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Trotz leerer Kassen: Stadt unterstützt Musikschule pro Jahr mit einer halben Million Euro

Kann sich Hameln das noch leisten?

Hameln. Für die Fächer Klavier, Klarinette und Trompete werden an der Jugendmusikschule bald neue Musiklehrer eingestellt. Angesichts einer leeren Kasse und anstehender Millionenprojekte stellt sich die Frage: Ist die Musikschule Luxus oder leistet sie einen unverzichtbaren Beitrag zur kulturellen Bildung?

veröffentlicht am 29.02.2016 um 19:20 Uhr
aktualisiert am 02.03.2016 um 08:42 Uhr

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Autor:

Andreas Timphaus

Hameln. Die Jugendmusikschule verstärkt sich: Für die Fächer Klavier, Klarinette und Trompete werden bald neue Musiklehrer eingestellt. Der Verwaltungsausschuss hat eine Ausnahme vom städtischen Einstellungsstopp genehmigt. „Mehrere Lehrkräfte fallen krankheitsbedingt aus oder gehen in Rente. Eine Ausnahme wurde beantragt, um die Unterrichtsversorgung aufrecht zu erhalten“, sagt ein Stadtsprecher. Die neuen Musiklehrer erhalten befristete Verträge. Angesichts einer leeren Kasse und anstehender Millionenprojekte stellt sich dennoch die Frage: Ist die Musikschule Luxus oder leistet sie einen unverzichtbaren Beitrag zur kulturellen Bildung? Und: Kann sich Hameln das noch leisten?

Ein Blick auf die Zahlen hilft bei der Einordnung. Es ist kein Geheimnis, dass die Musikschule durch die Stadt unterstützt werden muss – und das zu einem nicht unerheblichen Teil. 2013 betrug der kommunale Zuschuss 513 062 Euro (53 Prozent). Ein Jahr später waren es sogar 543 891 Euro (54,42 Prozent), die von der Stadt beigesteuert werden mussten. Die Subvention der Jugendmusikschule ist in den vergangenen Jahren angestiegen: So reichten 2010 noch 435 000 Euro aus dem städtischen Säckel aus, um den Differenzbetrag auszugleichen. Ein Grund dafür seien die gestiegenen Lohnkosten, erklärt Musikschulleiter Ulrich Schulz. Für 2015 kann die Stadt aus strukturellen Gründen noch keine endgültigen Zahlen nennen. Schulz geht aber davon aus, dass man „in einem ähnlichen Bereich“ liegen werde.

826 Schüler wurden im vergangenen Jahr an der

Musikschule unterrichtet

25 Mitarbeiter sind bei der Jugendmusikschule fest angestellt. Sie verteilen sich auf 15 Stellen. Hinzu kommen zwei Bürokräfte, die sich um die Verwaltung kümmern. Eine Option, um Geld zu sparen, wäre die Einstellung von Honorarkräften. Schulz lehnt das aber ab. „Es ist schwierig, mit solchen Kräften zu arbeiten“, sagt er. Der Grund: Die Rentenversicherung stuft Honorarkräfte seit einiger Zeit vielfach als scheinselbstständig ein und fordert die Nachzahlung von Sozialabgaben. Zudem führten Honorarkräften zu häufigeren Wechseln, die nicht zur Leistungssteigerung beitragen würden, meint der Schulleiter. „Gute Honorarkräfte suchen sich rasch eine feste Stelle.“

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  • Sind Musikschulen ein verzichtbarer Luxus oder leisten sie einen unverzichtbaren kulturellen Beitrag? Foto: dpa

Die Zahl der Musikschüler ist in den vergangenen Jahren leicht gesunken. 2015 nutzten 826 Kinder und Jugendliche das Angebot. Bei 9939 Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren in Hameln entspricht das 7,67 Prozent. „Die Zahlen begründen sich mit den Unterrichtsausfällen wegen erkrankter Lehrer. Deswegen haben sich einige Schüler abgemeldet“, sagt Schulz und fügt hinzu, dass sich auch die Anfang 2015 erstmals nach sieben Jahren erfolgte Gebührenerhöhung deshalb nicht so bemerkbar gemacht habe. 2013 wurden an der Waterloostraße noch 881 Musikschüler unterrichtet, 2014 waren es insgesamt 877. Durch Kooperationen mit Kitas (4) und Schulen (12) erreichte die Musikschule 2015 weitere 226 junge Menschen. „Wir würden gerne noch mehr machen. Aber das ist personell einfach nicht leistbar“, erklärt Schulz.

Nimmt man die Teilnehmerzahl, so subventioniert die Stadt jeden Musikschüler pro Jahr mit rund 600 Euro. Für Schulz ist das gerechtfertigt: „Musik ist ein Grundbestandteil des Lebens. Kinder und Jugendliche lernen nicht nur, mit einem Instrument umzugehen, sondern bauen Ängste ab und erlangen Kompetenzen wie Disziplin.“ Musikschulen erfüllen einen Bildungsauftrag. Sie müssen aber nicht zwingend bei der Stadt angesiedelt sein. So waren 2014 in Niedersachsen nach Angaben des Verbands deutscher Musikschulen 39 von 74 Einrichtungen in einem Verein organisiert – mit kommunaler Beteiligung. Beispiele im Landkreis sind die Musikschule in Bad Pyrmont mit ihren Außenstellen in Aerzen und Emmerthal sowie die Jugendmusikschule Bad Münder. Vorteile einer privaten Trägerschaft: Vereine können flexibler auf Veränderungen reagieren.

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