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Emmerthals Bürgermeister Andreas Grossmann erklärt, warum die Kommune aktuell keine Flüchtlinge aufnehmen kann

„An diesem Punkt habe ich Hilfe gerufen“

Emmerthal. Die Gemeinde kann derzeit keine weiteren Flüchtlinge mehr aufnehmen und musste zuletzt sogar zugewiesene Flüchtlinge beim Landkreis ablehnen. Das bestätigt Emmerthals Bürgermeister Andreas Grossmann auf Nachfrage der Dewezet.

veröffentlicht am 18.12.2015 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 21.12.2015 um 09:58 Uhr

Autor:

Svenja-A. Möller

„Wir haben derzeit die Situation, dass wir eine gewisse Quote bis zum 31. Januar zu erfüllen haben“, erklärt Grossmann. Auf Grundlage dieser Quote muss Emmerthal bis zum Stichtag 31. Januar noch 40 Leute aufnehmen. So war der Stand zumindest bis vor kurzer Zeit. „Dann hieß es 40 Leute bis zum 31. Dezember und dann plötzlich bis zum 22. Dezember“, sagt Grossmann. Und: „An diesem Punkt habe ich Hilfe gerufen.“ Für alle 40 Leute könne er bis zum 22. Dezember einfach keinen Wohnraum mehr organisieren, sagt Grossmann.

28 von diesen 40 Flüchtlingen sind dennoch in Emmerthal untergekommen. „Für 12 können wir aber einfach keine Wohnmöglichkeit bieten“, sagt Grossmann. Er habe daher den Landkreis gebeten, Emmerthal vorerst von der Aufnahme zu entbinden. Nach Grossmanns Informationen sind die 12 Flüchtlinge erst mal in der Hamelner Linsingen-Kaserne verblieben.

Man arbeite „mit Hochdruck“ daran, weiteren Wohnraum zu organisieren – das würde aber zunehmend schwieriger. Voraussichtlich im Januar wird Emmerthal die verbliebenen 12 Flüchtlinge aufnehmen können. „Zu den 12, die von der jetzigen Quote noch übrig sind, kommen zum 31. März aber noch 57 weitere Flüchtlinge“, erklärt Grossmann. Die Wohnraumnot würde langsam anfangen zu drücken, meint Grossmann. „Von den Kollegen in Aerzen weiß ich, dass die Ressourcen auch bald aufgebraucht sind und auch in Hessisch Oldendorf gibt es zunehmend Probleme“, erklärt Grossmann.

Öffentliche Gebäude – wie zum Beispiel Dorfgemeinschaftshäuser – will Grossmann nicht für die Unterbringung nutzen. „Das wollen wir nicht“, erklärt der Bürgermeister.

Eigentlich müsste in Emmerthal durchaus Wohnraum vorhanden sein. „In den letzten zehn Jahren hat Emmerthal etwa 1000 Einwohner verloren. Wohnungen und Häuser müssen also frei sein“, weiß Grossmann. Nur komme man an diese Kapazitäten nicht heran. Viele Eigentümer würden einfach nicht an Flüchtlinge vermieten wollen. „Vielleicht muss man irgendwann darüber nachdenken, leere Häuser zu kaufen, um sie nutzen zu können“, sagt Grossmann.

Derzeit leben in Emmerthal 115 Flüchtlinge.

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