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Zehn Wohnungen für bis zu 50 Menschen geplant / CDU stimmt gegen Umbau

Flüchtlinge in der Pestalozzischule

Bad Pyrmont. Die frühere Pestalozzischule in Holzhausen wird zum Flüchtlingsheim. Das hat der Kreistag gegen den Widerstand der CDU beschlossen. Bürgermeister Klaus Blome befürchtet ein Spannungsverhältnis zur benachbarten Grundschule.

veröffentlicht am 09.12.2015 um 14:10 Uhr
aktualisiert am 14.12.2015 um 17:31 Uhr

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Autor:

Andreas Timphaus und hans-ulrich kilian

Bad Pyrmont. Der Landkreis Hameln-Pyrmont sucht weiter nach Möglichkeiten zur Unterbringung der ankommenden Flüchtlinge in der Kurstadt. Doch allein auf Wohnungs-Meldungen von Hauseigentümern können und wollen sich die Verantwortlichen nicht verlassen. Der Kreistag hat deshalb mehrheitlich den Umbau der früheren Pestalozzischule in Holzhausen zu Flüchtlingswohnungen beschlossen.

„Das Gebäude hat einen Marktwert von 700 000 Euro. Doch es ist fraglich, ob sich überhaupt ein Käufer finden lässt. Wir wollen auf Privatwohnungen und kreiseigene Gebäude zurückgreifen, um eine Unterbringung der Zuwanderer in Turnhallen oder Dorfgemeinschaftshäusern zu vermeiden“, erklärte Landrat Tjark Bartels (SPD).

Die Kreissiedlungsgesellschaft erhält nach dem erfolgten Beschluss den Auftrag, die Arbeiten in der ehemaligen Förderschule während der Bauphase zu betreuen. Der Umbau soll im kommenden Jahr vorgenommen werden, maximal 550 000 Euro kosten und aus den Rücklagen bezahlt werden, die für den Ankauf eines Grundstücks auf dem Gelände der Linsingen-Kaserne für die Elisabeth-Selbert-Schule vorgesehen waren.

In dem 2004 errichteten Schulgebäude mit seinen 983 Quadratmetern Nutzfläche sollen 10 möblierte Wohnungen für bis zu 50 Flüchtlinge entstehen. Nach den Plänen des Landkreises sollen vor allem Familien und Kinder in dem Gebäude untergebracht werden. Laut eines ersten Entwurfs könnten die Wohnungen zwischen 35 und 107 Quadratmetern groß sein. An der Größe und der Fassade des Gebäudes soll sich nichts ändern. Die Mietkosten, die der Kreis durch die Nutzung des seit diesem Sommer leer stehenden Gebäudes einsparen will, belaufen sich auf 52 242 Euro jährlich

Gegenwind kam im Kreistag aus den Reihen der CDU, die geschlossen gegen die Pläne des Landkreises stimmte. Ursula Körtner (CDU) warnte vor den Reaktionen aus der Bevölkerung. „Die Pyrmonter werden überrascht sein. Aufgrund der Lage der Pestalozzischule befürchten wir ernst zu nehmende Zielkonflikte.“ Sie führte aus, dass sich die Pyrmonter Stadtverwaltung bemüht habe, in der Zeit des Neubaus des Humboldt-Gymnasiums die Musikschule in den Räumen der Pestalozzischule unterzubringen. Ein Kauf des Gebäudes sei angesichts der hohen Verschuldung der Stadt und anderer anstehender Aufgaben nicht möglich gewesen. Sie wies darauf hin, dass es mit dem Blindenheim und dem ehemaligen Schwesternwohnheim an der Löwenser Straße Gebäude in der Kurstadt gäbe, die für eine Unterbringung von Flüchtlingen besser geeignet wären.

Ulrich Watermann (SPD) meinte, dass man für die temporäre Unterbringung der Musikschule „sicherlich Lösungen finden“ werde. Überdies brächte dieser Schritt keine langfristige Nutzung des zehn Jahre alten Schulgebäudes, was der Landkreis aber anstrebe. Hinsichtlich der Zielkonflikte“ sagte der Pyrmonter Sozialdemokrat: „Es ist klar, dass wir Wohnraum schaffen müssen. Konflikte sind oft da, wenn Flüchtlingsunterkünfte errichtet werden. Aber wenn Familien und Kinder in die Pestalozzischule ziehen, lösen sich diese Konflikte schnell auf.“

Landrat Bartels sprach sich noch einmal für den Standort aus, der aufgrund seiner fußläufigen Erreichbarkeit „in besonderer Weise“ geeignet sei. Er stellte klar, dass man sich angesichts der Situation solche Räume intensiv anschauen müsse. Keinesfalls wolle er Turnhallen oder Dorfgemeinschaftshäuser umbauen müssen. Die von der CDU vorgeschlagenen Objekte seien dem Landkreis bekannt. „Die Gespräche dazu laufen.“

Bürgermeister Klaus Blome (parteilos) geht davon aus, dass aus planungsrechtlicher Sicht nichts gegen eine Umnutzung der Schule in Wohnraum spreche. Allerdings befürchtet er ein Spannungsverhältnis zur benachbarten Grundschule. „Das muss der Kreis im Auge behalten.“ Ob die künftigen Bewohner der Pestalozzischule auf die von der Stadt zu erfüllenden Unterbringungsquote angerechnet werden, ist laut Blome nicht klar. Er gehe ohnehin davon aus, dass auch dieses Gebäude nicht ausreichen werde, den Bedarf zu decken.

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