weather-image
15°
Schulzentrum Nord: Architektenwettbewerb läuft – aber ohne Kostengrenze

Nach oben offen

Hameln. Die nächste Planungsrunde für Hamelns Millionen-Projekt steht bevor: Für den Um- und Ausbau des Schulzentrums Nord hat der Architektenwettbewerb begonnen. Ein weiteres Mal planen Architekten die Zukunft von Albert-Einstein-Gymnasium und Integrierter Gesamtschule – und ein weiteres Mal verzichtet die Stadt darauf, eine Kostengrenze zu setzen. Am Ende könnte das neue Schulzentrum sogar noch teurer werden als die schon jetzt hoch umstrittenen 21 Millionen Euro.

veröffentlicht am 05.09.2014 um 21:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 13:08 Uhr

Das Modell für die Umbau-Pläne am Schulzentrum Nord erhalten die Architekten – eine Kostendeckelung nicht. Dana
Kerstin Hasewinkel

Autor

Kerstin Hasewinkel Stv. Redaktionsleiterin zur Autorenseite

„Jetzt beginnt die heiße Phase des Wettbewerbs“, sagt Stadtbaurat Hermann Aden. Die Architekten haben ein maßstabsgerechtes Modell des Schulzentrums erhalten und die Gebäude bei einem Ortstermin besichtigt. Als Aufgabe haben sie ,,die Planung eines achtzügigen Schulzentrums (Umbau und Erweiterung) als flexible Lösung für eine zukunftsträchtige Nutzung der Räumlichkeiten unabhängig von den Schulformen“ mit auf den Weg genommen.

Kostendeckelung: Fehlanzeige. Im Gegenteil – die 16 Architekturbüros, die sich beworben haben, erhalten einen Link, über den sie sich die detaillierten Wettbewerbsunterlagen herunterladen können. Darunter der Entwurf der Mosaik-Architekten (Hannover), die auf die immense Summe von 21 Millionen Euro kommen.

Genau hier sei bereits der Fehler gemacht worden, meint Ursula Wehrmann, Fraktionsvorsitzende der Grünen, selbstkritisch: Die Architekten könnten „so richtig schön schwelgen“ in ihren Planungen. Ursprüngliche Entwürfe aus dem Rathaus seien günstiger gewesen, „aber manchmal muss man sich eben Mehrheiten beugen“, so die stellvertretende Sprecherin der Mehrheitsgruppe im Rat.

„Vielleicht wäre es sinnvoller gewesen“, meint Wehrmann, bei den Kosten eine Obergrenze festzuschreiben. Und zwar schon bei den Planungen der Mosaik-Architekten. Die Grüne, die Mitglied im Preisgericht ist, das im November die Sieger des Architektenwettbewerbs kürt, wünscht sich endlich konkrete Zahlen: „Prognosen haben wir mehr als genug.“

Sollten die endgültigen Berechnungen die Prognosen noch übertreffen und „uns dann der Schlag treffen“, sei es Sache der Politik, „nein“ zu sagen. Das gesamte Projekt infrage gestellt sehen will Wehrmann damit aber nicht. „Das Schulzentrum Nord lohnt sich.“ In der Nordstadt verzeichne Hameln die höchsten Geburtenzahlen, die Grundschule sei – während andere sinkende Schülerzahlen vermeldeten – wieder dreizügig.

Keine Möglichkeit der Politik, „steuernd in den Wettbewerb einzugreifen“, sieht Wilfried Binder, Vorsitzender der SPD-Fraktion im Rat. Natürlich müsse man genau auf die Kosten schauen. Doch es gehe darum, „für Hameln ein Bildungszentrum zu schaffen“. Das müsse kostengünstig seien, „aber wir dürfen auch nicht am falschen Ende sparen“. Die Stadt habe einen deutlich günstigeren Entwurf vorgelegt, die Beauftragung des Büros Mosaik sei dem Landkreis geschuldet, der Handlungsbedarf gesehen habe. Den Architekten sei die politische Debatte ja bekannt. Erst wenn die Angebote der Bewerber vorliegen würden, so Binder, könne die Politik entscheiden – für ein „funktionales, sinnvolles und kostengünstiges Objekt“, das auch zukunftsfähig sein müsse, „damit wir nicht in zehn Jahren wieder von vorne anfangen“.

Ursula Wehrmann und ihr Gruppenpartner und künftiger Oberbürgermeister Claudio Griese (CDU) verweisen darauf, dass dem Stadtbaurat mit auf den Weg gegeben worden sei, für das Bauprojekt stünden zwar 21 Millionen Euro im Raum, es wäre aber wünschenswert, wenn die Berechnungen günstiger ausfielen. Mehrheitsgruppensprecher Claudio Griese betont: „Ich habe Herrn Aden gesagt, dass unser Ziel ist, eine kostengünstigere Variante vorzulegen.“

Einen Beschluss dazu gibt es aber nicht. Griese weiß auch: „Wenn der Entwurf fertig ist, ist es zu spät.“ Entscheidend werde sein, wie die Definition des Raumprogramms umgesetzt werde.

Im Widerspruch zu diesen Beteuerungen steht die Aussage Adens, dass das Raumprogramm auf 20 Millionen Euro hinauslaufe. Gespart werden könne nur, wenn kleiner gebaut würde. Doch genau darum geht es in den Spardiskussionen. Zum Beispiel hat die Politik bereits den Neubau einer Mensa in Frage gestellt, weil bereits eine Mensa im AEG existiert. Und steht die neue Mensa in Frage, dann mit ihr auch der Mitteltrakt, der AEG und IGS baulich verbinden soll.

Es sei nicht nur eine Frage der aktuellen Baupreise, sondern auch der Folgekosten. „Wenn ich billig baue und hinterher höhere Kosten habe“, so der Stadtbaurat, sei nicht viel gewonnen. Im Wettbewerb gehe es darum, den Grundentwurf zu gestalten, ob durch Umnutzung, Sanierung oder auch Neubau sei der Fantasie der Bewerber überlassen. Alles eine Frage der Wirtschaftlichkeit, die aus Sicht Adens aber an Grenzen stößt.

Über die Wertigkeit der eingereichten Arbeiten entscheidet das 17-köpfige Preisgericht am 28. November, ausgelobt sind 1. bis 4. Plätze und ein Anerkennungspreis, insgesamt gibt es Preisgelder in Höhe von 45 000 Euro.

Wer am Ende tatsächlich den Auftrag erhält, entscheidet allerdings der Rat. Einen Termin gibt es noch nicht, Aden rechnet aber damit, dass der Rat nicht vor Frühjahr 2015 entscheidet. Im Herbst oder Winter 2015 könnten die ersten Ausschreibungen vorgenommen werden.

Bis das Schulprojekt wirklich gebaut werden kann, wird noch einige Zeit ins Land gehen. Und dass dann jedwede Berechnung nicht mehr aktuell ist, weiß auch Aden. „Das Risiko einer Kostensteigerung besteht.“

Copyright © Deister- und Weserzeitung 2017
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare