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Für die Unesco-Bewerbung engagiert die Stadt eigens eine Mitarbeiterin – ist das notwendig?

Neues Projekt – neue Stelle

Hameln. Es wäre zu schön: Wenn alles glatt läuft, könnten in nicht allzu ferner Zukunft zwei nagelneue Unesco-Siegel den Landkreis schmücken. Hameln sähe es nur zu gern, würde die Rattenfängersage zum Immateriellen Kulturerbe erklärt. Bad Pyrmont versucht indes, gemeinsam mit anderen bedeutenden europäischen Kurorten, die Hürden zum Unesco-Weltkulturerbe zu nehmen. Auf dem Weg zum prestigeträchtigen Stempel schlagen die Städte jedoch unterschiedliche Wege ein. Zumindest in personeller Hinsicht: In Hameln wurde eigens eine – wenn auch halbe – neue Stelle geschaffen, in Bad Pyrmont hingegen laufen die Fäden derzeit bei Museumsleiter Dr. Dieter Alfter zusammen.

veröffentlicht am 19.08.2013 um 21:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 14:27 Uhr

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Frank Henke

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Frank Henke Redaktionsleiter zur Autorenseite

Ausgerechnet beim Museumsleiter, lässt sich da in Hameln denken, denn an Museumsleitern bestand hier zuletzt ein Überangebot: Seit Anfang Juni arbeitet Stefan Daberkow in dieser Funktion. Seine geschasste Vorgängerin Dr. Gesa Snell kehrte einen Monat später aus ihrem erzwungenen „Sabbatjahr“ in den Dienst bei der Stadt zurück. Zwar war im Gespräch, Snell mit dem Unesco-Projekt zu betreuen. Laut damaliger Auskunft ihres Anwalts sei dies als alleinige Aufgabe jedoch als amtsunangemessen nicht in Frage gekommen, weil das Projekt nur eine befristete Beschäftigung garantiert. Snell wurde schließlich mit der Erstellung eines Kulturentwicklungsplans betraut, deren Sinn mancher bereits bezweifelt.

Für die Unesco-Bewerbung jedoch wählte man eine externe Lösung: Sarah Hartung, 33-jährige Kulturwissenschaftlerin, kümmert sich seit Juni bei der Hameln Marketing und Tourismus GmbH (HMT) – zu drei Vierteln im Besitz der Stadt – um die Projektleitung.

Denn dazu, sagt Stadträtin Gaby Willamowius, brauche es „eine besondere Profession“. Auch „die Schnelligkeit, in der gearbeitet werden muss“, sieht sie als Argument für die neue Stelle. „Projektarbeit ist etwas anderes als die Arbeit in der Reihe.“ Auch HMT-Geschäftsführer Harald Wanger verweist auf den hohen Zeitdruck. Der entscheidende Termin auf dem Weg zum Kulturerbe ist zunächst der 30. November. Bis dahin muss beim Land Niedersachsen die Bewerbung für das Immaterielle Erbe eingereicht werden.

Während es die Bewerbungen für das materielle Unesco-Welterbe auf Buchformat bringen, ist die Bewerbung zum jüngeren Immateriellen Erbe überschaubar: Ein Formblatt stellt acht inhaltliche Fragen und begrenzt die Länge der Antworten. Hinzu kommen Anlagen wie Fotos, Film- und/oder Tondokumente sowie zwei externe Empfehlungsschreiben. „Vielleicht sieben Seiten lang“ seien die bereits eingegangenen Bewerbungen, heißt es aus der deutschen Unesco-Kommission.

„Oft ist es schwieriger, sich kurzzufassen, als seitenlange Abhandlungen zu schreiben“, gibt Willamowius zu bedenken. Hartung, sagt die Stadträtin, sei für das „operative Geschäft“ verantwortlich, eine gemeinsame Steuerungsgruppe trifft die Entscheidungen. Neben Willamowius und der Projektleiterin sitzen Stadtmanager Dennis Andres, HMT-Chef Wanger und Museumsleiter Stefan Daberkow mit am Tisch. Dieses „operative Geschäft“ umfasst dann etwa die Organisation einer Ideenbörse im Juni und einer größeren Infoveranstaltung in der vergangenen Woche. Letztlich geht es jedoch nun darum, „Ergebnisse zu Papier zu bringen“, wie die Stadträtin sagt, sprich: die Bewerbung zu erstellen. Die Stelle der Projektleiterin ist auf ein Jahr befristet. Eine Verlängerung ist für Willamowius jedoch bereits denkbar.

In Bad Pyrmont indes kommt man derzeit mit den personellen Bordmitteln aus. Museumsleiter Alfter erstellt gerade eine Bewerbungsbroschüre für die Kurstadt. Fast 60 Seiten umfasst das deutsch- und englischsprachige Werk. Als „Riesenglück“ bezeichnet Pyrmonts Bürgermeisterin Elke Christina Roeder die Möglichkeit, den Kunsthistoriker einsetzen zu können. Gleichwohl wappnet man sich in der Kurstadt für Dinge, die noch kommen können: 86 000 Euro sind für das Projekt Welterbe im nächsten städtischen Haushalt vorgesehen. Und da, betont die Hamelner Stadträtin Willamowius, stehe man mit der halben HMT-Stelle in der Weserstadt deutlich günstiger da.

Für den Rattenfänger im Einsatz (v. li.): HMT-Chef Harald Wanger, Stadträtin Gaby Willamowius, Projektleiterin Sarah Hartung und Literatin Felicitas Hoppe bei der Projektvorstellung im Weserbergland-Zentrum.Wal

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