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Im Zentrum und in Rohrsen hat hingegen laut Statistik jeder Fünfte einen fremden Pass

Nur ein Ausländer in Klein Hilligsfeld

Hameln. Seit Mitte der 1990er Jahre kannte die Einwohnerzahl Hamelns vor allem eine Richtung: abwärts. Doch 2014 hat der Zustrom von Kriegsflüchtlingen und anderen Ausländern offenbar zu einer zumindest vorläufigen Trendwende geführt: Nach den jetzt vorgelegten Zahlen stieg die Zahl der Menschen mit Hauptwohnsitz in Hameln um 50 auf 56 310 Köpfe. Das sind zwar gerade einmal 0,08 Prozent mehr, aber im aktuellen und im nächsten Jahr dürfte die Entwicklung anhalten. Bundesweit wurden zur selben Zeit 430 000 Neubürger gezählt; dieses Plus von 0,5 Prozent ist deutlich höher als das in der Rattenfängerstadt. Dennoch: Aus der Hamelner Meldedatei lassen sich überraschende Fakten ablesen:

veröffentlicht am 29.12.2015 um 18:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 12:59 Uhr

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Marc Fisser

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Marc Fisser Reporter / Newsdesk zur Autorenseite

10,1%

Ende 2014 hatte jeder zehnte Einwohner mit Hamelner Hauptwohnsitz einen ausländischen Pass. Der Ausländeranteil liegt deutlich höher als niedersachsenweit (6,7 Prozent) und etwas über dem Bundesdurchschnitt (9,3). Niedersachsen ist nach Schleswig-Holstein (5,3) das westdeutsche Land mit dem niedrigsten Ausländeranteil. Diese Statistik bildet nicht ab, wie viele Migranten inzwischen die deutsche Staatsbürgerschaft erworben haben und nun als Deutsche gelten.

22,7%

Die Menschen mit ausländischem Pass sind alles andere als gleichmäßig über das Hamelner Stadtgebiet verteilt. Während der Ausländeranteil in der Kernstadt mit 12,1 Prozent angegeben wird, sind es in den Ortschaften 6,5 Prozent. In der Altstadt und in Rohrsen sind 22,7 beziehungsweise 20,0 Prozent der Bewohner Zuwanderer, in der Südstadt 17,8 und im statistischen Bezirk „Mitte“, der die Altstadt östlich der Weser umgibt, 15,8 Prozent. Rohrsens „Kuckuck“ war zum sozialen Brennpunkt geworden; Stadt und der Landkreis steuern dort jetzt gegen, wollen das Quartier aufwerten und für eine stärkere Durchmischung sorgen. Auch die anderen Viertel mit hohem Ausländeranteil sind von eher preisgünstigen Mietwohnungen geprägt. Wie kürzlich die Statistik zur privaten Verschuldung gezeigt hat, sind hier überdurchschnittlich viele Menschen knapp bei Kasse.

0,8%

In den Gegenden mit vielen Einfamilienhäusern und in allen Ortschaften ist der Migrantenanteil sehr gering. Unter den 124 Klein Hilligsfeldern etwa lebte 2014 nur ein einziger Zuwanderer; daraus errechnet sich ein Ausländeranteil von 0,8 Prozent. In Welliehausen wurden sieben ausländische Mitbürger gezählt (1,8 Prozent), in Halvestorf 29 (1,9 Prozent). Den höchsten Zuwandereranteil unter den Ortschaften hatte Ende 2014 das städtisch geprägte Afferde mit 7,8 Prozent: 394 der 4686 Bewohner kommen dort aus einem anderen Staat.

19%

Knapp jeder Fünfte unter den ausländischen Einwohnern Hamelns ist zwischen 35 und 45 Jahre alt. Dieser Anteil liegt doppelt so hoch wie in der gesamten Einwohnerschaft. Auch in der Gruppe der 25- bis 35-Jährigen lässt sich dies beobachten. Hingegen ist der Anteil der Ausländer an der Rentnerschaft mit 12,5 Prozent nur halb so groß wie der aller über 65 Jahr alten Menschen an der Bevölkerung. Es ist ein Indiz dafür, dass sich Menschen hier zum Arbeiten niederlassen und später in ihre Heimat zurückkehren, vielleicht wegen des angenehmeren Klimas oder der Familienbande. Andere, die lange hier sind, nehmen die deutsche Staatsbürgerschaft an.

13%

419 und damit 13 Prozent der im vorigen Jahr in Hameln zugezogenen Menschen kamen aus dem Ausland. Ein Viertel waren Kinder oder Jugendliche bis 15 Jahre, nur sieben (1,7 Prozent) befanden sich im Rentenalter. Knapp jeder Dritte war zwischen 25 und 39 Jahre alt. Umgekehrt sind im gleichen Zeitraum 270 Hamelner ins Ausland gezogen – auch hier wohl vor allem aus beruflichen Gründen, denn der Anteil der 25- bis 39-Jährigen ist mit fast 40 Prozent auffällig hoch. 18 der insgesamt 159 weggezogenen Senioren aus Hameln verbringen ihren Lebensabend nun außerhalb Deutschlands. Wie viele davon frühere „Gastarbeiter“ sind und wie viele schlichtweg Sonnenhungrige, verrät die Statistik nicht.

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