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Ausschreibung für Verkauf Anfang Oktober /Stadt will 150 000 Euro / Mehrere Interessenten

Die Lage wird ernst

Hameln. Die Zeit läuft ab für den Verein Freiraum: In vier Wochen endet der Mietvertrag mit der Stadt Hameln, doch die Zukunft der Walkemühle ist weiter ungewiss.

veröffentlicht am 26.09.2013 um 20:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 14:25 Uhr

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Dorothee Balzereit

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Dorothee Balzereit Reporterin / ViaSaga zur Autorenseite

Fest steht, dass die Stadt das Gebäude verkaufen möchte, um die Haushaltskasse aufzubessern. 150 000 Euro möchte sie mindestens haben; ein unter Verschluss gehaltenes Wertgutachten der Stadt bleibt angeblich deutlich unter dieser Summe.

Eine öffentliche Ausschreibung hat es bis jetzt noch nicht gegeben, soll aber Anfang Oktober erfolgen, wie Stadtbaurat Hermann Aden erklärt. Auch die Kaufinitiative der Walkemühle wird sich dann mit eigenem Konzept bewerben. Um Planungssicherheit für Konzerte und andere Veranstaltungen mit einem gewissen Vorlauf zu haben, hat der Verein zugleich bei der Verwaltung beantragt, das Mietverhältnis bis zum 30. April 2014 zu verlängern.

Darauf allerdings könne die Stadt sich nicht einlassen, der Mietvertrag laufe definitiv Ende Oktober aus, so Aden. „Ich kann verstehen, dass der Freiraum Planungssicherheit braucht, deshalb überlegen wir, wie wir danach mit der Situation umgehen.“ Im ungünstigsten Fall werde das Mietverhältnis von Monat zu Monat verlängert – eine unbefriedigende Lösung für alle Beteiligten. Besser wäre es, wenn der Verkauf schon im Oktober über die Bühne ginge, so Aden. Der Stadtbaurat ist optimistisch, dass das Geschäft zustande kommt, denn neben der Kaufinitiative gibt es weitere Interessenten, die sich im Laufe des Sommers bei der Verwaltung erkundigt hätten.

Dass den Zuschlag derjenige bekommt, der am meisten bietet, liegt auch im Interesse der Politik, wie bei der Ratssitzung am Mittwoch deutlich wurde. Dennoch spiele auch das Konzept eine Rolle. Favorisiert werde ein Wohnprojekt – gerne auch ein alternatives – weil dann der Störfaktor für das Umfeld am niedrigsten sei. Aber auch gegen ein Konzept wie das des Freiraums spreche grundsätzlich nichts.

Der Antrag der FDP, eine Bürgerversammlung durchzuführen, um die Anwohner frühzeitig in die Walkemühlen-Pläne einzubeziehen, wurde vom Rat mit großer Mehrheit abgelehnt. Claudio Griese empfahl der FDP, den Inhalt des Antrags zu konkretisieren, da er ansonsten als populistisch zu werten sei. Wenig Handlungsbedarf sah auch Aden, da es ohne die Ausschreibungsergebnisse vonseiten der Verwaltung nichts Neues zu berichten gebe.

Verschiedene Fragen zum Brandschutz hingegen brannten Anwohner Ole Schütza unter den Nägeln. Er hatte in der Vergangenheit mehrfach auf die Lärmbelästigung durch Freiraum-Konzerte hingewiesen (wir berichteten). Fragen zur Bauaufsicht möchte der Stadtbaurat im Hinblick auf das auslaufende Mietverhältnis allerdings hintanstellen, einen Grund, derzeit einzuschreiten, sieht er nicht. Zwar habe der Freiraum bei Veranstaltungen eine bestimmte Verantwortung, größere Brandschutzmaßnahmen seien allerdings erst im Rahmen der Sanierung ein Thema.

Für den Freiraum zieht sich die Zeit derweil wie Kaugummi. Die Kaufinitiative wartet darauf, sich endlich bewerben zu können. Der von Mitgliedern des Freiraum gegründete Verein Walke e. V. will das Gebäude Walkemühle 1-1a kaufen, um dem Freiraum Hameln dauerhaft gesicherte Räumlichkeiten zur Verfügung zu stellen und ein Wohnprojekt zu gründen.

Soziokulturelles Engagement und gemeinschaftliches Leben in bezahlbarem Wohnraum unter einem Dach hat sich das Doppelprojekt Freiraum/Wohnraum zum Ziel gesetzt. Angesprochen werden sollen Familien, Studierende und Auszubildende; junge und alte Menschen – mit und ohne Handicap.

Wohnraum geschaffen werden soll im leer stehenden zweiten Flügel – Walke 1. Für den Erwerb der Immobilie strebt die Walkemühle 1-1a die Gründung einer GmbH nach den Regularien der Mietshäuser Syndikat GmbH an. Das Geld soll durch private Direktkredite, Bankkredite, Eigenkapital und/oder Spenden aufgebracht werden.

Die Kosten des Hausbetriebs, die Zinsen, die Tilgung der Kredite sowie die Kosten für die Bewirtschaftung, Verwaltung und Instandhaltung des Gebäudes sollen von den Mieteinnahmen der Bewohner bezahlt werden. Sind die Kredite getilgt, fließen die Überschüsse ins Syndikat und kommen so anderen Projekten zugute.

Der Verein möchte das Mietverhältnis bis zum 30. April 2014 verlängern, doch darauf will sich die Stadt nicht einlassen.

Dana

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