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Bürgermeister in Sorge: Ehrenamtliche nicht überfordern

Flüchtlingshilfe – Landkreis soll Kommunen besser unterstützen

Aerzen. Bürgermeister Bernhard Wagner will den Landkreis auffordern, die Städte und Gemeinden für die Aufgaben der Flüchtlingshilfe personell und finanziell besser auszustatten. Der Bund habe Ländern und Kommunen zugesagt, sich dauerhaft an den Kosten für die Flüchtlingsversorgung zu beteiligen. „Aber das Geld muss auch wirklich in den Städten und Gemeinden ankommen“, sagt Aerzens Verwaltungschef. Er wolle sich mit dieser Forderung demnächst mit seinen Amtskollegen abstimmen.

veröffentlicht am 30.09.2015 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 07.10.2015 um 17:27 Uhr

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vON cHRISTIAN bRANAHL

Damit will sich die Gemeinde vor allem für die Zukunft rüsten, die noch größere Herausforderungen darstellen werde, sagt Wagner. Es gehe um mehr als nur die Kosten für die Flüchtlingsunterbringung. Aerzen erwarte bis Jahresende 150 Kinder, Frauen und Männer, die Zahl werde künftig weiter steigen. „Bislang können wir das gut steuern“, meint Wagner über die Arbeit der Verwaltung und die Unterstützung durch ehrenamtliche Helfer. Viele engagierte Einwohner würden Sprachkurse für Flüchtlinge geben, sie bei Behörden- und Arztbesuchen begleiten oder ganz einfach im Alltag zur Seite stehen. Die Ehrenamtlichen selbst benötigten aber auch Unterstützung und Begleitung durch Hauptamtliche, um auf die Aufgaben vorbereitet zu sein und diese zu bewältigen. „Sonst habe ich die Befürchtung, dass das Ehrenamt überfordert wird“, sagt er. „Es kann nicht die Aufgaben des Staates ersetzen.“

Die Mitarbeiter im Rathaus seien zwar durch die Flüchtlingsfrage stark beschäftigt, doch ließen sich die Aufgaben noch bewältigen. Auf dem Wohnungsmarkt sehe er für dieses Jahr keine Probleme. „Das klappt noch gut“, sagt Wagner, der trotzdem hofft, dass für künftige Zeiten weitere Wohnungen gemeldet werden. Auch die Situation in den Kindergärten und Schulen „bekommen wir einigermaßen hin“, aber mit einer zunehmenden Zahl von Kindern werde sich die Gemeinde auch hier stärker einbringen müssen. Nicht nur für sie müssten Sprachkurse angeboten werden, sondern auch für die Erwachsenen. „Ich spüre in Gesprächen mit Flüchtlingen, dass sie ein großes Interesse haben, die deutsche Sprache zu lernen“, weiß Wagner. Das sei bei früheren Flüchtlingswellen nicht so gewesen. Heute gebe es das Bewusstsein, dass die Sprache die Chance sei, hier Fuß zu fassen.

Bei aller Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung: Auch Wagner nimmt zunehmend kritische Stimmen wahr, bei denen sich Gerüchte verselbstständigten. In dieser Woche erhielt er wieder Anfragen per Mail. Ob Hartz-IV-Empfänger Gemeindewohnungen verlassen müssten, damit Flüchtlinge dort unterkämen?, lautete eine Anfrage. Und ob Flüchtlingskinder in den Kindergärten bevorzugt würden? Der Bürgermeister stellt in beiden Fällen klar: „Das entbehrt jeder Grundlage.“

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