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„Defizite“ sollen aufgearbeitet werden: Eine vollständige Übersicht über Unterkünfte fehlt noch

Die Polizei schützt Flüchtlinge, aber wo?

Hameln-Pyrmont. Wie gut geschützt sind die Flüchtlinge im Landkreis vor rechter Gewalt? Der Brandanschlag in Salzhemmendorf wirft diese Frage auf. Das Problem: Da mit jedem Detail, das in die Öffentlichkeit gerät, die Gefahr steigt, dass Anschlagspunkte publik werden, geben sich die Behörden zugeknöpft. Es gebe „Schutzmaßnahmen“, heißt es von Polizei-Sprecher Jens Petersen, „insbesondere aufgrund des Vorfalls“. Ob verstärkt Streife gefahren wird oder Objekte überwacht werden, bleibt geheim. Näher erläutern möchte Petersen die Maßnahmen aus taktischen Gründen nicht.

veröffentlicht am 01.09.2015 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 16.10.2015 um 20:03 Uhr

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Um den Schutz sicherzustellen, muss allerdings zumindest klar sein, wo Schutzbedarf besteht. Doch eine Liste aller Flüchtlingsunterkünfte gibt es bislang – anders als bei der Polizeiinspektion Schaumburg/Holzminden – bei der hiesigen Polizei nicht. Wurde sie vom Landkreis nicht weitergereicht? Sprecherin Sandra Lummitsch stellt klar, dass bislang überhaupt keine solche Liste vorgesehen war. „Es wird überlegt, ob man hier nachbessern kann.“ Da viele Flüchtlinge im Landkreis dezentral untergebracht seien, mache es aber wenig Sinn, eine Liste für einzelne Mietwohnungen zu erstellen. Für Unterkünfte, bei denen mehrere Flüchtlinge wohnen, wie die in Salzhemmendorf, sei es anders.

Wie wichtig ist nun so eine Liste? Petersen argumentiert, dass es – zumindest für den ersten Zugriff nach einem Notruf – keine Rolle spiele, ob es sich um eine Flüchtlingsunterkunft handele oder nicht. „Erst später für die Ermittlungen wird das wichtig.“ Schließlich führe man auch keine Liste von Unterkünften, in denen Rechtsradikale wohnten – nur, weil sie grundsätzlich linksradikalen Angriffen ausgesetzt sein könnten. Im vorliegenden Fall hatte ein deutschsprachiger Anwohner den Anschlag der Polizei gemeldet. Doch was, wenn einmal kein mutiger Nachbar zum Hörer greift und Flüchtlinge selbst Hilfe brauchen? Wie geht die Polizei mit der Sprachbarriere um? „Es wird nur schwierig, wenn jemand kein Deutsch kann“, sagt Petersen. Wie es wohl für die meisten Flüchtlinge der Fall ist. Englisch bekomme man noch hin, schickt Petersen hinterher, problematisch werde es aber bei den außergewöhnlichen Sprachen – so wie es für Deutsche in einem arabischsprachigen Land auch nicht möglich sei, einen Notruf auf Deutsch zu melden.

Die Liste hat aus Sicht der Polizei allerdings derzeit nicht oberste Priorität. Stattdessen sei es in den letzten Tagen zunächst mal um die Aufarbeitung der Tat gegangen. Auf die Frage, wie man denn Flüchtlinge schützen kann, wenn eine vollständige Liste der Unterkünfte nicht vorliege, sagt Petersen, die Polizei sei nicht zwingend auf eine solche Liste des Kreises angewiesen. Man habe auch „eigene Erkenntnisse“. Auch bei optimaler Arbeit gebe es allerdings „Defizite“, die man aufzuarbeiten habe.ant

In Salzhemmendorf wohnten mehrere Flüchtlinge in einem Haus. Andere sind dezentral in Wohnungen untergebracht. Wal

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