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Offener Brief von Bürgermeister Harald Krüger erntet im Internet Beifall wie Kritik

„Flüchtlingen mit Respekt begegnen“

Hessisch Oldendorf. Bürgermeister Harald Krüger hat sich in einem offenen Brief an die Hessisch Oldendorfer gewandt. Darin appelliert er an die Bürger, die Flüchtlinge mit Respekt und Toleranz zu behandeln. Neben der materiellen Hilfe spiele auch die menschliche Seite eine Rolle bei der Bewältigung der derzeitigen Situation.

veröffentlicht am 06.10.2015 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 07.10.2015 um 17:19 Uhr

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Autor:

von christoph Boßmeyer

Krügers Brief hat schnell den Weg in die sozialen Medien gefunden und wird auf der Facebook-Seite „Dewezet Hessisch Oldendorf“ teils kontrovers diskutiert. Ein Nutzer kommentiert Harald Krügers Appell mit den Worten, dass er nun „(wieder) sehr stolz auf Hessisch Oldendorf“ sei. Die Mehrheit der Kommentare geht bei der Auseinandersetzung mit Krügers Worten zum Flüchtlingsthema jedoch deutlich mehr ins Detail. So wird in einem Kommentar kritisiert, dass Krüger in dem offenen Brief zwar die Wünsche an seine Bürger formuliere, aber nicht schreibe, was er von den Flüchtlingen erwarte. Respekt funktioniere für den Nutzer dagegen nur auf Gegenseitigkeit.

„Es kostet kein Geld, Flüchtlingen mit

Mitgefühl zu begegnen“

Andere Kommentare schlagen den größeren Bogen hin zur Bundespolitik und werfen Krüger vor, dass er Sätze schreibe, die auch Bundeskanzlerin Angela Merkel schon gesagt hat. Klar sollte politisch Verfolgten geholfen werden, der Nutzer sieht jedoch die Gefahr, dass das „Schlaraffenland Deutschland“ von Millionen ausgenutzt werde. Die Schlussfolgerung in dem Kommentar: „Türen zu und Schluss.“

Neben den Kosten, die die Flüchtlinge verursachen, sind aber auch die Ängste, die überall in Deutschland angesichts der Flüchtlingswelle herrschen, ein Thema. Dabei geht es darum, dass sich die Flüchtlinge nicht benehmen könnten, den deutschen Bürgern die Arbeitsplätze und die Wohnungen wegnehmen würden. Dieser Angst wird aber genauso klar begegnet, indem von einem Nutzer das zumeist schlimme Schicksal der Flüchtlinge angesprochen wird. Sie hätten wohl kaum freiwillig ihre Heimat verlassen, mutmaßt der Nutzer.

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Ein anderer Kommentar verdeutlicht, dass die Kommunen, ihre Bürger und auch ihre Behörden am Ende einer Ereigniskette stünden und nicht in der Lage wären, etwas an der Situation zu ändern. Erst recht gehe es deshalb schon im eigenen Interesse darum, die ankommenden Menschen mit Respekt und Würde zu behandeln, argumentiert ein Nutzer bei Facebook in die gleich Richtung wie der Bürgermeister. An der Integration müsse den Bürgern gelegen sein, denn sonst würden die Probleme zukünftig nur noch viel größer.

Auf die Kosten geht auch Krüger in seinem offenen Brief ein. Allerdings nicht im herkömmlichen Sinn, sondern er schreibt, dass „es kein Geld kostet, den Flüchtlingen mit gelebter Nächstenliebe, Empathie und Mitgefühl zu begegnen“. Dazu brauche es nur die schlichte Bereitschaft, den Menschen offen und freundlich zu begegnen. „Für uns, die wir in einem Sozial- und Rechtsstaat leben, einen geordneten Alltag kennen, ein sicheres Dach über dem Kopf haben und die wir uns um unsere nächste Mahlzeit keine Sorgen machen müssen, sind diese Berichte unfassbar. Sie machen ratlos und traurig“, schreibt Krüger und versucht so, den Blickwinkel der Hessisch Oldendorfer zu schärfen.

Im Sinne von Krügers Appell fasst es ein Nutzer bei Facebook zusammen: „Lernt endlich Mensch zu sein.“ Andere Worte zwar, aber genau das wollte Harald Krüger mit seinem Brief im Grunde aussagen.

Flüchtlinge kommen im Hamelner Kreishaus an (li.). Von dort wurden sie auf die Kommunen im Landkreis verteilt. Hessisch Oldendorfs Bürgermeister Harald Krüger (unten) hat nun einen offenen Brief zum Thema Flüchtlinge an seine Bürger formuliert.

Dana

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