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Zahl der Flüchtlinge steigt in dieser Woche in Bad Pyrmont auf mehr als 300

Hilferuf der Verwaltung

Bad Pyrmont. Die Zahl der Flüchtlinge in Bad Pyrmont wird in dieser Woche auf über 300 steigen. Schon jetzt arbeitet die Verwaltung am Limit. Ohne weitere Unterstützung sei die Arbeitsbelastung nicht mehr zu schaffen, formuliert Ordnungsamtsleiterin Sabine Jösten ihren Hilferuf.

veröffentlicht am 17.02.2016 um 16:56 Uhr
aktualisiert am 27.02.2016 um 16:49 Uhr

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Autor:

Carlhermann Schmitt

„In dieser Woche werden wir noch die 300er Marke knacken“, teilte Ordnungsamtsleiterin Sabine Jösten den Mitgliedern des Bad Pyrmonter Finanzausschusses mit und berichtete dabei über die Konsequenzen: „Im Fachgebiet Ordnung und Soziales sind acht Mitarbeiter mit dem Thema Asyl beschäftigt.“ Drei Außendienstmitarbeiter sind die überwiegende Zeit damit beschäftigt, Wohnungen für die Flüchtlinge auszustatten. Und auch die anderen Mitarbeiter verwenden den Hauptteil ihrer Arbeitszeit für die Sachbearbeitung. „Die Mitarbeiter engagieren sich schon weit über ihre normale Arbeitszeit hinaus, um den notwendigen Anforderungen gerecht zu werden.“ Sabine Jösten erklärte, dass Gespräche mit Vermietern notwendig seien, ebenso auch Vermittlungsgespräche. Zudem müsste der nicht unerhebliche bürokratische Aufwand zeitnah erledigt werden. Und sie schloss ihre Ausführungen mit dem Hinweis: „Ohne eine zusätzliche Unterstützung durch einen Bundesfreiwilligen oder eine andere Hilfskraft können wir die Arbeitsbelastung nicht mehr stemmen.“

Sie bedauerte, dass auf eine Ausschreibung für einen Bundesfreiwilligendienstleistenden sich nicht eine Person gemeldet habe. Dabei wies sie darauf hin, dass sich für den Bundesfreiwilligendienst nicht nur Leute bewerben können, die gerade ihre Schulzeit beendet haben, wie das früher bei den Zivildienstleistenden üblich war. „Hier können sich Personen jeden Alters engagieren“, betonte sie und zählte auch einige Vorteile auf: „Es gibt zwar nicht sehr viel Geld. Die Leute sind aber krankenversichert und haben nach Ablauf des Dienstes Anspruch auf Arbeitslosengeld.“ Das könnte den Bundesfreiwilligendienst für manche interessant machen. Sie wünscht sich einen Bewerber mit Sozialkompetenz und Führerschein. „Er muss einfach mit den Leuten gut reden können, deswegen sollte er auch Englisch und Arabisch sprechen können, das wäre sehr hilfreich.“

Die Politiker aller Couleur nutzten die Gelegenheit, um den Mitarbeitern der Verwaltung genauso wie den ehrenamtlichen Kräften Dank für ihr Engagement auszusprechen. Dabei hofften sie aber auch, dass das Land ein Einsehen hat und die Kommunen finanziell besser ausstattet. „Im letzten Jahr hat die Stadt lediglich 27 000 Euro für die Flüchtlinge erhalten“, berichtete die Ordnungsamtsleiterin.

Sabine Jösten teilte den Ausschussmitgliedern noch mit, dass das ehemalige Schwesternwohnheim des Bathildiskrankenhauses noch mit einer weiteren Außentreppe ausgestattet werden müsse, bevor dort Flüchtlinge einziehen können. „Das wird nicht vor März sein.“ Kämmerer Eberhard Weber versicherte, dass auf viele Forderungen wie Energiepässe und andere Vorschriften verzichtet worden sei. „Aber der Brandschutz ist schon ein sehr wichtiges Thema – gerade in diesem Gebäude, wo viele Apartments mit Kochnischen ausgestattet sind, ist die zweite Treppe nicht unwichtig.“ Die Unterbringung der Flüchtlinge erfolgt nun auch zunehmend in den Ortsteilen. Jösten berichtete auch, dass der Landkreis Hameln-Pyrmont das Abschließen langfristiger Mietverträge ermöglicht habe. Das mache beispielsweise Sinn, wenn dadurch Vermieter zusätzlichen Wohnraum durch Bau, Umbau oder Sanierung schaffen. Auf Nachfrage erklärte sie auch, dass es den Vermietern freigestellt sei, ihre Mietverträge mit den Bewohnern selbst oder direkt mit der Stadt abzuschließen.

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