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Streitpunkt Photovoltaik auf der Sporthalle Nord / Verwaltung: Details werden noch beraten

Fachleute steigen der Stadt aufs Dach

Hameln. Wird Hameln seinem Ruf als Solarstadt des Nordens nicht gerecht? Doch, sagt Karin Echtermann, die bis zur Wahl von Julia Maulhardt von den Grünen den Ausschuss für Umwelt, Nachhaltigkeit und Klimaschutz leitet. Die SPD-Ratsfrau, als Privatperson zugleich Mitglied im Förderverein der Klimaschutzagentur Weserbergland e. V., möchte aber dennoch, dass die Stadt mehr tut, und zwar beim Neubau einer Sporthalle Nord. In der letzten Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung hatte sie deshalb einen Brief des Fördervereins verteilt – gerichtet an den Rat der Stadt Hameln über Oberbürgermeisterin Susanne Lippmann. Darin heißt es sinngemäß, dass sich die Stadt Hameln für einen Architektenentwurf entscheide, bei dem die einfachste Voraussetzung für die solare Nutzung einer großen Dachfläche nicht gegeben sei, nämlich deren Ausrichtung nach Süden.

veröffentlicht am 02.05.2013 um 20:00 Uhr
aktualisiert am 24.05.2013 um 13:16 Uhr

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Autor:

Christa Koch

Unterzeichnet haben den Brief Lutz Reimann als Vorsitzender des Fördervereins und dessen Stellvertreter, der Kreishandwerksmeister Karl-Wilhelm Steinmann. Sie schreiben – nach Rücksprache mit entsprechenden Firmen, die sich mit Solarstrom befassen – die Stadt Hameln plane, die mit Solarmodulen zu belegende Dachfläche an einen Investor zu vermieten, der dann eine Solaranlage betreiben solle; die Ausrichtung nach Norden könne man mit Dünnschichtmodulen kompensieren. „Wir halten solch ein Vorhaben für bedenklich und falsch“, so die Unterzeichner. Denn damit bekomme man etwa 40 Prozent weniger Leistung aufs Dach als mit kristallinen Modulen, die Nordausrichtung verringere den Ertrag noch einmal um 15 Prozent, sodass auch die Mieteinahmen entsprechend sinken würden; Einnahmequellen würden ohne Not gemindert.

Im Antwortschreiben der Stadt heißt es, das energetische Konzept sei nicht das alleinige Beurteilungskriterium gewesen für die Jury. „Bedingt durch den Anschluss an die Fernwärmeversorgung wird der im Gesetz geforderte Jahres-Primärenergiebedarf bereits unterschritten, sodass eine Photovoltaik-Anlage rein nach Gesetzeslage ... nicht erforderlich ist.“ Im Übrigen würde das auch die Baukosten in die Höhe treiben. Aber: Die Leistung, die im Architektenwettbewerb abzugeben sei, stelle noch keine große Planungstiefe dar. Das energetische Konzept könne in der anschließenden Ausführungsplanung weiter optimiert werden.

Ähnlich sieht es auch Tobias Timm. Der Geschäftsführer der Klimaschutzagentur Weserbergland versucht, Hektik aus dem Thema zu nehmen. Bei dem Architektenentwurf, für den er selbst mit in der Jury gesessen habe, sei es um zwei Hauptthemen gegangen: Funktionalität einerseits und Energie beziehungsweise Nachhaltigkeit andererseits. „Aus dieser Schnittmenge heraus ist der Entwurf prämiert worden, aber in diesem frühen Stadium kriegt man es nicht hin, schon alles auf den Punkt zu planen“, wirbt er um Verständnis. Jetzt sei man dabei, diverse Punkte zu optimieren, darunter eben auch das Thema Energie, zum Beispiel mit verschiedenen Passivhauskomponenten. „Alles steht aber unter dem Aspekt der Wirtschaftlichkeit.“

Auch Karin Echtermann sieht den Entwurf noch nicht in trockenen Tüchern. „Es ist bisher nichts festgezurrt. Lediglich Rainer Sagawe von den Grünen wollte bereits in der letzten Ratssitzung eine Entscheidung haben“, sagt sie. Daraus aber ist bekanntlich nichts geworden. Man habe sich darauf verständigt, das Thema im nächsten Ausschuss für Stadtentwicklung ausführlich zu besprechen, so die Sozialdemokratin. Ähnlich wie Timm verweist auch sie darauf, dass es sich bei dem prämierten Entwurf lediglich um eine Grobplanung handele, die im Einzelnen noch verfeinert werden müsse (und könne).

Die immer mal wieder hinter vorgehaltener Hand geäußerte Vermutung, die Stadt Hameln bediene sich der Klimaschutzagentur zu wenig, weist Karin Echtermann allerdings entschieden zurück. „Diese Einrichtung ist zuständig für den gesamten Landkreis und kann das alles im Detail gar nicht schaffen“, glaubt sie. Die SPD-Fraktion im Hamelner Rat jedenfalls fühlt sich in ihrer Forderung bestätigt, im Rathaus endlich eine Stelle für Energiemanagement zu schaffen.

Mit Dachneigung nach Norden: die neue Halle Nord im Modell. Dana

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