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Sechs Verdachtsfälle unter Flüchtlingen

Ärzte wollen Ausbreitung der Krätze verhindern

Hameln. Sechs Flüchtlinge, die in der Linsingen-Kaserne einquartiert wurden, sind mit Verdacht auf Krätze in Isolierzimmern untergebracht worden. Das teilte gestern Abend der Ärztliche Leiter des Rettungsdienstes, Dr. Jörg Meckelburg, auf Anfrage der Dewezet mit. Man habe die Lage im Griff, könne nicht von einem Ausbruch sprechen, sagte der Mediziner. Die Verdachtsfälle seien gleich bei der Eingangsuntersuchung festgestellt worden. Krätze ist eine weitverbreitete Hautkrankheit. Sie wird durch die Krätzemilbe verursacht. Eine Übertragungsgefahr bestehe nur bei engem Hautkontakt, sagte Dr. Meckelburg – und fügte hinzu: „Jede Grippe ist ansteckender.“

veröffentlicht am 14.09.2015 um 20:26 Uhr
aktualisiert am 15.09.2015 um 15:19 Uhr

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Autor:

Ulrich Behmann und Birte Hansen

Die Patienten werden mit einer speziellen Creme oder Lotion behandelt, die acht Stunden einwirken und danach abgeduscht werden muss. In dem Wohnblock, in dem die Betroffenen behandelt werden, gibt es keine geeigneten Duschen. Die Einsatzleitung habe vergeblich versucht, einen Duschcontainer zu beschaffen, berichtet Kreisbrandmeister Frank Wöbbecke. Daher sei entschieden worden, den in Marienau stationierten ABC-Zug des Landkreises Hameln-Pyrmont um Hilfe zu bitten. Die Spezialisten wurden gestern Nachmittag alarmiert und zur Notunterkunft gerufen. Dort bauten sie drei beheizte Zelte, darunter eine mobile Dusche, auf. Die Patienten konnten am Abend die milbentötende Substanz von ihrer Haut abwaschen. Am Mittwoch sollen Hautärzte eine Reihenuntersuchung bei möglichen Kontaktpersonen durchführen. Auf diese Weise will man eine Ausbreitung der Krätze verhindern.

691 Menschen aktuell in Kaserne untergebracht

Noch ist nicht klar, wie es generell mit den Flüchtlingen in der Kaserne weitergeht. Bisher war die Rede davon, dass sie maximal drei Monate in der Kaserne bleiben, bevor sie auf die Kommunen verteilt werden. Zum jetzigen Zeitpunkt aber bestätigen das weder Land noch Landkreis noch das DRK.

In Kürze soll mehr Klarheit herrschen, wenn neue Verträge zwischen den Partnern über die Zuständigkeiten ausgehandelt sind. 691 Flüchtlinge leben derzeit auf dem Areal. „Viereinhalb Blöcke“ sind laut DRK belegt, zweieinhalb können noch hergerichtet werden. Die Kapazitäten liegen jetzt bei 700. Sollten mehr Menschen kommen, könne das DRK noch auf Feldbetten zurückgreifen, die in Misburg gelagert werden. 1000 Menschen könnten menschenwürdig in der Kaserne untergebracht werden, erklärt DRK-Sprecherin Carola Gad. Menschenwürdig bedeute nicht nur die Unterbringung als solche, sondern auch die Betreuung, die dann noch möglich ist, sagt Nikola Stasko vom Landkreis. Drei bis maximal fünf Personen, wenn es sich um Familien handelt, leben derzeit in einem Zimmer zusammen. Die Anzahl der Flüchtlinge wechselt offenbar fast täglich, auch wenn keine Busse anreisen. Carola Gad erzählt: „Flüchtlinge stehen plötzlich vor der Tür und wollen zu ihren Verwandten.“

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