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Schulzentrum Nord: Politiker sehen keine Alternative / „Altlasten kosten Kopf und Kragen“

30-Millionen-Paket so gut wie beschlossen?

Hameln. Auch wenn der Rat erst Anfang März endgültig entscheidet: Die Tendenz, den wohl knapp 30 Millionen Euro teuren Entwurf als beste Lösung für das Schulzentrum Nord zu akzeptieren, war bei der gemeinsamen Sitzung von Bau- und Schulausschuss bereits deutlich.

veröffentlicht am 04.02.2016 um 20:46 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 13:06 Uhr

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Dorothee Balzereit

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Dorothee Balzereit Reporterin / ViaSaga zur Autorenseite

Hameln. Es schien fast so, als hätten die Politiker schon gestern abstimmen können: Die Tendenz, den wohl knapp 30 Millionen Euro teuren Architektenentwurf ohne weitere Einsparvarianten als beste Lösung für das Schulzentrum Nord zu akzeptieren, war bei der gemeinsamen Sitzung von Bau- und Schulausschuss jedenfalls deutlich.

Für die Entscheidung fehlte allerdings noch das von der Verwaltung in Auftrag gegebene Gutachten, dass darüber Auskunft geben soll, ob ein Neubau auf der grünen Wiese nicht doch günstiger wäre. So richtig glaubt daran aber wohl niemand, und die Information von Stadtbaurat Hermann Aden, dass nach seiner Recherche selbst der Neubau einer Integrierten Gesamtschule allein durchschnittlich 31 Millionen Euro koste, tat ein Übriges. Endgültig aus der Deckung kommen wollte dann aber doch niemand. Kein Wunder: Immerhin handelt es sich um die teuerste städtische Einzelinvestition überhaupt. Die Miete der provisorischen Container inbegriffen, liegen die Kosten voraussichtlich sogar bei 33 Millionen Euro.

Und weil die Summe so hoch ist, stellte Bettina Schulze (SPD) den Antrag, bereits am 25. Februar in einem weiteren gemeinsamen Ausschuss eine Beschlussempfehlung auf den Weg zu bringen und die erste Entscheidung nicht hinter verschlossenen Türen im Verwaltungsausschuss zu treffen. Endgültig entschieden wird dann am 9. März im Rat.

Zuvor hatte Architekt Ulrich Zech bei der gestrigen Sitzung im Albert-Einstein-Gymnasium in aller Ausführlichkeit Daten, Zahlen und Fakten präsentiert, um zu dokumentieren, wie es zu der horrenden Summe kommen konnte. „Kopf und Kragen“ hätten die Planer vor allem die Altlasten gekostet, die mit insgesamt knapp vier Millionen Euro zu Buche schlagen. Beim Thema Asbest habe eine „Eskalation der Anforderungen“ stattgefunden, damit müsse man nun umgehen. Dass Asbest verbaut wurde, habe man bereits nach einer Prüfung Mitte der 90er Jahre gewusst, jedoch nicht in welchem Maße, weil der Vorgänger keinen so umfangreichen Prüfauftrag gehabt habe.

Die neue Untersuchung habe nicht nur Asbest im Flurputz, sondern in der untersten Schicht der Dachdichtungsbahn von Trakt B zutage gefördert. Dass in Trakt C das gleiche Problem besteht, habe schon „wehgetan“, am schlimmsten aber sei es in Haus Mileva, wo man zunächst gar keine Belastung vermutete. „Selbst wenn man jetzt nichts tut, irgendwann hat man den Aufwand“, gab Zech zu bedenken. Was von niemandem beantwortet wurde: Warum diese Untersuchung bei einem solchen Großprojekt so spät stattgefunden hat – immerhin handelt es sich um Gebäude aus den 70er Jahren, die bekanntermaßen dazu neigen, solche unliebsamen Geheimnisse zu offenbaren.

Unterschiedliche

Meinungen zur Schulträgerschaft

Zu Buche schlagen außerdem die Anforderungen aus den Bereichen Inklusion, Brandschutz und Instandhaltung, „Faktoren, auf die unser Einfluss gleich null ist“, so Zech.

Als „alternativlos“ bezeichnete der Liberale Hans Wilhelm Güsgen den Basisentwurf, der zehn Prozent weniger Baufläche enthält und entsprechend weniger Kosten verursacht. Mehr Einsparungen seien vor allem aus pädagogischen Gründen nicht vertretbar.

Doch muss die Alternativlosigkeit für den Bau auch für dessen Finanzierung gelten? Die für die Kosten nicht unwesentliche Frage der Schulträgerschaft wurde gestern nicht diskutiert. Dabei gibt es durchaus unterschiedliche Meinungen: Durch die Abgabe an den Landkreis ließe sich viel Geld einsparen, sagt zum Beispiel der Schulausschussvorsitzende Kurt Meyer-Bergmann (SPD). Er glaubt, dass die Stadt mehr spare, als zahle, auch wenn sich dann die Kreisumlage erhöhe.

Während Thomas Meyer-Hermann, Fraktionsvorsitzender der CDU, und der Liberale Güsgen andere Faktoren dagegenrechnen und dafür die Einflussnahme nicht verlieren möchten, hat Peter Kurbjuweit (Linke) den Eindruck, dass die Fraktionen die Sache jeweils so drehen, wie es ihren Interessen dienlich ist. Er will an zwei Beispielen nachprüfen, wie andere Städte und Gemeinden die Trägerschaft geregelt haben und welche Auswirkungen dies hatte. Und so viel weiß er bereits: „Sie haben bestehende Ängste durch Zusatzvereinbarungen aufgefangen, teilweise sind Standorte im Vertrag sogar gesondert gesichert.“

Am spannendsten macht es Uschi Wehrmann (Grüne): Sie bestätigt, dass es ein Arbeitsgespräch zur Schulträgerschaft gebe und dass man einen Plan habe, den man aber erst Anfang März präsentieren wolle. Zuvor müsse die Idee mit den „Verwaltungsspitzen ausgelotet“ werden. Grundsätzliche hätten die Grünen nichts gegen die Abgabe der Schulträgerschaft, Voraussetzung sei jedoch, dass alle Schulen mitmachten und dass der Schulentwicklungsplan berücksichtigt werde. Sie räumt ein, dass die Arbeit daran durch die Flüchtlingsproblematik im letzten Jahr ins Stocken geraten sei.

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