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An der Oberschule unterrichtet Gerhard Elsner 14 Schüler in neuer Förderklasse

Deutschkurs als Chance

Hessisch Oldendorf. „Seit drei Monaten bin ich in Deutschland, seit einem Monat in dieser Stadt“ – grammatikalisch vielleicht nicht ganz so korrekt erzählt das ein Schüler der Sprachlernklasse, die zum Schuljahresbeginn an der Oberschule eingerichtet wurde. Seine Mitschüler leben schon ein paar Monate länger im Landkreis, alle können sich relativ gut verständigen – und wer Probleme beim Verstehen hat, für den dolmetscht einer der anderen Jugendlichen.

veröffentlicht am 09.09.2015 um 14:48 Uhr
aktualisiert am 12.10.2015 um 18:31 Uhr

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Autor:

von Annette Hensel und Christoph Boßmeyer

Die Sprachlernklasse an der Oberschule ist die einzige, die zum Start des Schuljahres neu im Landkreis Hameln-Pyrmont eingerichtet worden ist. 30 Stunden Unterricht pro Woche erhalten die 14 Schüler aus Rumänien, Syrien, Montenegro, Somalia, Bosnien-Herzegowina, Afghanistan und Serbien. Der Schwerpunkt liegt auf dem schnellen Erlernen der deutschen Sprache unter der Anleitung von Gerhard Elsner. Außerdem erteilen ihnen Fachlehrer Kunst- oder Musikunterricht. „Der Deutschkurs ist eine gute Chance für uns“, meint eine 15-Jährige. Ein Mitschüler berichtet stolz, dass er bereits Handball in einer örtlichen Mannschaft spiele.

Allen Unkenrufen

zum Trotz steigt die Schülerzahl

Laut Erlass ist vorgesehen, dass die Schüler der Klassenstufen sechs bis zehn ein Jahr lang in der Sprachlernklasse bleiben. Wer aber schnell lerne, könne vorzeitig in eine andere Klasse wechseln, sagt Schulleiter Ottmar Framke und fügt hinzu: „Ich habe die Maßnahme frühzeitig beantragt, der zuständige Dezernent reagierte umgehend.“ Vielen Familien, die zuletzt ins Stadtgebiet gekommen sind, sei die Bildung ihrer Kinder wichtig, hat er die Erfahrung gemacht. Framke erzählt von einem jungen Syrer, der im vergangenen Jahr an die Schule kam, lernbegierig war und gut gefördert wurde. „In diesem Jahr wird er bei uns seinen Abschluss machen“, so der Schulleiter, der noch eine Geschichte auf Lager hat: „Ein Integrationshelfer teilte mir mit, dass der Vater eines Schülers der Sprachlernklasse gleich erklärt habe, er hoffe, sein Sohn könne schnell in eine ’normale‘ Klasse wechseln und alles Wichtige lernen.“

So neu wie die Sprachlernklasse ist, so gewöhnlich ist sonst alles andere an der Oberschule Hessisch Oldendorf. Die Umfrage, ob eine IGS eingerichtet werden solle, ist vor den Sommerferien bereits das zweite Mal gescheitert. Schon 2011 hatte es kreisweit nicht genügend Befürworter dieser Schulform gegeben. Danach wurde die Haupt- und Realschule in die Oberschule umgewandelt. Allen Unkenrufen zum Trotz haben sich für dieses Schuljahr übrigens 74 Mädchen und Jungen an der Oberschule angemeldet, mit den Wiederholern sind es 80 Schüler in den drei fünften Klassen. Zum Vergleich: 2014 waren es 65, 2013 59 Anmeldungen am Schulzentrum. Die Tendenz zeigt also nach oben, auch wenn der Gegenwind für die Oberschule in der Zeit der Umfrage massiv gewesen ist. Wie es mit der Oberschule weitergeht und ob es zukünftig zum Beispiel eine Fachoberschulklasse geben könnte, ist noch unklar. Auch dafür waren die Stimmen in der Umfrage nicht eindeutig und letztlich wollte der Schulträger, der Landkreis Hameln-Pyrmont, mit der Oberschule Kontakt aufnehmen und die Situation beraten.

Im Stadtgebiet Hameln werde es zum 15. September so weit sein, dass es Zahlen gibt, wie viele Kinder in den städtischen Schulen die spezielle Förderung einer Sprachlernklasse benötigen. Denn erst zu diesem Termin werden die Schulen der Verwaltung mitteilen, wie viele Schüler sie aufgenommen haben und wie viele Flüchtlingskinder darunter sind, die einen sprachlichen Förderbedarf haben. Die Stadt erstellt daraus eine amtliche Statistik. Eingerichtet werden die Sprachlernklassen dann von der Niedersächsischen Landesschulbehörde.

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