weather-image
Mitarbeiter der Erstaufnahmeeinrichtung bleiben nach wie vor angestellt

200 Helfer – aber keine Flüchtlinge

Hameln. Rund 200 Mitarbeiter sind derzeit noch in der Linsingen-Kaserne beschäftigt. Und sie werden dort bleiben – auch, wenn alle Flüchtlinge Ende der Woche ausgezogen sein werden (wir berichteten). Eine leere Kaserne, mit Kapazitäten rund 1000 Personen aufzunehmen und 200 Mitarbeiter, die nichts zu tun haben?

veröffentlicht am 30.03.2016 um 13:04 Uhr
aktualisiert am 31.03.2016 um 13:57 Uhr

270_008_7842137_hm103_Kaserne_Wal_0303.jpg

Autor:

Wiebke Westphal und Svenja-A. Möller

Wenn es nach dem Landkreis geht, haben die Mitarbeiter durchaus etwas zu tun. Sie würden Urlaub machen, Überstunden abbauen oder auch „liegengebliebene Aufräum- und Renovierungsarbeiten, die Pflege von Grünfläche und Außenanlage“ übernehmen, erklärt Sandra Lummitsch, Pressesprecherin des Landkreises.

In der Erstaufnahmeeinrichtung arbeiten laut Lummitsch unter anderem Sozialarbeiter, Erzieher, Hausmeister, Köche, Küchenhilfen, Sprachmittler, Verwaltungskräfte, medizinisches Personal, Reinigungskräfte, Lagerarbeiter und Sicherheitskräfte. Würden also auch Erzieher und Sozialarbeiter die Pflege der Grünflächen übernehmen? Nein, meint der Landkreis. Gerade dieses Personal würde nun die verdienten Urlaubstage nehmen. Wenn diese allerdings verbraucht sein, müsse man „mal schauen, welche Aufgaben die Mitarbeiter dann übernehmen“. Ewig kann kein Arbeitnehmer Urlaub nehmen oder Überstunden abbauen. Dass die Mitarbeiter für die Zeit, in der die Kaserne leer steht, in anderen Einrichtungen helfen, ist nicht vorgesehen. Lummitsch erklärt: „Die Personaleinstellungen erfolgten auf einer Vereinbarung mit dem Land für die Bewirtschaftung der Linsingen-Kaserne Hameln als Außenstelle der Erstaufnahmeeinrichtung Friedland.“ Heißt: Die Mitarbeiter sind an die Kaserne gebunden.

Ob und wann an der Süntelstraße neue Flüchtlinge aufgenommen werden, diese Frage kann derzeit weder beim Landkreis Hameln-Pyrmont noch beim Niedersächsischen Innenministerium beantwortet werden. „Wir können keine Prognosen abgeben“, sagt Matthias Eichler, Pressesprecher des Innenministeriums. Derzeit würden in ganz Niedersachsen rund 40 000 Plätze für die Erstaufnahme von Flüchtlingen vorgehalten, 1000 davon in Hameln. 5000 weitere könnten kurzfristig hinzugenommen werden. 8700 Flüchtlinge brauchen aktuell allerdings nur einen Platz in einer Erstaufnahmeeinrichtung. Zum Vergleich: Am 4. Januar 2016 waren es noch 28 878 Personen, am 29. Februar 2016 17 070. Die Zahlen sind also stark rückläufig.

Ob alle 40 000 Plätze im Land auf Dauer weiterhin zur Verfügung stehen müssen, werde geprüft. Schätzungen seien schwierig, da das Bundesamt für Migration – anders als in den Vorjahren – für das Jahr 2016 keine Prognose darüber herausgegeben habe, mit wie vielen Flüchtlingen Deutschland und die einzelnen Bundesländer zu rechnen haben. „Es gibt die Möglichkeit, einzelne Plätze schlafen zu legen, oder, wie Innenminister Boris Pistorius es sagte: sie einzumotten“, sagt Eichler. Ob das bei einer Einrichtung wie in Hameln, die ursprünglich bereits anders verplant wurde, nötig sei, könne Eichler nicht beantworten. „Das muss der Landkreis entscheiden“.

Wie dieser entscheiden wird, darüber gab heute aus dem Kreishaus noch keine Auskunft. Wir recherchieren weiter und aktualisieren unsere Informationen laufend.

Copyright © Deister- und Weserzeitung 2017
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Anzeige
Kommentare