weather-image
Ehrenamtliche unterstützen auf vielfältige Weise Flüchtlinge / Netzwerk bildet Lenkungsgruppe

Die Hilfe lässt nicht nach

Bad Pyrmont. Die Hilfe für Flüchtlinge in Bad Pyrmont ist breit aufgestellt. Nicht nur die Stadt kümmert sich um die Neuankömmlinge, sondern vor allen Dingen viel Ehrenamtliche unterstützen sie in einem Netzwerk auf vielfältige Art und Weise. Ein Überblick:

veröffentlicht am 18.12.2015 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 19.12.2015 um 14:31 Uhr

270_008_7810788_pn101_1812.jpg

Autor:

von Klaus Titze

Bislang trafen sich alle sechs Wochen im Quäkerhaus an der Bombergallee Menschen, die sich als ehrenamtliche Helfer in die Betreuung von in Bad Pyrmont angekommenen Flüchtlingen einbringen wollen. Aus diesen Versammlungen bildeten sich unterschiedliche Arbeitsgruppen zu verschiedenen Schwerpunktthemen. So beschäftigt sich beispielsweise eine Gruppe mit dem Ausrichten des Treffens zwischen Flüchtlingen und Einheimischen in dem jeweils am ersten und dritten Freitag eines Monats stattfindenden „Café Willkommen“. Eine weitere Gruppe organisiert den Erwerb der deutschen Sprache auch bereits in einem frühen Aufenthaltsstadium, um möglichst frühzeitig das Erlernen von deutschen Sprachkenntnissen anzubieten.

So konnten bereits erste Deutschkurse in den Räumen der VHS im Schloss angeboten werden. Dabei betreuten auch ehrenamtliche Helfer die Kinder der Lernenden. Vertiefen können sie ihre Sprachkenntnisse montags in Klassenräumen der Max-Born-Realschule in einer sogenannten Dialog-Gruppe. Inzwischen konnte das lehrende Team durch zwei pensionierte Lehrer des Pyrmonter Schulzentrums verstärkt werden und wird somit immer professioneller.

Auch an diesen Tagen findet zeitgleich eine Kinderbetreuung statt, die kontinuierlich und mit Begeisterung von Schülerinnen der Max-Born-Realschule geleistet wird. Sie beschäftigen sich in ihrer schulfreien Zeit im Spieleraum der Herderschule mit dem kleinen Nachwuchs, damit dessen Eltern in Ruhe lernen können. Da vieles auch mit Kosten verbunden ist, arbeitet eine weitere Gruppe an dem Beschaffen und Verwalten von Spendengeldern. Diese werden aktuell vorrangig für die Finanzierung der Sprachkurse verwendet, da Flüchtlinge nur aus wenigen Ländern sogleich staatlich geförderte Kurse erhalten, andere hingegen diese Möglichkeit des finanzierten Spracherwerbs erst mit einem abgeschlossenen Asylverfahren bekommen würden. Bei ihnen ginge nach Auffassung der Flüchtlingsinitiative einfach ungenutzt zu viel Zeit verloren.

270_008_7810855_pn102_1812.jpg

Darüber hinaus entwickeln sich bei den regelmäßigen Treffen der Helfer tolle Ideen, um Beschäftigungen und Kontaktmöglichkeiten für die Zugewanderten zu schaffen. So ist beispielsweise ein Nähkurs inzwischen im Angebot, der Interessierten die Möglichkeit eröffnet, gespendete Kleidung anzupassen oder an Nähmaschinen nach eigenen Vorstellungen Kleidung herzustellen. Ein weiterer Strick-Kurs soll demnächst folgen.

Fest der Vielfalt

und ein Benefizkonzert

Im Café Willkommen kursiert die Idee, abwechselnd nationale Spezialitäten gemeinsam mit Flüchtlingen und Einheimischen zu kochen und so voneinander zu lernen und sich kennenzulernen. Zudem ist eine Arbeitsgruppe angedacht, die Bedarfe und Angebote zusammenführt, listet und an der Verteilung mitwirkt.

Der Integrationsrat Bad Pyrmont startete zusammen mit den Stadtwerken einen Schwimmabend für Frauen, die früher keine Chance hatten, das Schwimmen zu erlernen. Im kommenden Jahr ist für den 23. April am Schulzentrum ein „Fest der Vielfalt“ terminiert. Zudem soll es auch ein Benefiz-Konzert am 30. Januar um 19.30 Uhr im Lindenhof zugunsten der Flüchtlingsinitiative geben. Es wird die heimische Band „The Cloverleaves“ mit Irish Folk erwartet. Weiterhin ist eine gemeinsame Fahrradwerkstatt in der Planung, an der sich „bastelnd“ auch die Neupyrmonter beteiligen können. Die Werkstatt soll das bereits laufende Angebot erweitern, das durch hilfsbereites und großzügiges Spenden des Rotary Clubs Bad Pyrmont schon zahlreiche Fahrräder an Flüchtlinge vermitteln konnte.

Aus Löwensen berichtet Ortsbürgermeisterin Sieglinde Patzig-Bunzel von einem weiteren Beispiel. Niemand möchte in den Schuhen der unzähligen Flüchtlinge stecken, die in monatelanger beschwerlicher Reise, oftmals zu Fuß, den Weg nach Deutschland zurücklegen. Diesen Gedanken beschäftigte Dirk Genger, als er seinem kleinen Sohn eines Tages die Schuhe anzog und sich fragte, was die Löwenser Flüchtlingskinder wohl tragen. „Gut passendes, vernünftiges und jetzt im Winter warmes und festes Schuhwerk ist gerade für Kinder wichtig, deren Füße sich noch entwickeln“, sagt Genger. Also beschloss er, die Füße der Kinder im Kindergarten zu vermessen und ihnen entsprechend passende Schuhe zu schenken. „Ich freue mich sehr über dieses Engagement“, sagt Patzig-Bunzel. „Die Kinder waren überglücklich und wollten ihre neuen Schuhe gar nicht wieder ausziehen.“

Um die Arbeit der Initiative effektiver zu organisieren, hat sich die Flüchtlingshilfe Bad Pyrmont inzwischen eine andere Struktur gegeben. So wird demnächst eine Lenkungsgruppe ihre konstituierende Sitzung haben. Diesem Gremium werden alle Sprecher der Arbeitsgruppen angehören sowie die Amtsleiterin für Ordnung und Soziales, Sabine Jösten, und der Bürgermeister Klaus Blome. Damit wird auch das Signal verstärkt, dass die Flüchtlingsinitiative von der Stadt unterstützt wird und zur Entlastung der Stadtverwaltung auch gewollt ist.

Wer mehr über die Flüchtlingshilfe wissen möchte, der kann sich unter www.bad-pyrmont-hilft.de informieren.

Narin, Helena und Ines (von rechts) aus der 10a der Max-Born-Realschule kümmern sich im Spielezimmer der Herderschule um Flüchtlingskinder, während die Eltern Deutsch lernen.ti

Dirk Genger passt im Kindergarten Löwensen Flüchtlingskindern Schuhe an.pr

Copyright © Deister- und Weserzeitung 2017
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare