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Mehr als 100 Menschen setzen ein Zeichen für den Frieden und gegen Krieg

Dem Miteinander ein Gesicht geben

Hessisch Oldendorf. „Flüchtlinge sind uns willkommen“, ist am Samstag mehrfach auf dem Kirchplatz in Hessisch Oldendorf zu hören. Am Ende einer kleinen, aber feinen Veranstaltung werden Hände geschüttelt, Adressen ausgetauscht, umarmen sich Menschen unterschiedlicher Nationalitäten. Dass es dazu kommt, ist Rana (20) aus Syrien zu verdanken, die seit einem Jahr in der Kernstadt lebt und sich dort gut aufgenommen fühlt. Die Situation der Menschen in ihrer Heimat vor Augen, möchte sie mit einem Schweigemarsch ein Zeichen setzen für den Frieden und gegen Krieg.

veröffentlicht am 06.09.2015 um 17:46 Uhr
aktualisiert am 15.09.2015 um 16:25 Uhr

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Autor:

von annette hensel

„Aus Syrien komme ich, wo die Zukunft keinen Raum mehr hat, wo die Toten von morgen die Leichen von heute begraben“, sagt sie zum Auftakt und fährt fort: „Wer noch am Leben ist und überleben will, nimmt ein Schleuser-Boot und fährt in die Ungewissheit oder marschiert zu Fuß.“ Als sie ihre Ansprache für die rund 20 Syrer auf Arabisch wiederholt, fließen bei einer Frau die Tränen. Am Ende erklärt Rana: „Ich werde meine Hoffnung nie aufgeben – zu meiner Freude gibt es überall noch Menschen, die Dein Leid mit Dir teilen.“

Die Anwesenden, die dem Miteinander ein Gesicht geben, applaudieren, bevor sie sich mit Rana, nun mit syrischer Flagge um die Schultern auf den Weg durch die Innenstadt machen. Einige Syrer halten Plakate mit „Frieden – kein Krieg“ in die Höhe. Unterwegs schließen sich weitere Menschen an. Auf Tafeln vor dem Fischgeschäft ist zu lesen: „Danke Rana, in Gedanken marschieren wir mit Dir für Frieden, gegen Krieg.“ Mehr als 100 Menschen kehren auf den Kirchplatz zurück, gehen nicht auseinander, sondern kommen ins Gespräch, lernen sich kennen, bauen Hemmschwellen ab. „Ranas Aktion finde ich sehr mutig“, meint eine junge Hamelnerin, „das war richtig bewegend“, sagt eine andere Frau. „Für uns war klar, dabei zu sein – das war ein erfolgreicher Schritt in eine gemeinsame Zukunft“, erklären Vertreter aus Politik und Verwaltung. „Ich empfinde das heute als Jahrhundertereignis für Hessisch Oldendorf“, so ein langjähriges DGB-Mitglied. Andere meinen: „Nur so wenige – wir hätten weitaus mehr Teilnehmer erwartet.“ Ein junger Syrer, seit drei Monaten in Deutschland, bittet darum, öffentlich etwas sagen zu dürfen: „Danke, dass wir Syrer hier in Deutschland aufgenommen werden.“

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