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Angebot für die Flüchtlinge in der Linsingen-Kaserne

Deutsch aus dem Koffer

Hameln. „Eins, zwei, drei, vier …“ – der Junge zählt munter, während er auf Inline-Skates durch die Turnhalle düst, auf Deutsch. Andere Szene: Eine Mutter holt ihre Tochter aus dem großen Spielzimmer ab, gibt der Erzieherin Annette Skipworth mit Handzeichen zu verstehen, dass sie jetzt zum Essen gehen, bleibt stehen, sortiert sich – sagt „danke“ und freut sich. Auch die Tochter ruft ein Danke hinterher. Deutsch zu lernen, sei es in noch so kleinen Häppchen, ist offenbar vielen Flüchtlingen in der Linsingen-Kaserne ein großes Bedürfnis. Seit vergangener Woche werden auf dem Gelände Kurse angeboten.

veröffentlicht am 03.11.2015 um 15:37 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 12:46 Uhr

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Birte Hansen

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Birte Hansen-Höche Reporterin zur Autorenseite

„Deutsch aus dem Koffer“ heißt die Idee, die von DRK-Mitarbeitern entwickelt wurde und mit der jetzt den Flüchtlingen in der Kaserne nah am Alltag Deutsch beigebracht werden soll. Einigen Flüchtlingen zumindest, denn alle hier zu unterrichten, funktioniert (noch) nicht. Und einen klassischen Deutschkurs mit Anfang und Ende anzubieten, auch nicht, weil die Verweildauer der Flüchtlinge mittelfristig nur einige Wochen betragen soll. „Die Angebote müssen also offen sein“, erklärt Lieselotte Sievert, pädagogische Leiterin in der Flüchtlingseinrichtung.

Das Konzept ist nun, pro Unterrichtseinheit „Deutsch aus dem Koffer“ anzubieten – mehrere Koffer und Taschen sind gepackt mit Alltagsgegenständen, anhand derer die jeweiligen Themen umrissen werden können.

Pia Bender, zuständig für dieses Projekt, zeigt den Koffer mit dem Namen „Hygiene“. Darin sind unter anderem Feuchttücher, Windeln, Toilettenpapier, Rasierschaum oder Damenbinden gepackt. Die Themen „Jahreszeiten“ und „Nähen“ beziehungsweise „Handarbeiten“ warten neben etlichen anderen auf ihren Einsatz, die Idee wird laufend weiterentwickelt, weitere Taschen werden gepackt.

Elf Kurse sind bislang in einem Stundenplan eingetragen, mal für zwei Stunden, mal eineinhalb, mal für fünf Personen, mal für 20. Die Ehrenamtlichen, die diese Kurse geben, haben weitgehend freie Hand hinsichtlich der Uhrzeiten und der Gruppenstärken.

Auch außerhalb des Kasernengeländes tut sich einiges hinsichtlich der Deutsch-Angebote – sowohl für Flüchtlinge als auch für Ehrenamtliche. Letztere können beispielsweise an Kursen der Volkshochschule Hameln-Pyrmont teilnehmen, in denen sie fit gemacht werden, um im Rahmen ihrer Arbeit mit Flüchtlingen auch die Sprache zu vermitteln. Ansonsten liegt der Fokus der Kurse von VHS und anderen Anbietern meist auf jenen Flüchtlingen, die bereits in den Kommunen leben. Doch auch da wird aufgestockt – die VHS arbeitet derzeit daran, ein Programm der Bundesagentur für Arbeit für Kurse mit jeweils 320 Unterrichtsstunden zu konkretisieren. Diese Kurse richten sich jedoch gezielt an Menschen aus Syrien, Irak, Iran und Eritrea. Vom Land Niedersachsen werden außerdem Kurse mit 170 Stunden pro Teilnehmer (ohne Herkunftsbeschränkung) unterstützt. Auch die sollen in absehbarer Zeit angeboten werden. Gesucht werden derzeit noch Männer und Frauen, die Lust haben, zu unterrichten.

Auch der Freiraum sucht „Lehrer“ im Ehrenamt. Dort, in der Walkemühle, werden seit etwa eineinhalb Jahren Sprachkurse für Flüchtlinge angeboten, Nachfrage steigend. „Wir können uns kaum retten“, sagt Ralf Weißenborn vom Freiraum. Einst seien sie mit „zwei Mann“ gestartet, jetzt sind acht ehrenamtliche „Lehrer und Lehrerinnen“ an Bord. Derzeit sind alle Kurse voll.

Daneben gibt es in Hameln laut einer Übersicht beim Landkreis mehrere kleine wie große Anbieter, die Deutschkurse für Flüchtlinge anbieten, darunter der Arbeitskreis Christlicher Kirchen in Hameln, der Sozialdienst Katholischer Frauen e. V., das Familienbüro in Afferde, Impuls gGmbH, Sozial Aktiv Menschlich e. V. (SAM), die jüdischen Gemeinden, das Sprachinstitut Bauer. Die Kurse variieren in Dauer und Zielgruppe.

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