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Jameel Maallah wird nach Belgien abgeschoben: Der Fall berührt die Groß Berkeler

"Hier ist Recht unmenschlich geworden"

Groß Berkel. Jameel Maalah (44) muss Deutschland verlassen. Am Dienstag geht es los. Seine Abschiebung nach Belgien nach geltendem Recht (Dublin-Verordnung) macht viele Menschen, die ihn kennen, traurig.

veröffentlicht am 24.08.2015 um 16:53 Uhr
aktualisiert am 24.08.2015 um 19:23 Uhr

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Autor:

Nina Reckemeyer

Groß Berkel. Jameel Maalah (44) muss Deutschland verlassen. Am Dienstag geht es los. Seine Abschiebung nach Belgien nach geltendem Recht (Dublin-Verordnung) macht viele Menschen, die ihn kennen, traurig. „Es tut allen leid, die hier mit ihm gearbeitet haben“, sagt Heide Schraps, die ihm in Groß Berkel Deutschunterricht gegeben hat. Reinhard Burdinski sagt: „ Am heutigen Dienstag verliert Groß Berkel einen Migranten, der vielen Dorfbewohnern in den letzten vier Monaten sehr ans Herz gewachsen war.“ Burdinski hatte sich federführend in einer Initiative um die Integration der Flüchtlinge gekümmert. Er findet: „Eigentlich braucht Deutschland solche kreativen und sozial engagierten Menschen“ und erzählt aus Maallahs Leben in Groß Berkel: „Jameel ist vor drei Jahren aus politischen und religiösen Gründen aus einer Kriegsregion des Iraks geflohen. Er lernte wie besessen Deutsch und war bald der Übersetzer für viele arabisch sprechende Flüchtlinge. Er beteiligte sich intensiv und regelmäßig an den gemeinnützigen Arbeiten in den Sportanlagen und auf Kathers Hof. Er ging mit in Hamelner Gymnasien und berichtete über den Krieg in seiner Heimat. Er suchte aktiv Kontakte, half uneigennützig bei Haus- und Gartenarbeiten, ständig bemüht seine Sprachkenntnisse zu verbessern. Er half einer behinderten Mitbewohnerin bei ihren Hausarbeiten und war per Handyruf Tag und Nacht abrufbereit.“ Landrat Tjark bartels nimmt zum Fall Maallah Stellung. Zur Dublin-verordnung sagt er: „Obwohl wir an diese Verfahrensweise als Behörde gebunden sind, stehe ich dieser Regelung äußerst kritisch gegenüber und wünsche mir eine Änderung der gesetzlichen Grundlagen.“ Die Menschen hätten kaum eine Chance, irgendwo sicher anzukommen und für sich eine Perspektive zu entwickeln.

Zum Fall Maallah: Herr Jameel Maallah ist am 11. Januar 2015 nach Deutschland eingereist und hat am 5. März 2015 einen Asylantrag gestellt. Seit dem 4. Mai 2015 wohnt er in Aerzen. Nachdem festgestellt worden ist, dass Herr Maallah bereits 2013 und 2014 Asylverfahren in Belgien betrieben hat, hat das Bundesamt ein Übernahmeersuchen an die belgischen Behörden gerichtet; diesem Ersuchen ist am 26. März 2015 entsprochen worden. Der Ablehnungsbescheid des BAMF ist seit dem 04. Juni 2015 bestandskräftig. Da Herr Maallah eine freiwillige Ausreise abgelehnt hat, wurde die Landüberstellung nach Belgien eingeleitet. Über die terminierte Überstellung wurde Herr Maallah schriftlich unterrichtet.

 

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