weather-image
15°
Hilfesuchende aus fünf Ländern erreichen Hameln / 200 weitere heute erwartet

Erste Flüchtlinge kommen in Linsingen-Kaserne an

Hameln (ube). 93 Flüchtlinge sind am Sonntagabend in die Hamelner Linsingen-Kaserne eingezogen – früher als erwartet. 90 Männer, zwei Frauen und ein zehnjähriger Junge aus Syrien, Afghanistan, dem Irak, dem Iran und aus Bangladesch trafen gestern gegen 18 Uhr mit Bussen an der Süntelstraße ein. Sie waren am Nachmittag in Braunschweig abgeholt worden. 

veröffentlicht am 07.09.2015 um 11:13 Uhr

Kriegsflüchtlinge aus Syrien – kurz nach ihrer Ankunft in der Hamelner Notunterkunft. ube

Hameln (ube). 93 Flüchtlinge sind am Sonntagabend in die Hamelner Linsingen-Kaserne eingezogen – früher als erwartet. 90 Männer, zwei Frauen und ein zehnjähriger Junge aus Syrien, Afghanistan, dem Irak, dem Iran und aus Bangladesch trafen gestern gegen 18 Uhr mit Bussen an der Süntelstraße ein. Sie waren am Nachmittag in Braunschweig abgeholt worden. In der Rattenfängerstadt wurden die Menschen, die vor Krieg und Elend geflüchtet sind, von Landrat Tjark Bartels und Hamelns Oberbürgermeister Claudio Griese begrüßt und von Ärzten und DRK-Sanitätern untersucht. Drei Männer mussten ins Krankenhaus eingeliefert werden. Einige Flüchtlinge waren geschwächt, ausgemergelt und krank. Heute sollen 200 weitere Hilfesuchende in Hameln eintreffen.
Den ganzen Tag über waren Hilfsorganisationen, allen voran das heimische DRK, damit beschäftigt, die seit Monaten leerstehende Kaserne, die zuletzt von britischen Pionieren genutzt wurde, wieder flottzumachen. DRK-Helfer, Feuerwehrleute und Spezialisten des Technischen Hilfswerks arbeiteten Hand in Hand, um die Gebäude innerhalb weniger Stunden bewohnbar zu machen. Handwerker nahmen die Heizung, Rotkreuz-Techniker die Großküche in Betrieb. 350 Feldbetten, die am Vormittag aus Hannover geholt worden waren, wurden am Nachmittag in den Zimmern aufgestellt. Ein Sicherheitsdienst ist im Einsatz und bewacht das Haupttor.
Geplant war ursprünglich, dass am Dienstag 300 Kriegsflüchtlinge in Hameln eintreffen werden. Doch es kam anders: Gestern um 11 Uhr hatte Michael Bretzing, stellvertretender DRK-Kreisbereitschaftsleiter, einen Anruf aus Hannover erhalten. Angesichts der sich dramatisch zuspitzenden Lage bat das Ministerium das Rote Kreuz, die Flüchtlinge schneller als geplant aufzunehmen. Schon am Samstag hatte der Cheforganisator eine solche Anfrage erhalten. „Da konnten wir leider noch nicht zusagen. Wir hatten ja gerade erst mit unserer Arbeit angefangen“, so
der 48-Jährige.


Info: 14 000 Menschen erreichen Deutschland


Budapest/München/Hannover. Ein riesiger Flüchtlingszug hat sich am Wochenende in Richtung Westen bewegt. Dank einer von Bundeskanzlerin Angela Merkel initiierten Ausnahmeregelung für diese Menschen sind von Samstag auf Sonntag weit mehr als 14 000 Menschen aus Ungarn über Österreich nach Deutschland gekommen – diese Zahl nannte gestern das Bundesinnenministerium. Die Menschen hatten zum Teil tagelang in Ungarn festgesessen. Züge brachten sie nach Deutschland – das wichtigste Anlaufziel war der Hauptbahnhof in München. Hunderte Bürger empfingen die Flüchtlinge dort und andernorts mit Applaus. In Braunschweig trafen 877 Flüchtlinge aus Ungarn ein. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil begrüßte sie auf dem Hauptbahnhof. Sie hätten ihm „von furchtbaren Erlebnissen“ berichtet, sagte Weil. „Diesen Menschen muss man helfen. In Niedersachsen arbeiten wir mit Hochdruck an weiteren Aufnahmeeinrichtungen, denn ein Ende dieser Flüchtlingsnot ist nicht in Sicht.“ Zugleich sei eine Unterstützung der Kommunen vordringlich, was derzeit diskutiert werde.

 

 

Copyright © Deister- und Weserzeitung 2017
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare