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… hat aber einen langen Fragenkatalog zur Unterbringung von Flüchtlingen in Welliehausen

Die Bürgerinitiative schweigt…

Sünteltal. So gut besucht wie gestern Abend war eine Ortsratssitzung der drei Sünteldörfer noch nie. Der Hintergrund der regen Teilnahme und der zahlreichen, in der Einwohnerfragestunde gestellten Fragen: Die Stadt will in Welliehausen auf dem ihr gehörenden Gebiet „Placken II“ Wohnungen für Flüchtlinge bauen lassen.

veröffentlicht am 18.02.2016 um 08:21 Uhr
aktualisiert am 27.02.2016 um 16:50 Uhr

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Autor:

Wolfhard F. Truchseß

Sünteltal. So gut besucht wie gestern Abend war eine Ortsratssitzung der drei Sünteldörfer noch nie. Der Hintergrund der regen Teilnahme und der zahlreichen, in der Einwohnerfragestunde gestellten Fragen: Die Stadt will in Welliehausen auf dem ihr gehörenden Gebiet „Placken II“ Wohnungen für Flüchtlinge bauen lassen. Zwölf Wohneinheiten sollen es werden, wie Michaela Klank, die Leiterin der Abteilung Stadtentwicklung, berichtete. Mit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) sei die Stadt im Gespräch, betonte Klank und bat um Hinweise aus der Bürgerschaft, wo möglicherweise Objekte erworben oder angemietet werden könnten.

Die Bürgerinitiative Welliehausen, von der sich gestern niemand auf Fragen äußern wollte, die aber für die kommenden Tage eine Pressemitteilung in Aussicht stellte, hatte Ortsbürgermeisterin Bettina Schultze im Vorfeld einen umfangreichen Katalog mit Fragen übergeben, die im weitesten Sinn ruhig und ohne jede Polemik in der Einwohnerfragestunde gestellt wurden und sich in der Hauptsache darauf konzentrierten, ob die Stadt denn genug getan habe, Wohnungen aus dem Bestand für die Flüchtlinge anzumieten und in welcher Größenordnung in Welliehausen gebaut werden solle.

Klank stellte dazu klar, dass die Bebauung in Welliehausen ländlichem Standard entsprechen werde und die Gebäude nicht höher als anderthalbstöckig ausfallen würden. Die Frage, mit welchen Konzepten sich die Stadt um die Integration der Flüchtlinge bemühen werde, vermochte Klank nicht zu beantworten, da die entsprechenden Konzepte noch in Arbeit seien. Der Ortsrat seinerseits forderte einstimmig, eine Bebauungsart zu wählen, die auch eine Nachnutzung der Wohnungen möglich machen müsse. Außerdem wünscht sich das Gremium, dass vor allem Familien mit einer „guten Bleibeperspektive“ in Welliehausen untergebracht werden.

Noch im vergangenen Jahr hatte der Verwaltungsausschuss der Stadt Hameln den Antrag des Ortsrates verworfen, für das Gebiet „Placken II“ einen Bebauungsplan erstellen zu lassen, da es in den Sünteldörfern insgesamt 36 Baulücken gebe, die vorrangig gefüllt werden müssten. Klank musste nach zahlreichen Gesprächen mit Grundstückseigentümern gestern Abend einräumen, dass von diesen 36 Baulücken am Ende nur eine Fläche an der Bültestraße verblieben sei, die sich für drei oder vier Bauplätze eigne. Offenbar auch aus diesem Grund empfahl die sie, zusätzlich zu den in drei Wohngebäuden unterzubringenden Flüchtlingswohnungen sieben weitere Bauplätze auf dem „Placken II“ auszuweisen.

Dem Ortsrat ist diese Zahl jedoch zu niedrig. Hermann Niederhut forderte mit Blick auf die „Hameln 2030“-Pläne von Oberbürgermeister Claudio Griese auskömmliche Bebauungsoptionen für junge Familien mit einer verbesserten Anbindung in Richtung Landeshauptstadt. Er stellte den Antrag an die Stadt, diese Zahl auf 20 Grundstücke für Einfamilienhäuser und einen Spielplatz zu erhöhen. Der Bedarf in den Sünteldörfern sei vorhanden, zumal einzelne Familien bereits die Absicht geäußert hätten, wegen fehlender Baumöglichkeiten in andere Ortschaften wie Flegessen zu ziehen. „Das kann nicht im Sinn der Sache sein“, erklärte Markus Maihöfer. Die Ortsratsmitglieder schlossen sich einstimmig an.

Sowohl Niederhut als auch Maihöfer zeigten sich stark verärgert darüber, dass die Stadt ein Jahr gebracht habe, um genau das festzustellen, was von Anfang an im Ortsrat gesagt worden sei. „Wir haben immer erklärt“, betonte Niederhut, „da geht nichts mit Lückenbebauung, weil die Grundstückseigentümer nicht verkaufen wollen“. Das sei schon bei der Darstellung des Leerstandskatasters vor einem Jahr im Ortsrat betont worden, erinnerte Niederhut. So habe sich die Verwaltung umsonst viel Arbeit gemacht und damit ihre „Ignoranz“ gegenüber den Ortskenntnissen der Ortsratsmitglieder erkennen lassen. Und Maihöfer merkte an: „Da hat die Verwaltung jetzt ein Jahr für vier Bauplätze gebraucht und wir haben vier Sitzungen zu dem Thema verbracht.“

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