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Die Stadt bekommt es mit einer ganzen Reihe teurer Großprojekte zu tun

Wer soll das bezahlen?

Hameln. Schlechte Nachrichten sind Politik und Verwaltung in Hameln gewohnt: Im Theater hapere es beim Brandschutz, hieß es noch in dieser Woche im Ausschuss für Familie und Kultur. Nun muss dringend ein Gutachten her. Was es an Investitionen nach sich zieht, ist noch völlig offen. Die vorstellbare Bandbreite reiche vom zusätzlichen Feuerlöscher bis zur neuen Treppe, wird gemunkelt. Ein schwacher Trost: Eine Rekordinvestition wird es im Theater wohl nicht werden, denn da dürften andere Großprojekte in den kommenden Jahren Maßstäbe setzen. Die klamme Stadt schiebt einen gewaltigen Investitionsstau vor sich her:

veröffentlicht am 15.03.2013 um 19:07 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 14:42 Uhr

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Frank Henke

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Frank Henke Redaktionsleiter zur Autorenseite

Für die neue Sporthalle Nord dürften in den kommenden Monaten konkretere Zahlen vorliegen: Die Stadt kalkuliert, dass für den bereits erfolgten Abriss der maroden Halle und den Bau der neuen 4,3 Millionen Euro ausgeben zu müssen. Inzwischen steht auch fest, wie die neue Sporthalle aussehen soll: Der Sieger des Architekturwettbewerbs ist gekürt. Die Nürnberger Architekten machen sich nun an die Detailplanung. Danach werden die einzelnen Baumaßnahmen ausgeschrieben, erst dann sind belastbare Angaben über die Baukosten möglich. Gestritten wurde zuletzt noch über die energetische Ausstattung des Gebäudes. Sogar ein neues Gutachten zu diesem Thema wurde gefordert. Umsonst gibt es auch das nicht.

Für den Ausbau der Integrierten Gesamtschule (IGS) wurden zuletzt 6,4 Millionen Euro veranschlagt. Unter dem Strich dürfte jedoch am Ende eine noch deutlich höhere Summe stehen. Werden auch Baumaßnahmen für die IGS-Oberstufe, Umbauten zugunsten der Inklusion und die energetische Sanierung eingerechnet, dürfte es bei dem Projekt auf eine Summe von deutlich über 10 Millionen Euro hinauslaufen.

Bei Hamelns prominentestem Leerstand hat das genaue Rechnen noch gar nicht begonnen – zum Hochzeitshaus kursieren derzeit nur grobe Schätzungen. Das Haus-im-Haus-Konzept der gescheiterten Erlebniswelt Renaissance macht eine Nachnutzung so gut wie unmöglich. Der sich momentan gründende Bürgerverein Hochzeitshaus erwartet deshalb Kosten von 2 Millionen Euro allein für den Rückbau – einschließlich Elektro- und Heizungsinstallationen. Für einen Ausbau, wie er dem Verein vorschwebt, mit einem zweigeschossigen Festsaal als Herzstück erwarten die engagierten Hamelner Kosten von 4 bis 5 Millionen Euro.

Auch bei den zwölf städtischen Feuerwehrhäusern sind Investitionen fällig. Ein zentrales Problem: Die modernen Fahrzeuge lassen nicht mehr genug Platz in den betagten Fahrzeughallen. Neu ist das nicht. Die Kostenrechnung, die Anfang des Monats zwei Architekten in ihrem Gutachten aufmachten, sorgte dennoch für einen Schock: Mehr als 7,5 Millionen Euro soll es kosten, die Häuser neuen Fahrzeugen und Vorschriften anzupassen.

Das teuerste Sorgenkind der Stadt hat bereits zu einer einschneidenden Maßname geführt. Die kostspielige Sanierung des Hamelner Kanalnetzes ist seit Jahresbeginn nicht mehr Sache des städtischen Haushalts, sondern der neu gegründeten „Abwasserbetriebe Weserbergland AöR“. Auf etwa 150 Millionen Euro beläuft sich der Investitionsbedarf im Kanalnetz – verteilt auf 30 Jahre, macht im Schnitt 5 Millionen pro Jahr. Siehe auch SEITE 12

Vielleicht nicht sonderlich populär, aber unumgänglich: Das Hamelner Rathaus muss saniert werden. Etwa 7 Millionen Euro würde wohl allein die Sanierung kosten, bei der es vor allem um Brandschutz und neue und behindertengerechte Fahrstühle geht. Ein Gutachten bezifferte die Investition für einen Neubau auf 21 Millionen Euro. Dies entspräche allerdings einem Bau in der bisherigen Größe des Rathauses. Doch wäre ein solches Format angesichts des demografischen Wandels und Möglichkeiten der bürokratischen Verschlankung – Stichwort interkommunale Zusammenarbeit – wirklich erforderlich? Die Diskussion über das Rathaus der Zukunft steht wohl noch am Anfang.

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