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Von der deutschen Grenze bis in ein geordnetes Leben in Hameln-Pyrmont

Ein sehr langer Weg: Stationen eines Flüchtlings

Wir haben versucht, den Weg eines Geflüchteten vereinfacht nachzuvollziehen: Angefangen bei seiner Ankunft irgendwo in Deutschland, haben wir den behördlichen Weg bis zur Anerkennung des Asylantrages nachgezeichnet sowie Pflichten und Integrationsangebote in der neuen Heimat unter die Lupe genommen.

veröffentlicht am 01.02.2017 um 19:58 Uhr

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Einem Schutzsuchenden muss der Weg durch den deutschen Behördendschungel schier undurchdringlich erscheinen. Doch auch Bürger, die deutsche Gründlichkeit gewöhnt sind, haben mit der steigenden Zahl der Flüchtlinge den Überblick verloren und fragen sich bei Flüchtlingsangelegenheiten selbst oft: Wer ist der richtige Ansprechpartner in Behörden und Institutionen? Welches Amt ist wofür zuständig? Und ist auf dem Weg vom Schutzsuchenden zum anerkannten Flüchtling irgendetwas leichter geworden?

Fazit: ein kompliziertes Unterfangen. Und während wir noch lernen, gibt es schon wieder Neuerungen: Zum Beispiel die Aufnahmezentren, die nach und nach die Aufnahmelager ersetzen: Dort werden viele bis dato auf mehrere Stationen verteilte Schritte im Asylverfahren gebündelt. Unser Weg führt noch über die bekanntere Erstaufnahmeeinrichtung.

Der Verteilzeitraum von Schutzsuchenden in Niedersachsen dauert nach Angaben des Landkreises voraussichtlich bis Ende 2017 an. Unter Anrechnung der Überquoten aus dem vergangenen Jahr bedeutet das für den Landkreis, dass noch 355 Asylbewerber aufzunehmen sind. Insgesamt sind seit 2015 2456 Geflüchtete nach Hameln-Pyrmont gekommen.

7 Stationen bis zum Asylbescheid
  1. Ein geflüchteter Mensch kommt in diesen Tagen irgendwo in Deutschland an. Dort wo, er das erste mal registriert wird, muss er sich fotografieren lassen, außerdem werden durch die Polizei, BAMF-Mitarbeiter in Außenstellen oder Mitarbeiter in Aufnahmezentren Fingerabdrücke genommen. Er bekommt ein temporäres Ausweisdokument, der sogenannte Ankunftsnachweis, der berechtigt, staatliche Leistungen zu beziehen.
  2. Weiter geht es in eine Aufnahmeeinrichtung in das Bundesland, das für ihn ausgewählt wurde. Grundlage dafür ist der sogenannte Königssteiner Schlüssel, der eine gerechte Verteilung garantieren soll. Dort muss der Schutzsuchende bis zu sechs Monaten bleiben, eventuell sogar, bis über seinen Antrag entschieden wird. 
  3. In dieser Zeit stellt der Geflüchtete seinen Antrag auf Asyl beim Bundesamt für Migration (BAMF), entweder in einer Außenstelle der Behörde oder in einem der neu eingeführten Ankunftszentrum. Hier muss er seine Identität nachweisen. Noch einmal werden Lichtbild und Fingerabdrücke genommen. Entweder, weil es noch nicht gemacht wurde, oder um die aufgenommenen Daten überprüfen zu können und eventuelle Fehler zu beheben. Es findet ein Abgleich mit BKA und dem Ausländerzentralregister statt, die Daten werden zentral gespeichert.
  4. Der Geflüchtete wird in eine Kommune weiterverteilt - es sei denn, er kommt aus einem sogenannten sicheren Herkunftsstaat. In der Stadt oder der Gemeinde wird entschieden, wo er unterkommt.
  5. Das Dublin-Verfahren: Nach der förmlichen Asylantragstellung wird geprüft, welcher europäische Staat für die Prüfung eines Asylantrags zuständig ist. Falls der Geflüchtete bereits in einem Dublin-Staat als Asylbewerber registriert wurde, ist eine weitere Asylantragsprüfung in Deutschland nicht möglich.
  6. Der wichtigste Termin: Im Rahmen des Asylantrages wird der Geflüchtete zur persönlichen Anhörung eingeladen und muss seine Fluchtgründe darlegen.
  7. Er bekommt Post vom Bundesamt: Die positive oder negative Entscheidung über seinen Asylantrag wird schriftlich begründet.
Welche Pflichten der Flüchtling hat und welche Integrationsangebote er wahrnehmen kann und muss, haben wir in einer Grafik zusammengefasst.

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