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Betreiber eines Fitnessstudios mit Antidiskriminierungsgesetz konfrontiert / Sportvereine gründen Netzwerk

„Lehnen keine Flüchtlinge mehr ab“

Hameln. Sport ist auch einigen Flüchtlingen wichtig, die in Hameln leben. Doch für Neuankömmlinge, die die deutsche Sprache nicht beherrschen, ist die Aufnahme in einem Fitnessstudio oft schwierig. Die Kosten sind hoch – und einige Betreiber sehen einen Konflikt zwischen Stammkundschaft und den Asylsuchenden.

veröffentlicht am 30.03.2016 um 17:44 Uhr
aktualisiert am 31.03.2016 um 13:58 Uhr

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Autor:

von Jennifer Minke-Beil

Hameln. Sport ist vielen Menschen wichtig – auch einigen Flüchtlinge, die in Hameln leben. Doch für Neuankömmlinge, die die deutsche Sprache nicht beherrschen, ist vor allem die Aufnahme in einem Fitnessstudio oft schwierig. Die Kosten sind in einfach zu hoch – oder die Betreiber sehen eine Diskrepanz zwischen Stammkundschaft und den asylsuchenden Menschen

Auch beim „LifeSports“ Hameln soll vor einiger Zeit ein potenzieller Kunde abgewiesen worden sein, weil er ein Asylsuchender ist. Das sei so in einem Einzelfall vorgefallen, bestätigt Inhaber Roland Schneider. Allerdings wurde sein Mitarbeiter, der damals diese Entscheidung am Empfang getroffen hatte, mit dem bestehenden Antidiskriminierungsgesetz konfrontiert. „Wir dürfen Flüchtlinge nicht ablehnen und machen das auch nicht mehr“, sagt Schneider.

Mit Hose in die Sauna

Er habe Bedenken wegen der recht hohen Kosten gehabt, die in seinem Studio anfallen: 70 Euro müsse ein Kunde im Monat aufbringen. „Da die meisten Flüchtlinge kein eigenes Konto haben und die Summe auch nicht selbst aufbringen können, haben wir das kritisch gesehen“, sagt Schneider. „Wir gehören in Hameln sicher zu den hochpreisigen Sportstudios.“ Somit hätten sich einige Flüchtlinge dann auch nach günstigeren Alternativen umgesehen. Landkreissprecherin Sandra Lummitsch erklärt zum Thema Einkommen und Geld: „Den Menschen steht ein festgeschriebener Betrag über das Asylbewerberleistungsgesetz zu oder ein Taschengeld.“ Damit könnten sie machen, was sie möchten.

„Wir sind ein buntes Land und das ist auch gut so“, sagt Schneider. Zehn bis 15 Prozent seiner Kunden seien ausländische Mitbürger. „Wer sich benimmt, darf bleiben.“ Da sei es unwichtig, ob der Mensch aus Syrien oder Aerzen stamme. Allerdings sehe er auch Gefahren aufgrund der Sprachprobleme bei den Flüchtlingen. Sie würden zum Teil die Geräte fehlerhaft nutzen, das könne zu Verletzungen führen. Auch die Sauna sei ein Problem. Je nach Religion würden einige Männer Hosen tragen. „Vor allem Frauen verspüren dann eine gewisse Ablehnung“, so Schneider. Letztendlich müsse er auch stets den Blick auf die betriebswirtschaftliche Seite seines Studios richten. Die Kunden müssten sich wohlfühlen.

Deutlich kostengünstigere Sporteinheiten können die Flüchtlinge in den Vereinen wahrnehmen. Kurze Wege, schnelle Hilfe mit wenig Bürokratie – das haben sich die Mitglieder vom Runden Tisch Hamelner Sportvereine auf die Fahnen geschrieben. Sie setzen sich schon seit mehreren Monaten dafür ein, dass Flüchtlinge eine Möglichkeit bekommen, Sport zu treiben – und zwar kostenlos.

Udo Wolten ist Sprecher dieses Gremiums und koordiniert die Anfragen von Flüchtlingen. Zehn Vereine aus Hameln gehören zu diesem Netzwerk, die Flüchtlinge aufnehmen. Wolten selbst habe auch schon mit zwölf Asylsuchenden zusammen Volleyball gespielt. Mittlerweile hätte sich daraus eine Hobbygruppe mit deutschen Vereinssportlern entwickelt. Man bringe die Menschen Stück für Stück an die bestehenden Strukturen heran. Von gelungener Integration will Wolten nicht unbedingt sprechen. „Das ist vielleicht noch ein Schritt zu viel. Ich nenne es gerne ein gelungenes Zusammenspiel.“

Manchmal gebe es natürlich Sprachprobleme, dann kämen Hände und Füße zur Verständigung hinzu. Doch einige Flüchtlinge machten Fortschritte beim Erlernen der deutschen Sprache. „Es ist gut, dass die Flüchtlinge bei uns nicht nur unter sich sind und somit gezwungen sind, sich auf Deutsch zu verständigen.“

Von den Asylsuchenden seien einige auch ambitionierte Sportler. Zwei hätten schon einen Spielerpass und könnten am Ligabetrieb teilnehmen. Auch im Karateklub sei ein junger Mann seit einem guten Jahr konstant dabei und hätte schon Gürtelprüfungen absolviert. Bisher hätten kaum Flüchtlingsfrauen die Angebote wahrgenommen, bei den Interessenten handelte es sich bei den Teilnehmern um junge Männer – unter 30 Jahre.

Die Vereine haben sich darauf geeinigt, dass die Asylsuchenden keinen Beitrag zahlen müssen. Über eine Zusatzversicherung des Landessportbundes seien sie versichert, so Wolten.

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