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Linsingen-Kaserne: 200 Angestellte versorgen 250 Flüchtlinge / Binder rechnet mit Neuankömmlingen

„Nur eine Momentaufnahme“

Hameln. Derzeit leben nur noch rund 250 Flüchtlinge in der Linsingen-Kaserne, für die Versorgung stehen nach wie vor 200 Angestellte zur Verfügung. Wilfried Binder, organisatorischer Leiter der Erstaufnahmeeinrichtung hält das jedoch für eine „Momentaufnahme“ und rechnet bald wieder mit einer höheren Auslastung.

veröffentlicht am 02.03.2016 um 19:29 Uhr
aktualisiert am 17.03.2016 um 12:23 Uhr

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Autor:

von jennifer minke-beil

Hameln. „Natürlich entlassen wir jetzt keine Mitarbeiter", sagt Wilfried Binder, organisatorischer Leiter der Erstaufnahmeeinrichtung in der Linisingen-Kaserne – seine Antwort klingt ein wenig genervt. Die Frage, ob zu viele Mitarbeiter mit zu wenigen Flüchtlingen beschäftigt sind, möchte er nicht gelten lassen. „Das ist doch nur eine Momentaufnahme“, so Binder. Schon morgen könnten wieder 100 Flüchtlinge vor der Tür stehen. Er sei völlig fremdbestimmt und müsse mit seinem Team rund um die Uhr vorbereitet sein. „Wir rechnen täglich mit Neuankömmlingen.“ Wie berichtet, befinden sich derzeit nur noch rund 250 Flüchtlinge in der Einrichtung, für die Versorgung stehen nach wie vor 200 Angestellte zur Verfügung.

Die meisten Stellen halte das Deutsche Rote Kreuz (DRK) vor, aber auch der Landkreis und ein Sicherheitsdienst gehören zu den Arbeitgebern. Landkreis-Sprecherin Sandra Lummitsch bestätigt, dass die Mitarbeiter ihre Jobs behalten. „In der Hochphase als knapp 1000 Flüchtlinge in der Kaserne untergebracht waren, sind natürlich viele Arbeiten liegen geblieben“, meint Lummitsch. Die könnten nun erledigt werden. Außerdem ist sie davon überzeugt, dass sich die Zeiten auch wieder ändern – die Auslastung in der Linsingen-Kaserne also wieder ansteigen wird.

Aus Binders Sicht wäre es aus diesem Grund grob fahrlässig, die eingearbeiteten Mitarbeiter wieder weg zu schicken. „Die Leute bekommen wir doch auf dem Arbeitsmarkt nie wieder zurück und wir fangen von vorne an.“ Als im September die großen Flüchtlings-Massen in der Kaserne eintrafen, hätten alle Helfer – ganz gleich, ob ehrenamtlich oder festangestellt – die Arbeit aus dem Stand heraus, ohne große Erfahrung, bewältigt. Nun seien alle eingearbeitet, die Abläufe vertraut. „Wir sind professioneller geworden“, sagt Binder. Auch viele Ehrenamtliche halten an ihren Aufgaben fest, dadurch sei die Betreuung intensiver. Im Durchschnitt leben die Flüchtlinge sechs Wochen in der Kaserne, so der Leiter. In Einzelfällen gehe eine Verteilung schneller, andere Menschen warten aber schon seit Monaten in der Kaserne auf eine Zuteilung zu einem Wohnort.

Die jetzige Zeit könne für Reparaturen, Kinderbetreuung und Außentermine genutzt werden. Binder möchte, dass die Flüchtlinge für einige Stunden aus der Kaserne rauszukommen. Deshalb sind Asylsuchende in dieser Woche mit Sozialarbeitern auf dem Wochenmarkt unterwegs oder besuchen Betriebe, um sich Arbeitsabläufe anzusehen. Binder hält es für sinnvoll, dass die Integration schon in der Zeit der Erstaufnahme erfolge. Das helfe „dummen Gerüchten“ in der Bevölkerung vorzubeugen, die „es leider häufig gibt“, so Binder.

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