weather-image
Oldendorfer setzen sich mit Flugblatt für den Erhalt des Catharinenhofs ein

Lieber Hotel als Flüchtlingsherberge

Oldendorf. Noch ist nicht entschieden, ob tatsächlich unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in das Hotel in Oldendorf ziehen, doch schon erheben sich Stimmen, die den Catharinenhof erhalten wollen und dagegen sind, dass zehn Kinder, die durch den Krieg von ihren Eltern getrennt wurden, in das 1274 Seelen Dorf ziehen.

veröffentlicht am 25.02.2016 um 17:19 Uhr
aktualisiert am 27.02.2016 um 16:39 Uhr

270_008_7839502_LKCS_Catharinenhof_Oldendorf_ms.jpg

Autor:

von Maike Lina Schaper

Ein Flugblatt geht in Oldendorf herum, das die Bürger mobil machen möchte und dazu aufruft, den Catharinenhof als Hotel zu retten. Unterzeichnet ist es von Bernhard und Andrea Manning. 500 Stück haben sie schon verteilt, sagt Bernhard Manning. Mehr sollen in den umliegenden Ortschaften noch folgen. Einen fremdenfeindlichen Hintergrund habe das Flugblatt aber keineswegs: „Mir geht es nicht um die Flüchtlinge, es geht mir bei dieser Sache darum, dass ein etabliertes Hotel kaputtgemacht wird“, unterstreicht Manning und das zeigt sich auch auf seinem Flugblatt. Darauf beklagt er unter anderem, dass Arbeitsplätze vernichtet würden, wenn es das Hotel nicht mehr gäbe. Zudem gehe dem Dorf ein Ort für Feiern und Vereinsversammlungen verloren. Wieso man denn nicht stattdessen eine leer stehende Immobilie für die Unterbringung der Flüchtlinge wählen könnte, fragt Manning in einem Telefonat mit der Dewezet.

Tatsächlich ist es so, dass Salzhemmendorf genug Wohnraum für alle Flüchtlinge zur Verfügung stellen kann, sagt Gemeindebürgermeister Clemens Pommerening. Es gäbe sogar derzeit mehr angebotene Wohnungen, als Flüchtlinge. „Hauptsächlich bekommen wir Familien aus der Linsingen Kaserne, mit denen wir bislang sehr gute Erfahrungen gemacht haben. Das spricht sich auch unter den Vermietern rum“, lobt Pommerening. Um zehn Minderjährige zu betreuen, sei allerdings eine gemeinsame Unterbringung vorteilhafter. Dafür würden sich Wohnungen nicht so sehr eignen, wie beispielsweise ein Hotel. Aktuell würden 130 Flüchtlinge im Gemeindegebiet verteilt leben. In Oldendorf wären die Kinder im Catharinenhof die Ersten.

Das Flugblatt ist auch im Rathaus eingegangen. Die Entscheidung, an wen das Hotel vermietet wird, ist allerdings ganz allein Sache des Eigentümers, betont Pommerening. In Bezug dazu gibt der Bürgermeister zu bedenken, dass Arbeitsplätze auch in einer Betreuungseinrichtung geschaffen würden. Darüber hinaus könnte man den Eigentümer sicherlich fragen, ob für Veranstaltungen die Räume weiterhin genutzt werden können. „Natürlich ist es schade, wenn eine etablierte Einrichtung geht, aber da sind uns die Hände gebunden, weil es sich um einen privaten Eigentümer handelt. Für die Gemeinde ist es zu verschmerzen, wenn gleichzeitig etwas Neues entsteht“, so Pommerenings Einschätzung.

Worüber in Oldendorf noch Verwirrung zu herrschen scheint, sind die Zuständigkeiten: Verantwortlich für die Unterbringung der besagten minderjährigen Flüchtlinge ist der Landkreis Hameln-Pyrmont als Jugendhilfeträger. Dieser steht bereits in Kontakt mit einer privaten Einrichtung aus Hildesheim, die im Auftrag des Landkreises die Betreuung der Flüchtlingskinder übernehmen würde. Diese würden in den Catharinenhof einziehen, wenn Mitte des Jahres der Pachtvertrag zwischen dem Besitzer der Immobilie und der derzeitigen Pächterin des Catharinenhofs, Kerstin Manthei, ausläuft.

Fragt man die Oldendorfer auf der Straße, was sie von dieser Möglichkeit halten, hört man viel Empathie für die Flüchtlinge. Auch mit Minderjähringen haben die Oldendorfer keine Probleme: „Unsere Kinder waren in der Pubertät auch nicht einfach.“ Doch es gibt auch Leute, denen die ganze Planung nicht so recht ist.

Für alle – Gegner, Zweifler und Befürworter – wird es Mitte März dazu eine Informationsveranstaltung in Oldendorf geben.

Noch ist die Zukunft des Catharinenhofs in Oldendorf nicht entschieden. Für den Erhalt als Hotel, versuchen nun die Oldendorfer Bernhard und Andrea Manning zu kämpfen. ms

Copyright © Deister- und Weserzeitung 2017
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare