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Stadt und Landkreis prüfen Alternativen zur Linsingen-Kaserne

Kommen die Flüchtlinge nach 2016 im Gundolph-Park unter?

Hameln. Wird die Linsingen-Kaserne über das Jahr 2016 hinaus für Flüchtlinge genutzt? Stadt und Landkreis prüfen Alternativen. Im Gespräch ist das Gelände von Gundolph- und Bailey-Park am Reimerdeskamp. Sollte es so kommen, könnte an den ursprünglichen Planungen für die Linsingen-Kaserne festgehalten werden.

veröffentlicht am 05.11.2015 um 18:27 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 13:08 Uhr

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Dorothee Balzereit

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Dorothee Balzereit Reporterin / ViaSaga zur Autorenseite

Wird die Linsingen-Kaserne über das Jahr 2016 hinaus für Flüchtlinge genutzt? Die Frage ist berechtigt: Der Zustrom von Menschen aus Krisengebieten reißt nicht ab, das Land hat nach einer längerfristigen Nutzung des Geländes gefragt und heimische Politiker wollten nicht mehr von einer Übergangslösung sprechen. Von eineinhalb Jahren maximal war die Rede, doch der Eindruck, dass die ursprünglichen Pläne für die Kaserne auf Eis liegen, verfestigte sich.

Dass dieses Eis dünner ist als gedacht, verdeutlichen jetzt Überlegungen des Landkreises, die Flüchtlinge an einem anderen Ort unterzubringen: In Betracht käme beispielsweise das Gelände von Gundolph- und Bailey-Park am Reimerdeskamp. „Das wäre eine von mehreren Optionen“, sagt Tjark Bartels. Entschieden werde darüber in enger Abstimmung mit Stadt und Politik.

Die Frage nach der Art möglicher Unterkünfte auf dem Gelände – bisher gibt es dort Depots, Werkstätten, Fahrzeugunterstände und ein Verwaltungsgebäude – drängt sich auf: „Da bisher immer von Containerlösungen abgesehen wurde und man nicht von einer Übergangslösung sprechen würde, käme wohl die Errichtung einer Unterkunft in Betracht“, heißt es. „Kostenträger wäre im Falle einer Einrichtung des Landes das Land Niedersachsen.“

Mit der Idee könnte die ursprüngliche Planung für die Linsingen-Kaserne beibehalten werden: Der Landrat, der sich für die Einrichtung des Erstaufnahmelagers eingesetzt hat, wäre raus aus der Zwickmühle und könnte die Zweige der Elisabeth-Selbert-Schule (ESS) zentralisieren. Die Stadt wäre in der Lage, ihren Wunschkandidaten, die Technische Akademie (TA), anzusiedeln. Die Möglichkeit, dass die Akademie sich nach einem Standort außerhalb Hamelns umschaut, war bei allem Verständnis für die vorrangige Situation der Flüchtlinge bisher eine durchaus schmerzhafte Aussicht.

Weil nichts sicher war, liefen Bauleitplanung, Ausschreibungen und auch baurechtliche Abstimmungen parallel weiter. Auch das Gutachten bezüglich der Altlasten liegt vor. Zwar fehlen noch ergänzende Stellungnahmen, aber grob könne man bereits sagen, dass keine schwerwiegenden Gefährdungen vorliegen, so die Bundsanstalt für Immobilienangelegenheiten.

Nur Vorteile also? Die Kehrseite der Medaille liegt auf der Hand: Die Bedingungen in der Kaserne als Erstaufnahmeeinrichtung sind in Bezug auf die Infrastruktur ideal und werden gelobt. Und die Frage, ob das Angebot, das dort vom DRK gerade mit viel Mühe aufgebaut wird, einfach so verpflanzt werden kann, ist sicher berechtigt.

Offenbar ist eine Menge auf Druck auf dem Kessel: Landrat Tjark Bartels spricht bezüglich der ESS davon, dass „wir aus der Spur geraten, wenn nicht schnell entschieden wird“. Dabei schließt er einen alternativen Standort für die die TA und die Schule, für die dringender Handlungsbedarf besteht, ebenfalls nicht aus. Stadtbaurat Hermann Aden spricht bezüglich der Pläne auf dem Kasernengelände von einem „hochgradigen zeitlichen Druck“.

Und was sagt Oberbürgermeister Claudio Griese dazu? „Ich halte es nicht für sinnvoll, diese Gedankenspiele öffentlich nach vorn zu stellen, besser wäre gewesen, zunächst mit der Stadt zu sprechen.“ Geprüft würden alle Standorte der Briten. Gespräche mit dem Landkreis seien für Mitte November geplant. Darüber hinaus sei die Stadt bestrebt, ihre Pläne zu verwirklichen: „Wir werden an der zeitlichen Begrenzung festhalten und sie einfordern.“ Griese hofft, dass das Land im nächsten Jahr organisatorisch besser aufgestellt ist und die Verfahren beschleunigt werden.

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