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Frauen und Kinder sollen dort künftig leben

Kreis mietet DRK-Gebäude für Flüchtlinge

Hessisch Oldendorf. Frauen und Kinder aus Kriegsgebieten sollen ab September eine sichere Zuflucht in Hessisch Oldendorf finden. Der Landkreis Hameln-Pyrmont hat dafür ein Gebäude des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) angemietet. Noch werde das Haus vom DRK als Kurzzeitpflegeeinrichtung genutzt, heißt es in einer Mitteilung, aber diese müsse aus wirtschaftlichen Gründen geschlossen werden.

veröffentlicht am 25.08.2015 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 26.08.2015 um 15:24 Uhr

Die Kurzzeitpflegestation in Hessisch Oldendorf wurde im Herbst 2013 eröffnet und nun schon wieder geschlossen. Demnächst sollen dort Frauen und Kinder, die aus Kriegsgebieten geflohen sind, eine Bleibe finden und auch betreut werden. Foto: Wal

Autor:

Christoph Boßmeyer

Im Oktober 2013 gestartet, ist nun schon wieder Schluss mit der Kurzzeitpflege in der Langen Straße 101. 1,2 Millionen Euro waren damals für den Neubau veranschlagt worden, gebaut wurden zwei Flügel mit jeweils acht behindertengerechten Pflegezimmern. Keine zwei Jahre später wird die Einrichtung einem anderem Zweck dienen, nämlich der Unterbringung von Flüchtlingen. Vor allem Frauen und Kinder, wie es in einer Pressemitteilung des Landkreises heißt. Das Projekt werde mit vier Frauen und acht Kindern starten und verfügt über maximal 20 Plätze.
Der Landkreis spricht von einer kurzfristigen, jedoch vorbildlichen Gemeinschaftsaktion von der Stadt Hessisch Oldendorf, dem Landkreis und dem DRK-Kreisverband Weserbergland. In der von der Kreisverwaltung jetzt angemieteten Immobilie können Frauen und Kinder in Wohngemeinschaften zusammenleben. Die Anmietung war möglich, weil der Betrieb der DRK-Kurzzeitpflegeeinrichtung aus wirtschaftlichen Gründen eingestellt werden müsse, heißt es in der gemeinsamen Pressemitteilung. „Trotz der gewohnt guten Belegung der Kurzzeitpflege in den Sommerferien ist die Auslastungsquote im Jahresdurchschnitt nicht ausreichend, um die Wirtschaftlichkeit langfristig zu gewährleisten“, so Martin Skorupski, Vorstandsvorsitzender des DRK-Kreisverbands.
 In Hessisch Oldendorf sorgt die Pressemitteilung für Kopfschütteln und schon vor der Veröffentlichung herrschte Fassungslosigkeit, denn das Vorhaben hatte sich schnell herumgesprochen. Die Kurzzeitpflege sei doch voll ausgebucht und erst vor kurzem für viel Geld gebaut worden, sagen Stimmen zu der Neuigkeit. Andere wollen gehört haben, dass den Mitarbeitern gekündigt worden sei. Weiter soll es eine Info-Veranstaltung für die Anwohner gegeben haben. Ihnen wurde gesagt, wie es mit der Kurzzeitpflegeeinrichtung weitergeht. Auch davon, dass das Gelände eingezäunt werden soll, ist die Rede. Es geht in den Gesprächen auf der Straße auf keinen Fall darum, dass nun Flüchtlinge in dem DRK-Gebäude untergebracht werden sollen.
 Bei der Eröffnung der Einrichtung mit 16 Einzelzimmern und 695 Quadratmetern Nutzfläche im Herbst 2013 hieß es unter anderem: „Mit der stationären Einrichtung in der Langen Straße 101 beschreitet das DRK einen neuen Weg in der Pflege.“ Menschen, die sich nach Krankenhausaufenthalten zuhause nicht allein versorgen können, sollten für vier bis maximal acht Wochen zur Pflege aufgenommen werden. Bei Bedarf sollte auch eine Zusatzversorgung, etwa im Bereich der Palliativpflege angeboten werden. Nach Tagespflege und Pflegedienst werde so das Angebot in Hessisch Oldendorf vervollständigt, hieß es weiter.

Bis Mitte September läuft der Betrieb der Kurzzeitpflege aus

 Betriebsbedingte Kündigungen würden in diesem Zusammenhang jedoch nicht erfolgen, wird in der Pressemitteilung den nun kursierenden Gerüchten entgegengetreten. Auch Skorupski bekräftigt nochmal, dass es keine Entlassungen geben werde. Allen Mitarbeitern solle ein anderer Arbeitsplatz im DRK-Kreisverband Weserbergland angeboten werden.
 „Die Verwendung unserer Räume für die Unterbringung von Frauen, die ihre Heimat verlassen mussten, um sich und ihre Kinder vor kriegerischen Konflikten in Sicherheit zu bringen, bedurfte keiner großen Überlegung“, betont der DRK-Vorstandsvorsitzende. Neben der Überlassung des Wohnraums hat das DRK zudem weitere Unterstützung zugesichert. Bevor nun der Landkreis Flüchtlinge in dem Gebäude unterbringt, hatte das DRK auch bei der Stadt angefragt, ob Interesse an der Nutzung bestehe. Nachdem in diesen Gesprächen offensichtlich keine Lösung gefunden werden konnte, habe sich das Deutsche Rote Kreuz direkt an den Landkreis Hameln-Pyrmont gewandt. Gemeinsam sei die jetzt angestrebte Nutzung der Einrichtung vereinbart worden. Der Betrieb der Kurzzeitpflege werde bis Mitte September langsam auslaufen. Die Angehörigen und Gäste seien informiert und wurden bei der Suche nach einer alternativen Unterbringung unterstützt. Marianne Gehring, Leiterin der Kurzzeitpflege, habe für jeden ihrer Gäste eine adäquate Lösung gefunden. Der Kreisverband könne zudem die Leistungen der Kurzzeitpflege weiterhin anbieten – nämlich im Seniorenstift in Aerzen.
 Auch Hessisch Oldendorfs Bürgermeister Harald Krüger ist froh, dass Kriegsopfern vor Ort geholfen werden kann. Gleichzeitig freut er sich, dass ein Leerstand der Immobilie verhindert werden konnte. Es stimmt, dass die Stadt die Immobilie bereits Anfang des Jahres angeboten bekommen habe. Zu diesem Zeitpunkt hätte sie jedoch keine konkrete Verwendung dafür gesehen. Bei dem Projekt nun handelt es sich um ein eng zwischen Stadt und Landkreis abgestimmtes Konzept. Dass es dabei primär um allein reisende Frauen und Kinder gehen soll, sei erst zu einem späteren Zeitpunkt festgelegt worden. Ausgangspunkt sei gewesen, dass Niedersachsen sich entschlossen hat, solche Modellprojekte zu fördern. Die sonst leerstehende Immobilie biete in Krügers Augen ideale Voraussetzungen für das Projekt und ist kurzfristig einzurichten. Auch die Info-Veranstaltung für Anwohner hat es gegeben, wo über alle Schritte des Projekts informiert wurde.
 Die Frauen sollen in diesem Haus von einer Fachkraft unterstützt und in der schwierigen Phase der Neuorientierung begleitet werden. Es handele sich somit zwar um einen qualitativ und konzeptionell neuen Ansatz, der dem Wunsch nach einer dezentralen Unterbringung der Flüchtlinge aber mitnichten entgegenstehe, sondern eine hervorragende Ergänzung darstelle, sagt Krüger. In der Stadt geht man davon aus, dass nach einer Zeit des Ankommens mit der Vermittlung in dezentralen Wohnraum begonnen werden könne. Es bestehe eine hohe Wahrscheinlichkeit, sagt Krüger, dass diese Menschen langfristig in der Stadt leben werden.  Weiter werde die Stadt involviert sein, als dass die Betreuung der Kinder mit der Verwaltung abgesprochen werde. Die Einrichtung von Großtagespflegestelle sei in Vorbereitung, sagt Krüger. Auch Hilfe für die dem neuen Zweck angemessene Einrichtung der Gebäude werde noch benötigt. Im konkreten Fall seien das Spielzeug und Spenden für ein kindgerechtes Außengelände.

Fern ihrer Heimat, geflohen vor Krieg und Verfolgung, suchen Asylbewerber ein neues Zuhause. Foto: dpa
  • Fern ihrer Heimat, geflohen vor Krieg und Verfolgung, suchen Asylbewerber ein neues Zuhause. Foto: dpa

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