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Fana Abraham aus Eritrea ist Asylbewerberin und engagiert sich für Flüchtlinge

Odyssee beendet – hoffentlich

Hameln. Fana Abraham spricht nicht nur mit ihrem Mund. Auch die Hände der Frau aus Eritrea sind ständig in Bewegung, die Finger wirbeln durch die Luft. Wenn sie von ihrem bisherigen Leben erzählt, unterstreicht sie oft ihre Aussagen, indem sie mit der Faust in die flache Hand haut. Die 25-Jährige lebt als Asylbewerberin mit ihren zwei Kindern in Hameln – und engagiert sich trotz eigener Probleme für Flüchtlinge.

veröffentlicht am 24.08.2015 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 14.12.2015 um 15:29 Uhr

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Autor:

Andreas Timphaus

Die Geschichte ihrer Flucht gleicht – wie bei vielen Flüchtlingen – einer Odyssee. 2003 musste sie mit ihrer Tante in den Sudan fliehen. Nach ihrem Vater war auch ihre Mutter verhaftet und ins Gefängnis geworfen worden, weil sie als Anhänger einer protestantisch-christlichen Gemeinschaft verfolgt wurden. Ab 2009 lebte sie nach einem Gewaltmarsch durch die Sahara, bei dem drei Menschen starben, für zwei Jahre in Libyen. Dort hatte Abraham mit Repressalien und Gewalt seitens der Polizei zu kämpfen. „Es konnte sein, dass du 1000 Dinar (rund 650 Euro) für deine Freilassung zahlen musstest, und in der nächsten Woche verhafteten sie dich erneut und verlangten wieder Geld von dir“, sagt sie.

2011, etwa zu der Zeit, als der libysche Diktator Muammar al-Gaddafi gestürzt wurde, flüchtete sie nach Italien. „Wir waren mindestens 150 Menschen in dem Boot. Es spritzte immer wieder Wasser hinein. Ich war pitschnass. Das Salzwasser brannte wie Feuer in den Wunden an meinem Körper“, schildert sie die Überfahrt mit den Schleusern. Von Italien aus ging es in die Schweiz. Dort blieb sie für etwa ein Jahr. „Gegen vier Uhr kamen eines Nachts Polizisten in unsere Unterkunft. Sie brachten uns zurück nach Italien, weil wir keine Papiere hatten“, erinnert sich Abraham. Während der Flucht wurden auch ihre zwei Töchter Rufta (3) und Sara (2) geboren. „Ich hatte in dieser Zeit ständig Angst, dass wir weiterziehen müssen. Wenn ich geschlafen habe, lagen meine Schuhe immer griffbereit, falls wieder jemand kommt und uns wegbringt“, erzählt sie. 2013 kam die zweifache Mutter schließlich in Deutschland an.

In Hameln hat sie wieder Freude am Leben gefunden – trotz ihrer anfänglichen Vorbehalte aufgrund der deutschen Vergangenheit. Inzwischen sagt Abraham aber: „Ich bin glücklich. Die Menschen hier sind freundlich und zeigen viel Mitgefühl.“ So passe eine Familie aus der Nachbarschaft öfters auf ihre Kinder auf, wenn sie zum Deutschunterricht müsse. Viermal in der Woche besucht sie einen Kurs. Außerdem spricht sie fließend Englisch, Arabisch und Tigrinisch. Oft fungiert sie deshalb als Dolmetscherin für andere Flüchtlinge und wird auch vom Jugend- und Sozialamt eingesetzt.

Einer Frau, die aufgrund von Leberproblemen ins Krankenhaus musste, übersetzte sie zum Beispiel die Erklärungen des Arztes. Anschließend nahm sie auch den Sohn für drei Wochen bei sich auf, weil die Mutter in der Klinik bleiben musste. „Ich habe einen Kinderwagen für zwei Personen. Das klappt also“, erklärt sie lachend. Mitunter kocht sie auch für Flüchtlinge oder passt auf die Kinder auf. Im Sozialamt hätten sie zu ihr gesagt, sie habe ein einnehmendes Wesen. „Das habe ich nicht verstanden und musste es erst einmal für mich übersetzen“, sagt sie. Die 25-Jährige will anderen Flüchtlingen helfen, weil sie deren Ängste und Gefühle genau kennt. „Ich will sie unterstützen. Irgendwann werden sie mir dann etwas zurückgeben, wenn ich selbst Hilfe brauche“, sagt Abraham. Die Menschen aus dem Land im Nordosten Afrikas, die nach Deutschland kommen, sehnten sich nach Ruhe und ein Leben ohne Gewalt. „Sie wollen niemanden stören“, glaubt sie.

Nach Eritrea – das bisweilen auch als das „Nordkorea Afrikas“ bezeichnet wird – will Abraham nicht zurückkehren. „Ich glaube nicht an mein Heimatland. Dort wird nie Frieden herrschen.“ Sie wünscht sich eine sichere Zukunft für ihre Kinder und will am liebsten in Deutschland bleiben. „Meine Kinder sind Deutsche.“

Flüchtlingswellen, die nicht abreißen, Flüchtlingsdramen, die sich abspielen. Hinter diesen Worten stecken Menschen. In einer Serie stellt die Dewezet Flüchtlinge vor. Und die, die ihnen helfen. Heute Fana Abraham aus Eritrea, die als Asylbewerberin anderen Flüchtlingen hilft.

Die Geschichte von Fana Abrahams Flucht gleicht – wie bei vielen Flüchtlingen – einer Odyssee. 2013 kam die zweifache Mutter mit ihren Kindern nach Deutschland – und möchte das Land am liebsten nie wieder verlassen. „Die Menschen hier zeigen viel Mitgefühl“, sagt die 25-Jährige.at

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