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Landrat: „Fühlen uns gefordert, nicht überfordert“ / Stimmen zum Ministerbesuch

Noch zehn Jahre Flüchtlinge in der Kaserne?

Landrat Tjark Bartels (SPD) betont, der Landkreis Hameln-Pyrmont gehöre nicht zu den Landkreisen, die sich überfordert fühlten. „Wir fühlen uns gefordert, aber nicht überfordert, denn wir sehen deutlich mehr Chancen als Risiken.“ Hier gebe es „kein Ansteigen der Kriminalität“, sondern „wertvolle Begegnungen“.

veröffentlicht am 01.02.2016 um 18:30 Uhr
aktualisiert am 15.03.2016 um 07:45 Uhr

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Staatssekretärin Gabriele Lösekrug-Möller (SPD) mahnt – wie auch schon Gabriel und Bartels – eine schnellere Bearbeitung der Asylanträge an. „Das lange Warten ist vertane Zeit für Integration“, sagt die Politikerin. Bartels schlägt vor, dass Flüchtlinge ihre Asylanträge direkt in Hameln stellen können. Dann ginge nicht so viel Zeit verloren. Dafür will sich Sigmar Gabriel nun starkmachen (siehe oben).

Auch Oberbürgermeister Claudio Griese (CDU) würde eine Außenstelle des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (Bamf) und damit eine Bearbeitung der Asylanträge vor Ort begrüßen, das trage zur Entlastung bei. Viele andere bundespolitische Entscheidungen seien dagegen vor Ort noch nicht umsetzbar wie in anderen Städten und Gemeinden, fühlt sich Griese an dieser Stelle alleingelassen. Beispiel: Die Finanzierung von Sprach- und Integrationskursen sei eine klassische Aufgabe des Bundes. „Wie es hier weitergeht, ist noch unklar.“ Aufgaben wie der soziale Wohnungsbau stellten die Städte und Gemeinden zudem vor große Herausforderungen: Zwar gebe es zinslose KfW-Kredite, nichtsdestotrotz müssten die Städte und Gemeinden zunächst in Vorleistung gehen.

Der heimische Landtagsabgeordnete Ulrich Watermann (SPD) schätzt, dass die Linsingen-Kaserne wohl noch für die nächsten zehn Jahre Erstaufnahmeeinrichtung bleiben wird. Die globalen Krisen würden schließlich nicht weniger. Zu gestern im Internet geäußerter Kritik, Minister Gabriel solle doch lieber „mit der Bevölkerung“ als mit Flüchtlingen reden, sagte Watermann: „Politiker reden tagtäglich mit Leuten.“ Gesprächspartner seien „Menschen“ – ob nun Flüchtlinge oder nicht. Hier sollten keine „künstlichen Gegensätze“ aufgebaut werden.

„Mein größter Wunsch ist, dass die Verwaltung die Anträge schneller bearbeitet“, sagt Ahmad al Sabagh al Dehni. Der Syrer gehört dem Ältestenrat an und wartet schon seit Monaten auf seinen Termin für den Asylantrag. Auf die Frage, ob Gabriel ein Versprechen gegeben habe, sagt er: Der Besuch des Wirtschaftsministers habe ihm Hoffnung gegeben. Al Dehni ist ehrenamtlich in der in der Kleiderkammer und Fahrradwerkstatt der Kaserne tätig, übersetzt und erledigt viele andere Arbeiten.doro/fh

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