es laut LAB nicht. „So nett das gemeint ist“, heißt es dort, „das würde mehr durcheinanderbringen als ordnen“, wenn die Menschen jetzt ohne den Bescheid schon loszögen.

Derweil rechnet die Stadt Hameln damit, dass sie weit mehr Flüchtlinge als bislang geplant aufnehmen wird. „Nach aktuellen Angaben sollen bis Januar 356 Flüchtlinge nach Hameln kommen. Wir gehen davon aus, dass diese Zahl deutlich höher sein wird“, heißt es aus dem Rathaus. Die Stadt spricht von „vorsichtigen Hochrechnungen“, denen zufolge es bis Ende 2016 „über 1000 Flüchtlinge“ sein könnten, die nach Hameln kommen, zusätzlich zu jenen, die bis Januar gelten – und exklusive jener Menschen, die in der Linsingen-Kaserne untergebracht sind. Der Landkreis dagegen arbeitet für den Zeitraum bis Januar 2016 noch mit den Zahlen, die seit Ende Juli gelten. Demnach hat Hameln-Pyrmont inklusive Hameln 934 Flüchtlinge aufzunehmen.

Noch könne die Stadt Hameln auf ausreichend Wohnraum zurückgreifen, aber es werde „zunehmend eng“. „Wir werden darauf angewiesen sein, dass private Vermieter weiter Wohnraum bereitstellen.“ Vor diesem Hintergrund scheint es unverständlich, dass Hamelner Bürger bereits Wohnungen angeboten, aber von der Stadt keinerlei Nachricht bekommen haben, ob ihre Hilfe benötigt wird. „Dass noch nicht auf alle vorliegenden Wohnungsangebote zurückgegriffen werden konnte, ist auf Personalengpässe zurückzuführen“, sagt ein Sprecher der Stadt. Jede einzelne Wohnung anzusehen, nehme Zeit in Anspruch. Der Personalengpass soll beseitigt werden – sechs neue Mitarbeiter sollen die Abteilung Zuwanderung „sehr kurzfristig“ unterstützen. Hierfür „hat die Politik einer Ausnahme vom Einstellungsstopp zugestimmt“ und „es gibt einen Nachtragsstellenplan“ für diese neu geschaffenen vollen Stellen.

Copyright © Deister- und Weserzeitung 2017
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare