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Ratsherr Lars Reineke spendet Aufwandsentschädigung für Flüchtlinge, doch nicht alle Kollegen ziehen mit

Gutes tun – nicht so einfach

Hameln. Bei Lars Reinecke ist es in der politischen Sommerpause ruhiger geworden. So ruhig, dass der parteilose Ratsherr es „nur fair“ findet, seine Aufwandsentschädigung, die er für seine Tätigkeit bekommt, weiterzureichen. Denn im August habe es keine Sitzung gegeben und er habe nur wenige Presseanfragen beantwortet. Mit der Spende möchte er allerdings auch ein politisches Zeichen setzen – in Zeiten, in denen in Heidenau Rechtsradikale vor dem Asylbewerberheim randalieren. „Ich spende die rund 500 Euro netto an eine lokale Flüchtlingshilfe“, sagt Reineke – der sein Vorhaben auf Facebook publik machte. Auch in der Hoffnung, dass weitere mitziehen. „Würden alle Hamelner Ratsmitglieder mitmachen, kämen ca. 10 000 Euro zusammen“, schreibt er hoffnungsfroh.

veröffentlicht am 25.08.2015 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 25.08.2015 um 19:43 Uhr

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Autor:

von andrea tiedemann

Zumindest auf Facebook gibt es für ihn Zustimmung: Unter den 16 Menschen, die bis zum Montagabend seinen Idee mit „Gefällt mir“ markiert haben, sind auch andere Politiker wie etwa Ratsherr Ingo Reddeck (SPD) und Kreistagsmitglied Britta Kellermann (Grüne). Fragt man allerdings bei den Fraktionsvorsitzenden der anderen Parteien im Stadtrat nach, sieht es etwas anders aus – so richtig viel Unterstützung bekommt er nicht.

Auch Thomas Meyer-Herrmann, Fraktionsvorsitzender der CDU, spendet nach eigenem Bekunden zwar gern – tue dies aber auf anderem Wege. Erst kürzlich habe er Geld für Sprachunterricht von Asylbewerbern gegeben. Zudem könne von „Sommerpause“ bei ihm keine Rede sein. Als Vertreter der Mehrheitsgruppe habe er auch im August gut zu tun gehabt. „Die politische Arbeit beschränkt sich nicht auf Sitzungen.“ Etwas kritisch merkt Meyer-Hermann sogar an, dass er sich wundere, dass Reineke politisch keine Arbeit gehabt habe. Ursula Wehrmann findet die Entscheidung Reinekes, das Geld zu spenden zwar gut, will sich aber ebenfalls nicht anschließen. Auch sie engagiere sich anderswo, begründet sie, und auch sie habe im August „weiter Politik gemacht“. Auch Wilfried Binder, der die SPD-Fraktion leitet, kann sich über Langeweile im Sommer nicht beschweren, wie er sagt. Die Entscheidung Reinekes sei „lobenswert“, aber eine rein private Entscheidung, so Binder. Bei mehreren Terminen pro Woche sei man mit der Entschädigung „nicht überbezahlt“, stellt der Sozialdemokrat klar. Abgesehen von ideeller Zustimmung, die Reineke entgegenschlägt, bleibt nun abzuwarten, wie viele Politiker sich seinem Aufruf anschließen und den Betrag erhöhen – und damit auch die Chance auf ein gemeinsames politisches Zeichen für Flüchtlinge setzen werden. So oder so: Wie ein Facebook-Kommentator schreibt, sind die 500 Euro von Reineke „leider nur ein Tropfen auf einen ganz heißen Stein“, aber dennoch eines sicher: „vorbildlich“.

Mit Spenden für Flüchtlinge ein Zeichen setzen – das möchte Ratsherr Lars Reineke.dpa

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  • Wilfried Binder (SPD)
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  • Ursula Wehrmann (Grüne)
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  • Lars Reineke (parteilos)
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