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Vieles läuft, manches hakt - Hameln sucht einen Integrationsmanager

Ein Jahr nach der Flüchtlingswelle

veröffentlicht am 07.09.2016 um 10:40 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 12:45 Uhr

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Birte Hansen

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Birte Hansen-Höche Reporterin zur Autorenseite

Noch längst nicht geschafft sind die Aufgaben, die auf dem Arbeitsmarkt und in den Schulen zu bewältigen sind. Für die berufliche Integration „stehen wir am Anfang“, sagt Stadtsprecher Thomas Wahmes. Zwar kooperieren Stadt, Landkreis, Job-Center und Agentur für Arbeit, doch dass beispielsweise Praktika in Betrieben gemacht werden können, ist noch selten. Kürzlich hat die Stadt Hameln die heimischen Betriebe per Mail aufgerufen, zusammen mit anderen Institutionen die „Integration der Schutzsuchenden in den Arbeitsmarkt voranzubringen“. Künftig sollen dazu regelmäßig Veranstaltungen stattfinden. Derzeit sind 956 Flüchtlinge beim Job-Center und der Agentur für Arbeit arbeitslos gemeldet, 896 gelten als „arbeitssuchend“ und nehmen an verschiedenen Kursen teil.

An den Schulen und in den Kitas ist es auch der Kontakt mit den Eltern, der – neben der Integration der Kinder – eine Herausforderung darstellt. Es sei ein „differenziertes Know-how erforderlich, angefangen bei interkulturellen Kompetenzen bis hin zum Umgang mit den sprachlichen Barrieren“, erklärt die Stadt stellvertretend – an einigen Schulen beträgt der Anteil der „Kinder mit Migrationshintergrund 65 bis 75 Prozent“. An den Schulen selbst werden vor allem Dolmetscher und Lehrer vermisst, die „schnell mal“ übersetzen und Deutsch als Fremdsprache unterrichten können.

Vor einem Jahr haben zahlreiche Ehrenamtliche Schlange gestanden, um ihre Dienste anzubieten. Heute haben viele von ihnen eine Aufgabe gefunden. „Besonders freut mich, dass dieses Engagement keine Eintagsfliege war, sondern ungebrochen sehr groß ist“, sagt Landrat Tjark Bartels über die Unterstützung der Flüchtlinge durch Ehrenamtliche im Alltag. Allerdings bestehe weiterhin Bedarf sowohl an Integrationslotsen als auch an Gasteltern, die minderjährige Flüchtlinge, die alleine nach Deutschland gekommen sind, bei sich in die Familie aufnehmen. Elf Familien stünden grundsätzlich zur Verfügung, in sieben sind unbegleitete minderjährige Flüchtlinge untergebracht. „Wir haben den akuten Bedarf abgedeckt, möchten aber für den Fall eines gegebenenfalls erneut anwachsenden Zustroms von Flüchtlingen gerne gut vorbereitet sein“, sagt Nicola Stasko vom Landkreis.

19 Mitarbeiter beschäftigen sich beim Landkreis im Wesentlichen mit Aufgaben rund um die Flüchtlingshilfe – 14 davon wurden neu eingestellt, davon sieben Flüchtlingssozialarbeiter und fünf, die mit dem Thema „Wohnraum“ befasst sind. Die Stadt Hameln – so wie die anderen Kommunen – arbeiten eng mit den Flüchtlingssozialarbeitern des Landkreises zusammen. Außerdem habe Hameln seine sozialen Systeme wie den Regenbogen, das FiZ und das Kinderspielhaus von Beginn an konzeptionell gestärkt, heißt es aus dem Rathaus. Eine Person kümmert sich zudem in Vollzeit um die Jugendarbeit und schulische Flüchtlingsarbeit, und seit Kurzem sucht die Stadt zusätzlich einen Integrationsmanager zum nächstmöglichen Termin. Er oder sie soll dann ein „Handlungskonzept Integration“ erarbeiten und unter anderem die Integrationsarbeit in Hameln, die bereits geleistet wird, koordinieren und als Ansprechpartner beraten.

Etliche Gruppierungen, die Flüchtlingen Hilfe anbieten, haben sich in Hameln in der AG Flüchtlings- und Integrationshilfe zusammengetan und treffen sich regelmäßig im FiZ, um sich auszutauschen. „Unser Dank gilt allen engagierten Privatpersonen, Vereinen und Verbänden“, heißt es seitens der Stadt. Tjark Bartels greift mit Blick auch auf die Anfänge in der Linsingen-Kaserne und die geleistete Arbeit von THW, DRK, Polizei, Feuerwehr und insbesondere der „Bewohnerinnen und Bewohner des Landkreises“ Angela Merkels umstrittenes „Wir schaffen das!“ auf. Bartels Résümee: „Geschafft – gemeinsam geht es!“

In den kommenden Ausgaben beleuchten wir verschiedene Aspekte rund um „Flüchtlingshilfe – ein Jahr danach“.

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