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Dezentrale Unterbringung von Flüchtlingen auch bei der Kreissiedlungsgesellschaft

„Das ist für mich gelebte Integration“

Hameln-Pyrmont. Nach einem Jahresüberschuss von 402 420 Euro im vergangenen Jahr plant die Kreissiedlungsgesellschaft (KSG) für 2016 nur einen Jahresüberschuss von 300 000 Euro ein. Hintergrund sind erhebliche Investitionen in den Immobilienbestand. So soll im kommenden Jahr die frühere katholische Volksschule in der Wilhelmstraße in Hameln erworben und zu einer sozialen Einrichtung umgebaut werden, die der Landkreis vorerst für zehn Jahre anmieten will, wie die KSG nach ihrer jüngsten Aufsichtsratssitzung berichtete.

veröffentlicht am 21.12.2015 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 21.12.2015 um 09:56 Uhr

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Autor:

Wolfhard F. Truchseß

Außerdem soll die grundlegende Sanierung des ehemaligen Schwesternwohnheims in der Wilhelmstraße fortgesetzt und eine Machbarkeitsstudie für die Sanierung der von der KSG erworbenen Gebäude Wilhelmstraße 6 und 8 bis Ende Januar erstellt werden. Beide Gebäude haben Wohnflächen von zusammen 700 Quadratmetern und werden sich aufgrund der attraktiven innenstadtnahen Lage nach Ansicht des KSG-Aufsichtsratsvorsitzenden Peter Bartels „hervorragend“ vermieten lassen. Entsprechende Interessenten hätten sich für die Wohnungen in diesen Immobilien bereits gemeldet.

Nach Angaben von Bartels und seiner Stellvertreterin Ursula Wehrmann war auch die Unterbringung von Flüchtlingen ein wichtiges Thema im Aufsichtsrat. „Wir sind bereit als Kreissiedlungsgesellschaft die Städte, Gemeinden und den Landkreis bei der Schaffung neuer Unterkünfte für Flüchtlinge zu unterstützen“, betonte Bartels, schränkte aber ein, dies müsse sich für die KSG aber wirtschaftlich auch rechnen. Sollten die Aufgaben der KSG in diesem Zusammenhang ausgeweitet werden, habe der Aufsichtsrat bereits Überlegungen angestellt, die Personalstruktur zu verbessern.

Im Zusammenhang mit der Unterbringung von Flüchtlingsfamilien hat die KSG inzwischen die Aufgabe übernommen, 22 Häuser in der Nordstadt, die früher von den Briten bewohnt wurden, im Auftrag des Landkreises wohnungswirtschaftlich zu betreuen. Grundsätzlich werde auch daran gedacht, selbst Immobilien für diese Zwecke zu erwerben, erklärte Bartels. „Das müssen wir aber in jedem Einzelfall prüfen“, sagte der Aufsichtsratsvorsitzende. „Denn auch das muss sich wirtschaftlich rechnen.“ Vorstellbar sei dabei, dass von der KSG zu diesem Zweck erworbene Liegenschaften dann für zehn Jahre dem Landkreis vermietet würden. Allerdings wolle die KSG damit nicht in Konkurrenz zu privaten Vermietern treten, betonte Bartels. Der Landkreis werde nach seiner Information vorrangig die Angebote privater Vermieter annehmen. Um zeitnah auf Immobilienangebote für Flüchtlingsunterkünfte reagieren zu können, will die KSG auf eine umfangreiche Begutachtung der entsprechenden Häuser verzichten und sie lediglich auf ihren Verkehrswert und eventuell anfallende Sanierungskosten überprüfen lassen.

Derzeit sind rund 20 der insgesamt 923 KSG-Wohnungen von Flüchtlingsfamilien belegt; zehn habe der Landkreis angemietet, erklärten Bartels und der KSG-Geschäftsführer Joachim Kruppki, zehn weitere seien direkt an Flüchtlinge vermietet worden. Ausdrücklich betonte Bartels: „Einen Verdrängungswettbewerb zuungunsten deutscher Mieter können wir nicht feststellen.“ Auch eine Warteliste für freie Wohnungen bestehe nicht, ergänzte Kruppki. Als gut gelungen bezeichnete Wehrmann die dezentrale Unterbringung von Flüchtlingen in den KSG-Wohnungen. „Das funktioniert vor allem nachbarschaftlich sehr gut“, berichtete die Grünen-Politikerin. Den Menschen werde geholfen und sie würden als Nachbarn akzeptiert. „Das ist für mich gelebte Integration“, betonte Wehrmann.

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