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Diskussion im Ortsrat bietet Vorgeschmack auf Sitzung am Donnerstag

Emotionale Debatte um den Catharinenhof

Oldendorf. Am Donnerstag seht eine Informationsveranstaltung zur Zukunft des Hotels Catharinenhof in Oldendorf an, in dem Flüchtlingskinder untergebracht werden sollen. Bereits am Dienstag gab die Stimmung im Ortsrat ein erstes Meinungsbild dazu preis und lässt auf eine spannende Debatte am Donnerstag schließen.

veröffentlicht am 16.03.2016 um 12:05 Uhr
aktualisiert am 31.03.2016 um 14:23 Uhr

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Autor:

von Maike Lina Schaper

Obwohl es nicht auf der Tagesordnung stand, war der Catharinenhof das am längsten und emotionalsten diskutierte Thema auf der Ortsratssitzung am Dienstagabend. Weil der Landkreis wie berichtet die Absicht hegt, das Hotel in Oldendorf zur Unterbringung von zehn unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen zu nutzen, formiert sich im Dorf Protest. Die lauteste Stimme kommt dabei vom Oldendorfer Bernhard Manning, der den Untergang eines langjährig bestehenden Hotelbetriebes anprangert. Von anderen, leiseren Stimmen wird im Ortsrat von Erika Rasch (Aktive Bürger) berichtet, die Angst haben sollen um ihre Kinder und sie nicht mehr zum Spielen nach draußen schicken wollten.

Dass im Ort durchaus das Schicksal des Catharinenhofs bedauert wird und es sicherlich die Ortsratsmitglieder schade fänden, wenn der Catharinenhof als Hotel garni nicht mehr existieren würde, gesteht Eckhard Füllberg (CDU) den Befürwortern des Hotelbetriebes zwar zu, aber „wir müssen auch akzeptieren, dass sich die Eigentümer neu aufstellen wollen“, sagt der Ortsbürgermeister. Mangelnden Zusammenhalt der Dorfgemeinschaft kritisiert hingegen Hotel-Unterstützer Manning: „Ich würde mir wünschen, dass das Dorf mehr hinter Hotelpächterin Kerstin Manthei steht.“ Das kenne Manning, der seit acht Jahren in Oldendorf lebt, so aus seiner früheren Heimat. Auch betont Manning, dass er im Gegensatz zu den Gerüchten, die im Ort kursieren würden, in keinster Weise mit der Familie Manthei verwandt sei. Trotzdem, meint Manning, hätten im Vorfeld der Landkreis und die lokalen Politiker mit den Mantheis reden können. Lediglich Ortsbürgermeister Füllberg habe sich persönlich nach der Lage erkundigt.

Die Kritik an der mangelnden Kommunikation gibt Thomas Hampe von den Aktiven Bürgern an den Kreis und die Kommunalverwaltung weiter. Sowohl die Politiker des Oldendorfer Ortsrates als auch des Gemeinderates habe man in das Thema Catharinenhof nicht einbezogen. Für Hampes Parteikollegen Konrad Grimpe ist die Schließung des Catharinenhofs „eine Schande“. Die Einrichtung genieße großen Zuspruch in der Bevölkerung und das Hotel sei öfter ausgebucht. Das wisse Grimpe aus seiner Erfahrung als Taxifahrer zu berichten. Der Niedergang der Gastronomie im Ort sei ohnehin beschämend, so Grimpe. An der Unterstützung für die Unterbringung der Kinder und Jugendlichen im Catharinenhof zweifele er. Außerdem sei es kritisch zu betrachten, dass der Landkreis scheinbar für die Unterbringung der Jugendlichen im Catharinenhof mehr an (Steuer-)Geldern bezahle, als die Mantheis derzeit an Pacht.

Minderjährige Flüchtlinge meist Jugendliche

zwischen 15 und 18 Jahren

Jugendamtsleiter Andreas Kopp betont, dass der Landkreis keineswegs bestrebt sei, sich in bestehende Pachtverhältnisse einzumischen und das Hotel zu zerstören, sondern der Kreisverwaltung sei das Gebäude angeboten worden. „Hinsichtlich der Flüchtlingssituation ist Hameln-Pyrmont verpflichtet, 130 junge Flüchtlinge unterzubringen“, so Kopp. Und weiter: „Das ist auch gut gegen den demografischen Wandel.“ Die unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge hätten den Erfahrungswerten nach eine Altersstruktur von meist 15 bis 18 Jahren, sagt Kreissprecherin Sandra Lummitsch auf Nachfrage unserer Zeitung.

Die Verhandlungen um die Immobilie in Oldendorf seien allerdings noch nicht in trockenen Tüchern, man wolle aber frühzeitig die Bevölkerung informieren, unterstreicht Jugendamtsleiter Kopp. Oldendorf sei als Standort gut geeignet, weil es dort bereits die Jugendwerkstatt und dementsprechende Erfahrungen im Ort gebe. Ortsratsmitglied Helmut Schmiedekind (Grüne) glaubt daran, dass die Unterbringung der Jugendlichen in Oldendorf nicht nur gut für die Auslastung der Jugendwerkstatt wäre, sondern damit auch im Ort etwas entstehe, „das dem Dorf gut zu Gesicht stünde“.

Eine Verlängerung des aktuellen Pachtvertrages mit Hotelbetreiberin Kerstin Manthei über den 31. August hinaus schließe die zuständige Gebäudeverwalterin aus, sagt Ortsbürgermeister Eckhard Füllberg (CDU). Der Ablauf sei momentan so, dass der Jugendhilfeträger St. Ansgar aus Hildesheim mit der Verwalterin verhandele, erklärt Kopp. Kommt ein Vertrag mit St. Ansgar über das Gebäude zustande, wird der Landkreis wiederum mit dem Jugendhilfeträger einen Vertrag über die Betreuung der minderjährigen Flüchtlinge schließen. Kopp unterstreicht, dass St. Ansgar eine erfahrene Institution sei, die unter anderem ein teilstationäres Angebot in Marienau betreue.

Eine wirtschaftliche Argumentation, dass mit der Schließung des Hotels auch Arbeitsplätze verloren gingen, will Kopp nicht gelten lassen: „Auch durch die Betreuungseinrichtung entstehen sieben Vollzeitarbeitsplätze.“ Zudem könne das „eine große Chance sein, um Leerstand zu vermeiden, wenn es mit dem Hotelbetrieb nicht mehr weiter geht“. Wenn dem wirklich so wäre, wie Kopp das schildert, dann ja. Aber so sei es nicht, sagen Siegfried Müller (CDU) und Konrad Grimpe (Aktive Bürger) und kündigen Gegenwind für die Informationsveranstaltung am Donnerstag, 17. März, um 18 Uhr im Oldendorfer Dorfkrug an.

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