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Weitere 300 Menschen müssen bis Jahresende untergebracht werden

Hameln sucht Wohnungen für Flüchtlinge

300 Flüchtlinge sind in diesem Jahr bereits in Hameln aufgenommen worden. Bis zum Jahresende erwartet die Stadt nun noch einmal 300 weitere Asylsuchende. Um deren Unterbringung sichern zu können, appelliert die Verwaltung nun an die Bevölkerung, Wohnraum zu Verfügung zu stellen.

veröffentlicht am 15.09.2015 um 15:29 Uhr
aktualisiert am 16.09.2015 um 18:46 Uhr

Bis zum Jahresende werden in Hameln 300 weitere Flüchtlinge erwartet. Um deren Unterbringung sichern zu können, bittet die Stadt um die Bereitstellung von Wohnungen.

Hameln. Zur Unterbringung von Flüchtlingen beabsichtigt der Landkreis, zunächst 14 Wohneinheiten mit einem Rabatt von 80 Prozent von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) zum Preis von 12 000 Euro je Reihenhaus am Reimerdeskamp zu erwerben und hat sich dafür gestern die Zustimmung des Finanzausschusses des Kreistags geholt. Lediglich der Kreistagsabgeordnete Friedrich-Wilhelm Knust (CDU) stimmte dagegen. Er begründete sein Nein mit den vielen leerstehenden Wohnungen im Kreisgebiet.
 Der Preisnachlass ist daran gebunden, dass die Wohnungen für zehn Jahre nur zur Unterbringung von Flüchtlingen und Asylbewerbern genutzt werden dürfen. Der Erste Kreisrat Carsten Vetter sprach von einem „echten Schnäppchen“, das der Kreis hier machen könne, betonte aber ebenso wie Gerhard Paschwitz (CDU) die Notwendigkeit, jetzt für Wohnraum zu sorgen, da der Landkreis weitere Flüchtlinge zugewiesen bekommen werde. Deshalb plant der Kreis, noch weitere 47 Wohnungen zu den genannten Konditionen zu erwerben.
 Im städtischen Ausschuss für Kindertagesstätten, Schulen und Sport wurde die Nachricht gestern Abend mit Interesse und teilweise Erstaunen vernommen. Der Zuzug vieler Familien erfordere zusätzliche Kitaplätze und Sprachlernklassen, mehr Schulräume und Personal, bemerkte der Ausschussvorsitzende Kurt Meyer-Bergmann (SPD). Walter Klemme (CDU) gab zu bedenken, dass der Landkreis „seine“ Flüchtlinge in Hameln an einer Stelle konzentrieren wolle – diese „Ghettobildung“ mit der Gefahr sozialer Spannungen will die Stadt eigentlich vermeiden.
 In der Notunterkunft Linsingen-Kaserne werden Flüchtlinge nur vorübergehend untergebracht. Zudem muss sich die Stadt um Asylsuchende kümmern, die ihr dauerhaft zugewiesen werden. Seit Jahresbeginn haben 300 Menschen auf diese Weise in Hameln Zuflucht erhalten. Bis zum Ende des Jahres erwartet die Stadt weitere 300 Asylsuchende.
 Die Stadt bittet deshalb die Bevölkerung, weitere Unterkünfte für Flüchtlinge bereitzustellen. Auch wenn es den Rathaus-Mitarbeitern derzeit noch gelinge, alle Neuankömmlinge mit Wohnraum zu versorgen, zeichne sich doch ab, dass es in den kommenden Monaten eng werden könne. „Wir wollen möglichst daran festhalten, Flüchtlinge dezentral in Wohnungen unterzubringen“, sagt Oberbürgermeister Claudio Griese. Dazu sei die Stadt jedoch auf die Vermieter angewiesen. Benötigt werden Wohnungen unterschiedlicher Größe – von der Ein-Zimmer-Wohnung bis hin zu großen Räumlichkeiten für Familien. Die Wohnungen sollten mit funktionsfähigen Sanitär- und Elektroanlagen ausgestattet und weitgehend bezugsfertig sein. Miete und Nebenkosten zahlt der Staat. Allerdings werden nur die im sozialen Leistungsbereich als angemessen geltenden Unterkunftskosten übernommen: Für eine Einzelperson sind das insgesamt 325 Euro, für zwei Menschen 380 Euro, für vier 499 Euro. Infrage kommende Vermieter können sich von 9 bis 15 Uhr an das Bürgertelefon der Stadt wenden (05151/202-4444, E-Mail an buergertelefon@hameln.de).
  wft/mafi/red

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