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Bald 1000 Flüchtlinge in der Kaserne: Kreis macht Deal mit dem Land

Landkreis plant vor allem Familien in der Kaserne aufzunehmen

Hameln (ube). Der Landkreis Hameln-Pyrmont wird die auf dem Gelände der ehemaligen Linsingen-Kaserne vom Land Niedersachsen eingerichtete Not- und Übergangsunterkunft künftig als Familien-Erstaufnahmeeinrichtung betreiben – für die Dauer eines Jahres. Das sagte Landrat Tjark Bartels am Dienstag.

veröffentlicht am 15.09.2015 um 13:41 Uhr
aktualisiert am 16.09.2015 um 18:43 Uhr

Die Linsingen-Kaserne soll künftig als Familien-Erstaufnahmeeinrichtung vom Landkreis betrieben werden. Foto: ube

Auf diese Weise würden in Hameln in erste Linie Familien und alleinreisende Frauen, Kinder und Jugendliche aufgenommen. Dieser Personenkreis sei in anderen - meist überfüllten – Erstaufnahmeeinrichtungen des Landes „derzeit in einer sehr schwierigen Situation“. Man wolle diesen Menschen im Weserbergland eine bessere Unterbringung anbieten und dem besonderen Betreuungsbedarf dieser Flüchtlinge gerecht werden. Zwischen 1000 und 1050 Flüchtlinge sollen in Kürze in den Wohnblöcken einquartiert werden. Mit einer Maximalbelegung werde in etwa drei Wochen gerechnet. Zunächst einmal müsse man aber die baulichen und logistischen Voraussetzungen dafür schaffen, sagte Bartels. Ein Novum sei, dass die Einrichtung direkt vom Landkreis betrieben werde. Den wesentlichen Teil der administrativen Aufgaben übernehme das DRK. Das Land Niedersachsen trage sämtliche Kosten. Der Landkreis Hameln-Pyrmont hat darauf verzichtet, dass die an der Süntelstraße untergebrachten Hilfesuchenden auf die „normale Quote“ für 2015 angerechnet werden. Sie liegt derzeit bei 987. Im Gegenzug hat das Land Niedersachsen der Kreisbehörde zugesichert, dass ausschließlich Asylsuchende zugewiesen werden, die aus Kriegsgebieten stammen und „eine gesicherte Identität“ haben. Darüber hinaus erhält der Landkreis keine Zuweisungen seitens des Landes, sondern erfüllt die Quote selbst durch die Übernahme von Menschen aus der Unterkunft und verteilt diese Flüchtlinge eigenverantwortlich auf die Städte und Gemeinden. Dabei komme der sogenannte Königssteiner Schlüssel zur Anwendung, sagte Bartels. Die Bürgermeister wurden gestern um 10 Uhr über diese Entwicklung informiert. Der Landkreis werde die Erstregistrierung durchführen, hieß es. So würden lange Wartezeiten vermieden, müssten die Flüchtlinge nicht erst nach Bramsche oder Braunschweig gebracht werden. Die Behörde rechnet damit, dass der überwiegende Teil der in Hameln ankommenden Flüchtlinge rasch landesweit verteilt und die Belegung alle vier Wochen wechseln wird.

An Vermieter appellierte Bartels, „gute Wohnungen“ zur Verfügung zu stellen. „Wir nehmen aber keinen Schrott, wir bezahlen nach Mietspiegel.“

Der Landrat rechnet damit, dass ein Großteil der Kriegsflüchtlinge dauerhaft in Deutschland bleiben wird. „Diese Menschen haben alles verloren und schweren Herzens ihre Heimatländer verlassen. „Es sieht nicht so aus, als hätten sie eine andere Perspektive, als hier zu bleiben. Sie stehen vor einem Neuanfang.“ Kreisrätin Petra Broistedt ergänzt: „Es ist uns sehr recht, wenn Familien bei uns Fuß fassen.“

Seit Tagen sind täglich 120 ehrenamtliche Helfer von DRK, Feuerwehr und THW auf dem Kasernengelände im Einsatz. Bartels hat in einem Brief an die Arbeitgeber appelliert, Mitarbeiter noch ein paar Tage für die Flüchtlingshilfe freizustellen. Geplant ist, die Freiwilligen rasch durch hauptamtliche Kräfte zu ersetzten. Das DRK stelle Mitarbeiter ein. Sie erhalten Jahresverträge. Petra Broistedt spricht von mehr als 120 neuen Arbeitsplätzen in der Kaserne. 

Ob die Familien-Erstaufnahmeeinrichtung in einem Jahr geschlossen werden kann, weiß angesichts der derzeitigen Lage niemand. Im November wird es darüber ein Gespräch zwischen Landrat, Oberbürgermeister und dem Land geben. Bartels kann sich vorstellen, dass die Aufnahmeeinrichtung zwar bestehen bleibt, allerdings an einem anderen Standort.   

 

Info: Hamelner sind eingeladen

Der DRK-Kreisverband Weserbergland und der Landkreis Hameln-Pyrmont laden für Freitag, 18. September, in der Zeit von 14 bis 17 Uhr interessierte Bürger in die Linsingen-Kaserne ein. Deutsche und Hilfesuchende „sollen sich näher kommen können“, heißt es. Das Treffen steht unter dem Motto „Zeit für Begegnung“. Bei Kuchen und türkischem Gebäck hätten die Besucher die Gelegenheit, das Gelände kennenzulernen, sich über die Möglichkeiten der Unterstützung und über die Einrichtung, die Bewohner und deren Alltag zu informieren, teilte die Kreisverwaltung mit. 

 

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