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Fördergeld von Bund, Land und Stadt soll Fassaden-Sanierung in Schwung bringen

Hilfe für die Altstadt

Hameln. Sie hat Hamelns Innenstadt zu dem gemacht, was sie heute ist – zur Flaniermeile, zum Touristenziel: die Altstadtsanierung. Allerdings liegt diese nun schon einige Jahrzehnte zurück. Der Zahn der Zeit hat bereits wieder eifrig an Gebäuden genagt. Viele der damaligen Baumaßnahmen sind zudem längst nicht mehr Stand der Technik. Kurzum: Altstadt-Gebäude drohen wieder in Not zu geraten. Ein Förderprogramm aus Mitteln von Bund, Land und Stadt soll nun gegensteuern.

veröffentlicht am 12.11.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 12.11.2013 um 17:48 Uhr

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Ziel der Verwaltung ist eine Aufnahme der Altstadt in das „Programm städtebaulicher Denkmalschutz“. „Wir leben von der Altstadt“, betont Volker Mohr, städtischer Fachbereichsleiter Planen und Bauen. Also müsse auch in das Ensemble investiert werden.

Mit insgesamt 75 000 Euro sollen im kommenden Jahr Sanierungsprojekte gefördert werden. Das Doppelte, 150 000 Euro, sollen es dann in den Jahren 2015 bis 2020 sein. Ein Drittel der Kosten würde jeweils die Stadt tragen, die übrigen zwei Drittel kämen von Bund und Land. Heute Nachmittag liegt die Beschlussvorlage im Ausschuss für Stadtentwicklung auf dem Tisch. Beispiele aus anderen Städten wie etwa Rinteln hätten gezeigt, dass auch geringe Zuwendungen als „Anreizförderung“ die „Investitionsbereitschaft privater Bauherren enorm steigern können“, heißt es aus dem Rathaus. In Rinteln werden mit 60 000 Euro im Jahr je etwa 30 Maßnahmen gefördert – macht durchschnittliche 2000 Euro pro Projekt. Auch in Hameln dürften die Fördersummen nicht in den Himmel wachsen. Die Höhe, sagt Mohr, hänge jedoch letztlich von den einzelnen Projekten ab.

Die Hamelner Altstadt sei wie andere Fachwerkstädte auch von diversen Veränderungsprozessen betroffen, argumentiert die Verwaltung: Der Wohnungsmarkt verschiebe sich zugunsten der Mieter oder Käufer. Nicht zeitgemäße Angebote seien so nicht mehr an Mann oder Frau zu bringen. Zudem kennzeichne die – im Durchschnitt nun bereits älteren – Eigentümer, eine „Zurückhaltung gegenüber notwendigen Veränderungsprozessen“, heißt es in dem Rathaus-Papier. Phänomene wie leer-stehende Ladenlokale sowie Immobilien im Besitz von auswärtigen Investoren oder Fonds sind ebenfalls wenig geeignet, den allgemeinen Sanierungseifer zu steigern.

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Inzwischen seien für eine „hohe Anzahl der Altstadtgebäude kurzfristig Sanierungen zumindest in den sichtbaren Fassadenbereichen erforderlich“. Genaue Zahlen liegen der Stadt nicht vor. An den Gebäuden bereiten dann nicht selten die Sanierungssünden der 70er und 80er Jahren Probleme: Kunststofffarben auf der Fassade beispielsweise. Oft sind Fachwerkreparaturen fällig. Manche Eigentürmer hätten in den sauren Apfel gebissen. Andere seien zurückgeschreckt, als ihnen klar wurde, dass es mit einem neuen Anstrich nicht getan sein würde.

Jetzt soll also Fördergeld die Eigentümer motivieren, ihrem Altstadtgebäude eine Schönheitskur zu verpassen. „Es ist nicht viel Geld, dessen sind wir uns bewusst“, sagt Mohr, „aber es soll ja nur ein Anreiz geschaffen, Interesse für die Gebäude geweckt werden.“ Seit dem offiziellen Ende der Altstadtsanierung im Jahr 1992 flossen dafür keine öffentlichen Zuschüsse mehr. Damals hatte sich die Stadt jedoch noch feierlich verpflichtet, „das Erreichte möglichst zu wahren, verbliebene Mängel zu beseitigen, die Weiterentwicklung behutsam zu gestalten und beeinträchtigenden Entwicklungen vorzubeugen“.

Förderung gäbe es nun aus dem Programm „Städtebaulicher Denkmalschutz“ nicht nur für die „Sicherung“ oder „Instandsetzung“ erhaltenswerter Gebäude, sondern auch für ihre „Modernisierung“ und ihren „Aus- und Umbau“. In Ausnahmefällen sei sogar „bauliche Ergänzung von geschichtlich bedeutsamen Ensembles förderungsfähig“, heißt es in der Beschlussvorlage. Ob auch Straßen und Plätze mit ihrem historischen Mobiliar in die Förderung aufgenommen werden, ist noch offen.

Die Hamelner Politik wird der Vorlage aus dem Rathaus voraussichtlich ihren Segen geben: Claudio Griese, Sprecher der Mehrheitsgruppe im Rat aus CDU, Grünen und Unabhängigen, signalisierte gestern bereits Zustimmung. Er sieht Handlungsbedarf in der Altstadt – und die sei schließlich „das Aushängeschild der Stadt Hameln“.

Manche Altstadt-Fassade ist ein Sanierungsfall. Mit Fördergeld will die Stadt Hauseigentümern unter die Arme greifen.fn

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