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Engpässe in Hessisch Oldendorf und Emmerthal / Zinslose Kredite helfen dem Landkreis

250 Wohnungen für Flüchtlinge angemietet

Hameln-Pyrmont. Seit Monaten sucht der Landkreis Hameln-Pyrmont nach Wohnungen, in denen die Gemeinden die ihnen zugewiesenen Flüchtlinge unterbringen können. Engpässe gibt es vor allem in Hessisch Oldendorf und Emmerthal. Insgesamt ist die Kreisverwaltung über die hohe Zahl der Vermietungen aber überrascht.

veröffentlicht am 09.02.2016 um 13:52 Uhr
aktualisiert am 27.02.2016 um 17:04 Uhr

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Autor:

Wolfhard F. Truchseß

Thomas Haß, der Leiter der zentralen Dienste der Landkreisverwaltung, ist angenehm überrascht, ob der hohen Zahl der von Vermietern für Flüchtlinge angebotenen Wohnungen. „250 meist einzelne Wohnungen haben die Gemeinden mittlerweile im Namen des Landkreises angemietet“, berichtet Haß. Dort würden zwischen 750 und 1000 Menschen untergebracht. Die Größenordnung reiche vom Einzimmerapartment bis zur Mehrzimmerwohnung. Wichtig sei, dass die Größe auch für eine spätere Finanzierung durch das Job-Center passe und eine Familie nicht ausziehen müsse, weil die Wohnung zu groß sei.

Bislang seien die meisten Mietverträge unbefristet abgeschlossen worden, unterlägen damit den normalen gesetzlichen Kündigungsfristen. „Nur wenn Investitionen vorgenommen werden müssen, schließen wir je nach Höhe der aufzuwendenden Mittel befristete Mietverträge über zwei, fünf oder maximal zehn Jahre ab.“ Das gelte auch, wenn ein Objekt speziell zu diesem Zweck von einem Investor erworben werde. „Wir wollen mit den befristeten Mietverträgen Anreize schaffen, um die Refinanzierung interessanter zu machen, obwohl die von uns gezahlten Mieten sicherlich nicht komplett dafür ausreichen.“

Seit Dezember sei der Landkreis auch mit Eigentümern sanierungsbedürftiger Immobilien im Gespräch. „Das dauert dann natürlich eine Weile bis zum Vertragsabschluss, weil die Eigentümer dazu meist doch noch intensivere Überlegungen anstellen müssen.“ Derzeit seien aber bereits wieder eine Reihe von Vorverträgen für Wohnräume abgeschlossen worden, die noch bezugsfertig gemacht werden müssten. Meist gehe es dabei um die Modernisierung eines Bades, der Küche oder der Heizung, in Einzelfällen aber auch um eine komplette Umnutzung von bisher gewerblich genutzten Räumen, berichtet Thomas Haß. Es gehe dabei im Augenblick um etwa 50 Wohnungen in verschiedenen Objekten, im Einzelfall auch um ein komplett leer stehendes Mehrfamilienhaus auf einem Dorf. Den Ort will Haß nicht nennen, um keine falschen Gedanken zu schüren – nur so viel: „Das ist zwar ein Ort an der Peripherie, aber Kita, Schule und Einkaufsmöglichkeiten sind vorhanden; das brauchen wir an den Orten, in denen wir Flüchtlinge mit Kindern unterbringen.“

Auf eigene Kosten wird demnächst die erst im Jahr 2004 als Förderschule eingeweihte Pestalozzi-Schule in Bad Pyrmont umgebaut. Für je zehn abgeschlossene Wohnungen mit Bad, Küche, Zentralheizung sowie Wohn- und Schlafräumen sind 550 000 Euro im Kreishaushalt eingeplant, die aus zinslosen Kreditmitteln stammen, die bei der NBank und der Kreditanstalt für Wiederaufbau aus einem Sonderprogramm aufgenommen werden. Insgesamt hat sich der Landkreis durch schnelle Antragsstellung drei Millionen Euro zinsfrei gesichert. 2,4 Millionen Euro sind dabei als investive Mittel für den Ankauf und Umbau von Objekten eingeplant. „Denn wenn der Markt keine Wohnungen mehr hergibt, müssen wir aber andere Alternativen wie beispielsweise Schlichtbauten nachdenken“, erklärt Haß die finanziellen Vorsorgemaßnahmen. Dies sei aber nichts, was der Landkreis derzeit anstrebe. Weitere 800 000 Euro sind im Haushalt 2016 für Sanierungsmaßnahmen zum Beispiel im „Englischen Viertel“ und auch für fällige Schönheitsreparaturen eingeplant. Von den 2015 außerplanmäßig für die Bima-Häuser über einen KfW-Kredit bereitgestellten 780 000 Euro seien noch 600 000 Euro vorhanden. „Wichtig ist“, betont der Leiter der zentralen Dienste, „dass wir handlungsfähig bleiben.“

Rund 100 000 Euro wurden bislang für den Umbau des Schwesternwohnheims in Bad Pyrmont ausgegeben. 52 Plätze können dort mit Kleinstküche in den Apartments und Gemeinschaftssanitäranlage belegt werden. Für die Freigabe fehlt nur noch eine aus Brandschutzgründen nötige Fluchttreppe.

Auch die Kreissiedlungsgesellschaft spielt bei diesen Überlegungen eine Rolle. „Wenn die wirtschaftliche Perspektive gegeben ist, könnte die KSG geeignete Objekte erwerben.“ Der Landkreis selbst wolle dies grundsätzlich nicht tun, auch wenn er bei den Häusern der Bima schön nahe an der Rolle des Eigentümers sei. Um seine Rolle auf dem Wohnungsmarkt besser erfüllen zu können, würden jetzt zwei Fachleute für Immobilienfragen eingestellt, die einerseits für die Akquise auf einem schwieriger werdenden Markt sorgen, aber auch die mietrechtliche Betreuung wie Nebenkostenabrechnung bis hin zur Rückabwicklung übernehmen sollen.

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