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Eröffnungsbilanz Hamelns listet Vermögenswerte in Höhe von 454 Millionen Euro auf

„Wir sind eine arme reiche Stadt“

Hameln. Ist Hameln nun reich oder angesichts der seit Jahren defizitären Haushaltslage eher arm? „Wir sind eine arme reiche Stadt“, sagt Kämmerer Uwe Kiesling mit einem Blick in die Eröffnungsbilanz, die Oberbürgermeisterin Susanne Lippmann gestern im Rathaus vorgestellt hat. „Eine reiche Stadt, weil wir viel Vermögen haben; arm, weil wir durch unsere Ertragslage nicht in der Lage sind, das Vermögen zu halten, geschweige denn zu mehren“, erläutert der Abteilungsleiter Finanzen seinen fast schon philosophischen Satz. Immerhin beläuft sich die Bilanzsumme auf auf 454 Millionen Euro – zum Stichtag 1. Januar 2009.

veröffentlicht am 18.05.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 18:14 Uhr

Die Eröffnungsbilanz der Stadt Hameln listet Vermögenswerte in Höhe von 454 Millionen Euro auf. Foto: Dana/tk
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Hans-Joachim Weiß Reporter zur Autorenseite

„Um das Vermögen darzustellen, sind irre viele Vorläufe nötig gewesen“, erklärt Lippmann, die das Zahlenwerk jetzt auch dem Rechnungsprüfungsamt vorgelegt hat. Mehr als 8000 Gegenstände seien begutachtet und bewertet worden – Gebäude, Straßen, Mobiliar. Auch wenn der „amtliche Stempel“ noch fehle, sei bereits jetzt zu erkennen, dass die Stadt über erhebliche Vermögenswerte verfügt. Den größten Wert der Rattenfängerstadt haben laut Kiesling die Stadtwerke mit ihren Tochtergesellschaften HWG und KVG – insgesamt 48,9 Millionen Euro. „Aber auch unser Stadtwald hat mit 17,5 Millionen Euro einen unglaublich hohen Stellenwert“, betont die Oberbürgermeisterin und stellt den Wert über alles, weil die Stadt langfristig wirtschaftlich davon profitieren könne. „Im Gegensatz zu den Straßen, denn dafür gibt es keinen Markt. Denn wer kauft schon eine Straße, um hinterher für die Unterhaltung zu sorgen“, sagt Lippmann, die sich eigenem Bekunden zufolge doch etwas enttäuscht gezeigt hat, als sie erfuhr, dass die historische Oberbürgermeisterkette mit nur einem Euro, dem sogenannten Erinnerungswert, bilanziert ist.

Dem Vermögen stehen aber auch Schulden und Rückstellungen in Höhe von 174 Millionen Euro gegenüber. In dieser Summe finden sich unter anderem Investitionskredite in Höhe von 79 Millionen Euro, Rückstellungen für Beamtenpensionen in Höhe von 50 Millionen Euro sowie weitere Rückstellungen, die zum Beispiel für Kreisumlagezahlungen gebildet werden, wieder, wie Kiesling erklärte. Unter dem Strich ergebe sich damit jedoch ein städtisches Eigen- oder, wie in Hameln genannt, Bürgerkapital in Höhe von rund 280 Millionen Euro. „Ein guter Wert, denn es gibt auch Kommunen, die haben ein Minus davor“, weiß der Kämmerer zu berichten. Dort sei bereits wegen der Schulden das Tafelsilber veräußert worden. „Deshalb darf nicht vergessen werden, dass Investitionen auch Werte schaffen“, erinnert Kiesling.

Lippmann äußert sich ebenfalls zufrieden, „dass unsere Bilanz ein positives Eigenkapital in dreistelliger Millionenhöhe ausweist“. Das sei alles andere als selbstverständlich. Hameln komme auf eine Eigenkapitalquote von 62 Prozent – und könne sich im Vergleich mit anderen Städten sehr gut sehen lassen. „Dies ist das Ergebnis einer verantwortungsbewussten Finanzpolitik“, schiebt die Rathaus-Chefin hinterher.

Die mit hohem Arbeitsaufwand erstmalig aufgestellte Bilanz dokumentiere die gut ausgebaute Infrastruktur der Rattenfängerstadt, unterstreicht Lippmann. Hameln sei „alles andere als überschuldet“, lautet ihr Fazit. „Das bedeutet allerdings nicht, dass wir es uns bequem machen können und nicht weiter sparen müssen.“ Die Oberbürgermeisterin erinnert noch einmal daran, dass es sich bei den Vermögenswerten überwiegend um nicht einlösbares Kapital handele: „Niemand will eine Straße oder ein Schulgebäude kaufen, und auch unseren Stadtwald möchten wir nicht abgeben.“

Zum Hintergrund: Ende 2005 hat der niedersächsische Landtag beschlossen, dass alle Kommunen bis spätestens 2012 auf die neue, sogenannte doppische Buchführung umstellen müssen. Das neue System basiert auf kaufmännischen Grundsätzen. Auch die Stadt Hameln hat das umgesetzt. „Bereits seit 2009 erstellen wir unsere Haushaltspläne nach den neuen Vorschriften, nun haben wir mit der Fertigstellung der Eröffnungsbilanz einen wichtigen Meilenstein erreicht“, freut sich Kiesling.

Um dorthin zu gelangen, musste das gesamte Sachvermögen der Stadt erfasst und bewertet werden – neben den rund 800 Straßen und mehr als 200 Gebäuden auch Computer, Büroausstattungen oder Schulmobiliar. Herausragende Posten: Maschinen, Fahrzeuge und Betriebsausstattungen mit rund 8,4 Millionen Euro, Sport- und Kultureinrichtungen mit 31,6 Millionen Euro sowie Straßen und Brücken mit 63,4 Millionen Euro. Die städtischen Schulen kommen sogar auf einen Wert von rund 71 Millionen Euro, dabei schlägt allein das Schulzentrum Nord mit 12,4 Millionen Euro zu Buche. „Das alles zusammenzutragen, bedeutete einen immensen Arbeitsaufwand“, sagt Olaf Schmidt, der als Bilanzbuchhalter im Rathaus mit der Fertigstellung der ersten Eröffnungsbilanz betraut war.

Die Oberbürgermeisterin will dem Rat nun so schnell wie möglich eine testierte Fassung der Eröffnungsbilanz vorlegen. Bereits im Juni sollen die Mitglieder des Finanzausschusses nähere Informationen zu der dem Rechnungsprüfungsamt vorgelegten Bilanzfassung erhalten. „Wenn der Rat dann die Bilanz beschlossen hat, werden wir sprichwörtlich auf den Knopf drücken und aktualisieren – mit den Jahren 2010, 2011, 2012 und danach 2013. Dann wird sich vieles verschieben“, kündigt Lippmann bereits an.

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