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Kreisrätin Broistedt äußert sich zu dem Vorwurf, Englisches Viertel sei eine Mogelpackung

„Dem widerspreche ich ausdrücklich“

Hameln. Viele Hamelner haben den Eindruck, die ehemaligen Britenhäuser im Englischen Viertel würden vor allem an Flüchtlinge vermietet. Nun meldet sich Kreisrätin Petra Broistedt zu Wort – und nennt Zahlen, die diesen Eindruck widerlegen sollen.

veröffentlicht am 08.04.2016 um 18:08 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 18:18 Uhr

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Wiebke Kanz

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Wiebke Kanz Reporterin (in Elternzeit) zur Autorenseite

Die Vermietung der ehemaligen Britenhäuser im Englischen Viertel in der Nordstadt wirft bei vielen Hamelnern Fragen auf (wir berichteten). Bei einigen unserer Leser entstand der Eindruck, der Landkreis habe das ehemalige Quartier der britischen Soldaten von vornherein vor allem für die Unterbringung von Flüchtlingen nutzen wollen, anstatt – wie präsentiert – ein Multi-Kulti-Viertel zu schaffen. „Dem widerspreche ich ausdrücklich“, meldet sich nun Kreisrätin Petra Broistedt zu Wort. Nach wie vor, sagt sie, halte der Landkreis an seinem Vorhaben fest, 19 der Häuser im Englischen Viertel an Hamelner Familien, Studenten und Auszubildende zu vermieten und in 37 Häusern Flüchtlinge unterzubringen. „Das ist ein festes Kontingent, an dem wir nicht rütteln.“

Den Eindruck, dass das „bunte“ Viertel gar nicht so „bunt“ sei, sondern vor allem von Flüchtlingen bewohnt, erklärt Broistedt wie folgt: Elf Häuser habe der Landkreis direkt von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) gekauft, die restlichen sollen angemietet werden. „Die Mietkonditionen für Flüchtlingsfamilien sind mit der Bima klar geregelt“, sagt Broistedt, weshalb es sehr schnell ging, in 15 der 18 inzwischen vermieteten Häusern Flüchtlinge unterzubringen. Über die Konditionen für alle übrigen Mieter verhandele der Landkreis derzeit noch mit der Bima – weshalb viele Interessenten bislang keine Rückmeldung erhalten hätten.

„Wir haben derzeit Anfragen von rund 100 Interessenten“, sagt Broistedt weiter. Ein Großteil dieser Anfragen beziehe sich auf die größeren Häuser. Dennoch, betont Broistedt, werde darauf geachtet, auch die einzelnen Straßenzüge „bunt“ zu halten: Es werde Wert gelegt darauf, dass in jeder Straße Flüchtlinge und Einheimische Tür an Tür wohnen. Zu den Auswahlkriterien merkt Broistedt zudem an: „Die Kreissiedlungsgesellschaft nimmt eine Bonitätsprüfung vor. Das tut sie aber auch bei jeder anderen Vermietung im Landkreis.“

Derzeit leben in 15 Häusern im Englischen Viertel Menschen aus Syrien, dem Irak, Simbabwe und Afghanistan. „Es handelt sich um Familien mit unterschiedlich vielen Kindern, unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Ethnien“, sagt sie. Unter den Mietern seien Muslime, Jesiden und Christen.

„Wir möchten, dass das Englische Viertel ein Erfolgsmodell wird“, betont Broistedt. Das Stadtteilprojekt solle auch über die Landkreisgrenzen hinaus bekannt werden, „vielleicht als bundesweites Leuchtturmprojekt“.

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