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Nur noch ein Flüchtling befindet sich in der Erstaufnahmeeinrichtung an der Süntelstraße

Leere Kaserne – was macht das Personal?

HAMELN. Die Situation in der Erstaufnahmeeinrichtung in Hameln stellt sich derzeit bizarr dar – zumindest einem Außenstehenden. Genau ein Flüchtling befindet sich auf dem Kasernen-Gelände, dem ein Stamm von 126 Mitarbeitern gegenübersteht. Sie waren ursprünglich für die Betreuung von 1000 Flüchtlingen notwendig. Doch der Strom der aus den krisengeschüttelten Gebieten Geflüchteten ist nach Schließung der Balkanroute drastisch abgeebbt. Was bedeutet diese Entwicklung für die in der Linsingen-Kaserne Beschäftigten?

veröffentlicht am 27.05.2016 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 06.06.2016 um 18:09 Uhr

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Autor:

von g. erol hesse-öztanil

„Keiner von ihnen dreht Däumchen“, sagt Hameln-Pyrmonts Kreisrätin Petra Broistedt. Es sei ausreichend Arbeit vorhanden. Ein jüngst gebildetes Team „Flüchtlings- und Sozialhilfearbeit“ hat in den Städten und Gemeinden seine Arbeit aufgenommen, um dort Ehrenamt und Sozialarbeit zu koordinieren. „Sozialpädagogen sind einer Gemeinde zugeordnet worden, bieten dort beispielsweise Sprechstunden an oder organisieren Deutschkurse.“ Andere Beschäftigte sollen in Abstimmung mit dem DRK im Bereich der Kinderbetreuung tätig werden oder Ferienpass-Aktionen begleiten. Die Pflege der Grünflächen lag bislang in der Hand einer externen Firma. Der wurde gekündigt. „Diese Arbeit übernehmen die Hausmeister. Und wenn es auf die kalte Jahreszeit zugeht, wird das Personal auch im Winterdienst eingesetzt“, erklärt Broistedt. Freie Stellen beim Landkreis wurden mit den Erstregistrierern besetzt. Und die Sprachmittler werden überall dort eingesetzt, wo Bedarf ist, etwa im Jobcenter oder in der Agentur für Arbeit. Mit dem „Tag der Kulturen“ oder dem traditionellen Ramadan-Fest seien weitere Gelegenheiten für eine Mitarbeit der Beschäftigten gegeben. Auch für das Medical Center ist eine Verwendung außerhalb der Kaserne gefunden wurden. Es soll Flüchtlinge in den Ortschaften ärztlich beraten. Das rund 40-köpfige Küchenpersonal wird nun größtenteils fachfremd eingesetzt, übernimmt Garten- und Grünflächenarbeit oder ist im Lager tätig. Der Sicherheitsdienst ist personell heruntergefahren worden. In Kürze soll zudem mit dem Abbau der Betten und Schränken begonnen werden, um das Mobiliar einzulagern.

Die Kosten für die Einrichtung trägt bis zur Schließung am Jahresende das Land. Entsprechend wurden seinerzeit die Verträge für die Beschäftigten unter Dach und Fach gebracht. Gleichwohl versucht der Landkreis, die Kosten für den Betrieb der Erstaufnahmeeinrichtung zu senken. „Das Land ist ursprünglich davon ausgegangen, dass der Flüchtlingsstrom länger anhalten würde. Ich fände es den Mitarbeitern gegenüber unfair, wenn wir sie jetzt in die Arbeitslosigkeit schicken würden“, argumentiert Broistedt. Das Land habe grünes Licht gegeben, das Personal für die Integration einzusetzen und das geschehe bereits größtenteils außerhalb der Kaserne. Genauere Zahlen nannte der Landkreis hier nicht. Betriebsbedingte Kündigungen werde es nicht geben, heißt es aus dem Kreishaus. Gemeinsam mit dem DRK wird derzeit an einem „Multikulturellen Integrations- und Kultur-Angebot“ gearbeitet. Es umfasst Sprachkurse, Bewerbungs-Coaching, Beratung zum Familiennachzug, Freizeitangebote und interkulturelle Feste, „Workshops zur Alltagsbewältigung“, mobile medizinische Beratung und die Vermittlung zu Jobcenter und Arbeitsagentur. In Emmerthal ist ein Flüchtlingscafé geplant, weitere Projekte sollen folgen.

Die Chance gerade für pädagogisch geschultes Personal, in der Integrationsarbeit einen dauerhaften Job zu finden, stehen gut. Schwieriger wird es bei den Mitarbeitern, die in der Kaserne in Küche, Verwaltung oder Lager beschäftigt sind. Broistedt „Hier hoffen wir auf eine Vermittlung durch die Agentur für Arbeit. Wir werden jedem ein gutes Zeugnis ausstellen.“

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