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Stadt Hameln braucht Geld – Lückingsches Haus in der Wendenstraße wird verkauft

Durchsaniert und jetzt zu haben

Hameln. Ein städtebauliches Kleinod der besonderen Art wird versilbert: Die Stadt Hameln hat das sogenannte „Lückingische Haus“ in der Wendenstraße 8 per Inserat zum Kauf angeboten. Das Gebäude – es ist komplett vermietet und bringt jährlich 22 800 Euro Einnahmen – steht auf einem 300 Quadratmeter großen Grundstück, verfügt über einen kleinen Hausgarten und beherbergt auf 260 Quadratmetern drei Wohneinheiten, 150 Quadratmeter Fläche werden gewerblich genutzt. Der Preis – ein Schnäppchen: Gerade mal 294 000 Euro soll das Ganze kosten. „Wobei wir ein Verkehrswertgutachten zugrunde legen, aber natürlich zum Höchstgebot verkaufen“, sagt Stadtsprecher Thomas Wahmes.

veröffentlicht am 24.04.2013 um 20:00 Uhr
aktualisiert am 24.05.2013 um 13:15 Uhr

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Autor:

Christa Koch

Das Lückingsche Haus ist ein Juwel in der historischen Altstadt. Es handelt sich um ein giebelständiges, dreigeschossiges Gebäude der Spätrenaissance mit abknickender Durchgangsdiele. Das Vorkragen der Geschosse ist im Vergleich zu gotischen Gebäuden nur noch schwach ausgebildet. Durch das Zurückspringen des Eingangs entstanden zwei vorgetäuschte Utluchten. Die Brüstungsplatten sind mit aufwendiger Beschlagwerkornamentik verziert. Henni Wichmann und seine Frau Magdalena Schwartze haben 1638 dieses mit besonders reichem Fachwerkschmuck ausgestattete Haus errichten lassen. Henni Wichmann ließ unter anderem den Psalm 127 aus der Luther-Bibel (nummeriert als Psalm 126 nach der Vulgata, der lateinischen Bibel) an seinem Haus anbringen: „Wo der Herr nicht das Haus bauet, so arbeiten umsonst die dran bauen. Wo der Herr nicht die Stadt behütet wacht der Wächter umsonst.“

Schlagzeilen machte das 1982 restaurierte Gebäude Anfang des Jahrtausends, als massive Schäden deutlich wurden. Jetzt rächten sich die Sünden der Vergangenheit: Durch die in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts verwendeten, damals durchaus gebräuchlichen Epoxidharze konnte das Haus gewissermaßen nicht mehr atmen, Feuchtigkeit nicht mehr nach außen entweichen – ein idealer Nährboden für Schädlinge. Und die beim Farbanstrich in gutem Glauben verwendeten Lacke, die das Holz absperrten, verstärkten das Problem noch.

Die fatalen Folgen wurden schließlich von einem Gutachter aufgedeckt: Holz war teilweise zerbröselt, Schnitztafeln waren kaum noch zu retten, Gefache an der zur Wendenstraße gelegenen Vorderseite zum Teil ganz herausgedrückt, Brüstungsplatten, die normalerweise acht Zentimeter dick sind, nur noch zwei Zentimeter stark; der Rest – weggefault. Alle entdeckten Schäden, so hieß es damals, seien Folge der ersten Sanierung aus dem Jahre 1982, als Epoxidharz quasi noch als Wundermittel für die Sanierung von Fachwerkhäusern galt.

Die Fehler, die sich rächten, kamen der Stadt seinerzeit teuer zu stehen. Die Beseitigung der schlimmsten Schäden wurde schon 2006 in Auftrag gegeben und sollte eigentlich zügig abgeschlossen werden. Doch immer wieder erlebten die von der Stadt beauftragten Handwerker der Hamelner Fachfirma S.A.M. (Zimmerei und Baudenkmalpflege) neue böse Überraschungen – auch eine Belastung für die Bewohner und Geschäftsinhaber, die mit Lärm und Staub leben mussten. Abgeschlossen werden konnten die allerletzten Maßnahmen der Sanierung schließlich erst Anfang 2013. Und sie erwies sich quasi als Fass ohne Boden: Mehr als 210 000 Euro wurden allein bis 2008 verbaut, für 2009 rechnete man mit weiteren 50 000, Wärmedämmung inklusive.

Heute präsentiert sich die Immobilie, die von der Stadt nicht für öffentliche Zwecke gebraucht wird, in tadellosem Zustand: „Das Gebäude ist top, die Lage ebenso“, heißt es aus dem Rathaus. Kommt hinzu: Zwei Stellplätze, in der Altstadt eine Rarität, gehören mit zum Bestand. Die Stadt Hameln ist deshalb auch zuversichtlich, dass ihr Lückingsches Haus schnell einen neuen Besitzer finden wird. Erste Interessenten hätten sich bereits gemeldet. Der Erlös dient übrigens der Haushaltskonsolidierung; ob weitere städtische Immobilien verkauft werden, ist zurzeit noch offen.

Ungewöhnliche Perspektive für ein städtebauliches Kleinod: Die Stadt Hameln verkauft das Lückingsche Haus in der Wendenstraße 8. Dana

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