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Bürgermeister: Flüchtlingsbetreuung durch Freiwillige hat Grenze des Machbaren erreicht

Ein Helfer für die Ehrenamtlichen

Aerzen. Im Aerzener rathaus soll zum 1. Juni eine Koordinierungsstelle für Flüchtlingsarbeit eingerichtet werden. Bürgermeister Bernhard Wagner hat Fördergelder aus dem Leader-Programm der Europäischen Union beantragt. Durch die neue Stelle soll ein Knotenpunkt für ehrenamtliche Helfer entstehen.

veröffentlicht am 09.03.2016 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 16.03.2016 um 08:14 Uhr

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Autor:

Jule Kobs

Aerzen. Täglich wird davon berichtet, dass Flüchtlinge nach Deutschland kommen. Der Flecken Aerzen bietet rund 160 Schutzsuchenden eine neue Heimat, bis Ende März werden bis zu 20 weitere Flüchtlinge erwartet. Für die Zeit danach sind noch keine Quoten bekannt. Die Gemeinde sucht Wohnungen für die Geflüchteten und mietet diese an. Viele Ehrenamtliche engagieren sich, die Integration der Flüchtlinge zu unterstützen. Um diese freiwillige Hilfestellung seitens der Bevölkerung besser organisieren zu können, soll zum 1. Juni im Rathaus eine Koordinierungsstelle für Flüchtlingsarbeit eingerichtet werden. Bürgermeister Bernhard Wagner hat Fördergelder aus dem Leader-Programm der Europäischen Union beantragt: „Ich erhoffe mir innerhalb der nächsten vier Wochen eine Bestätigung der finanziellen Unterstützung. Es sieht momentan ganz gut aus, die Politik ist auch schon eingeweiht.“

Der Antrag bezieht sich auf die anfallenden Personalkosten. Im zweiten Jahr würden noch 60 Prozent dieses Aufwandes aus dem Fördertopf finanziert. „Für die restlichen anfallenden Kosten hat die Gemeinde Aerzen eine Finanzierung einzurichten“ stellt Wagner klar. Vorgesehen ist, ein Netzwerk aufzubauen, welches die Arbeit mit den Flüchtlinge erleichtert. Durch die neue Stelle soll ein Knotenpunkt entstehen, wo Informationen zum Bedarf der unterzubringenden Menschen und den Hilfsangeboten gesammelt, sortiert und weitergegeben werden. Zusätzlich könnte der Koordinierungsbeauftragte zukünftig die Organisation von Gemeinschaftsprojekten übernehmen, heißt es. Dadurch könne eine bessere Integration gewährleistet werden. Momentan werden diese Aufgaben durch einige Mitarbeiter im Rathaus erledigt, wobei dies keine dauerhafte Lösung sei, wie Wagner betont.

Welche Ausbildung sollte der Koordinierungsbeauftrage haben? „Wichtig ist, dass man ein gutes Menschenverständnis hat, Empathiefähigkeit besitzt und dennoch emotional distanziert bleiben kann“, sagt Wagner. Es müsse sich nicht unbedingt um einen Diplompädagogen handeln, aber eine pädagogische Ausbildung könne durchaus von Vorteil sein. Wagner betont: „Gut ist auch, wenn sich der Koordinator in Verwaltungsaufgaben reindenken kann.“

Dennoch könne nicht auf die Ehrenamtlichen verzichtet werden, erklärt Wagner. Er stellt unter anderem die wichtige Tätigkeit der Integrationslotsen heraus, welche Patenschaften für schutzsuchende Familie übernehmen und ein hohes Maß an interkulturellen Kompetenzen aufweisen sollten. Die Volkshochschule Hameln-Pyrmont bietet bereits seit acht Jahren Kurse zur Ausbildung solcher Integrationslotsen an. „In 50 Unterrichtsstunden lernen die Teilnehmer ganz verschiedene Aspekte zum Thema Ehrenamt. Außerdem können sie sich mit unserer Hilfe ein Netzwerk aufbauen, damit die zukünftigen Integrationslotsen wissen, an wen sie sich wann wenden können.“ erzählt Isabell Petter, die Verantwortliche bei der VHS. Die Kurse werden nach Absprache mit den Gemeinden organisiert, auch in Aerzen hat bereits einer stattgefunden.

Bald soll im Flecken Aerzen eine bessere Zusammenarbeit der Ehrenamtlichen durch die Koordinationsstelle gewährleistet werden. Dieses Modell habe sich in Hessisch Oldendorf und Rinteln bereits als erfolgreich herausgestellt, sagt Bürgermeister Wagner.

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