weather-image
Landrat eröffnet Debatte um einheitliche Schulträgerschaft

Bartels: „Schräg, was wir hier machen“

Hameln-Pyrmont. Im Streit um das Schulzentrum Nord will Landrat Tjark Bartels auf die Stadt Hameln zugehen. Allerdings weniger, um die strittige Frage zu klären, inwieweit die Kostenbeteiligung des Landkreises als Zuschuss oder Darlehen gewährt wird. Der Landrat meint es grundsätzlicher. Er will darüber reden, ob der Landkreis am Ende die komplette Investition übernimmt – und mit ihr die Trägerschaft für die weiterführenden Schulen in Hameln und Bad Pyrmont. Bartels möchte die schulpolitische Debatte nicht beenden. Er will sie anstoßen.

veröffentlicht am 13.12.2013 um 21:00 Uhr
aktualisiert am 13.01.2015 um 10:07 Uhr

270_008_6782178_wb103_1412.jpg

Mit der dreigeteilten Schulträgerschaft (Landkreis, Hameln und Bad Pyrmont) ist Hameln-Pyrmont in Niedersachsen eine echte Rarität. In den allermeisten Landkreisen ist die Verantwortung für die weiterführenden Schulen (Sekundarstufe nach der Grundschule) beim Landkreis gebündelt. Aus gutem Grund, denn in der Regel reichen die Einzugsgebiete von Gymnasien, Gesamt- und Oberschulen über Gemeindegrenzen hinaus.

„Gemeinsame Aufgaben gemeinsam wahrzunehmen, dafür sind Landkreise da“, sagt Bartels. In Hameln-Pyrmont jedoch sieht die Realität anders aus. „Wir planen neben-, nicht miteinander. Das ist ein Problem.“

Zugespitzt hat sich dieses Problem bei der Projektierung des Hamelner Schulzentrums Nord. Hier sollen die IGS und das Albert-Einstein-Gymnasium stärker zusammenwachsen, geplant ist eine achtzügige gymnasiale Oberstufe. Die Kosten für das Gesamtprojekt inklusive Sanierung liegen aktuell bei 22,3 Millionen Euro. Geld, das die Stadt Hameln nicht hat. Zum Ärger der Ratspolitik tritt der Landkreis zudem auf die Zuschussbremse: Die 50-Prozent-Beteiligung soll zur Hälfte nur als Darlehen ausgezahlt werden.

Bartels betont, dass er die Diskussion über eine einheitliche Schulträgerschaft unabhängig von dieser Regelung führen möchte. Soll heißen: Der Landkreis will das Projekt in jedem Fall zur Hälfte mittragen (Zuschuss und Darlehen). Auch verzögere sich das noch nicht zu Ende geplante Projekt durch die Debatte nicht. Aus Sicht des Landrats bietet aber gerade die Planung des Schulzentrums Nord die große und vielleicht letzte Chance, die Reform anzustoßen. „In einigen Jahren werden wir uns vorwerfen, den richtigen Zeitpunkt für die Diskussion verpasst zu haben.“

„Schulzentrum Nord zu groß geplant“

Im Hintergrund schwelt ein schulstrategischer Konflikt zwischen Hameln und dem Landkreis, der in Zeiten rückläufiger Schülerzahlen fast zwangsläufig aufkommt. Statt gemeinsam zu planen, konkurriert man auf engstem Raum um Schüler.

Aus Sicht des Landkreises ist das Schulzentrum Nord zu groß geplant, statt acht würden sechs Klassenzüge reichen, sonst drohten schon in wenigen Jahren Überkapazitäten. Der Landkreis muss auch dafür sorgen, dass die Schulen im Umland überlebensfähig bleiben. So verbucht die KGS in Salzhemmendorf schon jetzt rückläufige Schülerzahlen und gerät künftig wohl auch aus Holzminden unter Druck. In Aerzen ist die Oberschule, in Emmerthal sind Haupt- und Realschule im Bestand bedroht. Und denkt der Landkreis über weitere IGS-Standorte nach, kommt auch die Oberschule in Hessisch Oldendorf ins Gespräch.

Wo auch immer die Schwerpunkte am Ende gesetzt werden – sie wie bisher überall und gleichzeitig zu setzen, sei die teuerste und schlechteste Lösung. „Es ist schräg, was wir hier machen“, sagt Bartels. „Wir müssen die Chance nutzen, eine gemeinsame Planung zu entwickeln, bei der alle Seiten Kompromisse eingehen.“

Angefangen beim Schulzentrum Nord. Zwar sei der Landkreis hier an der Planung beteiligt gewesen, aber eher als Zuschauer, weniger als Mitgestalter. Das möchte Bartels ändern. Ziel sei ein Konzept, das die Interessen von Stadt und Landkreis auf einen Nenner bringe.

Würde dies erreicht, könnte der Landkreis als neuer Schulträger die gesamte Investitionssumme stemmen. Gleiches gelte für alle anderen weiterführenden Schulen wie etwa das Schiller- und Viktoria-Luise-Gymnasium, wo die Stadt Hameln ebenfalls erhebliche Summen investieren muss. Und für das Humboldt-Gymnasium in Bad Pyrmont, das neu gebaut werden soll. Die Städte würden auf diese Weise erheblich entlastet, denn mit der Trägerschaft gingen Bau-, Unterhaltungs- und Personalkosten auf die Rechnung des Landkreises.

Kann der Landkreis solche Summen überhaupt verkraften? Bartels macht kein Geheimnis daraus, dass eine Fusion der Schulträgerschaft über eine steigende Kreisumlage refinanziert werden müsse. Aber die Lasten, die jetzt Hameln und Bad Pyrmont tragen, würden so auf alle Schultern verteilt. „Das ist gerechter als die Schieflage, die wir jetzt haben.“ Denn im Gegensatz zu allen anderen Gemeinden im Kreis müssten Bad Pyrmont und vor allem Hameln gewaltige Summen für ihre Schulen aufbringen – Einrichtungen, die zum nicht unerheblichen Teil auch von Schülern aus dem übrigen Kreisgebiet genutzt werden.

Am Dienstag befasst sich der Kreistag mit der Schulpolitik. Die Hamelner Abgeordneten haben sich bereits darauf eingeschworen, dem Landkreis die Leviten zu lesen. Man darf gespannt sein, wie der Vorstoß des Landrates aufgenommen wird. Auch wenn Bartels die Sachargumente, vor denen auch Hamelner Politiker nicht die Augen verschließen, auf seiner Seite hat – derzeit kochen die Emotionen hoch, wenn die Worte Landkreis und Schulpolitik in einem Atemzug fallen.

Tjark Bartels ist bereit, die Kosten für das Schulzentrum Nord zu tragen – zum Preis der Schulträgerschaft.

Copyright © Deister- und Weserzeitung 2017
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare