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Baukosten explodieren: Politik reagiert "erschrocken"

22,3 Millionen für Schulzentrum Nord?

Hameln. Neue Klassenräume, „Lernlandschaften“ und abermals eine neue, diesmal gemeinsame Mensa – das sehen die Pläne der Architekten für das Schulzentrum Nord vor. Ein ganz neuer Gebäudetrakt soll das Albert-Einstein-Gymnasium (AEG) und die Integrierte Gesamtschule (IGS) miteinander verbinden. Vertreter aller Ratsfraktionen bewerten die Pläne grundsätzlich positiv. Allerdings sorgen die Kosten für einen Schock: Eine erste Schätzung geht jetzt von 22,3 Millionen Euro aus.

veröffentlicht am 09.12.2013 um 16:00 Uhr
aktualisiert am 13.01.2015 um 10:07 Uhr

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Ursprünglich, zur Schaffung einer IGS in Hameln in der Sertürner-Realschule einschließlich Haus Milwewa, waren 3,0 und dann ab Oktober 2012 6,4 Millionen Euro im Gespräch (ohne IGS-Oberstufe). Weil die Politik jedoch den Sanierungsstau am AEG erkannt hatte, wurde das gesamte Schulzentrum Nord in die Planung einbezogen. Dafür hatte die Stadt mit 18,6 Millionen Euro kalkuliert; inklusive der zwei Millionen für die Wohncontainer während der Umbauphase.

Laut Verwaltung ist die neuerliche Kostensteigerung in erster Linie einer „qualitativen Verbesserung“ geschuldet. Die Fraktionsvorsitzenden, die von Oberbürgermeisterin Susanne Lippmann über die neue Entwicklung informiert worden sind, reagierten nach Darstellung der Stadt „erschrocken“. Sie seien „in großer Sorge“, denn man wisse derzeit nicht, wie das zu bezahlen sei. Auch die Rathaus-Chefin betont: „Die Mehrkosten sind nicht ohne weiteres finanzierbar.“

Die Stadt will nach den Worten Lippmanns die Planung jetzt in den Gremien vorstellen. Die sollen dann intensiv nach Einsparmöglichkeiten suchen. Aus Sicht der Fraktionsspitzen ist es nun entscheidend, ob der Landkreis Hameln-Pyrmont bereit ist, sich finanziell stärker einzubringen. Während der Zusammenkunft im Rathaus verwiesen die Vertreter der Ratsfraktionen darauf, dass die gutachterliche Überprüfung der ursprünglichen Planung insbesondere auf Wunsch des Landkreises erfolgt sei. Nun müsse auch gemeinsam die Finanzierung sichergestellt werden. Deshalb fordert die Politik nun einen Schulterschluss mit dem Landkreis. Claudio Griese (CDU) verweist dabei auf eine mündliche Zusage des damaligen Landrates Rüdiger Butte. „Er hat einen 50-prozentigen Zuschuss versprochen. Allerdings liegt nichts Schriftliches vor“, erklärt der Sprecher der aus CDU, Grünen und Unabhängigen bestehenden Mehrheitsgruppe.

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  • Das wird teuer: Eine erste Kostenschätzung für die Umbauetn am AEG - im Vordergrund die Mensa - und IGS schockt Politik und Verwaltung. Foto: Wal

Sorgen bereiteten dem CDU-Fraktionschef und seinen Amtskollegen nun Informationen aus dem Kreishaus, nach denen der Landkreis nur bereit sei, das Vorhaben mit einem Zuschuss von 25 Prozent und einem Darlehen von weiteren 25 Prozent mitzufinanzieren.

Zahlen, die Kreisrätin Petra Broistedt gestern auf Anfrage bestätigte. Zwar sei noch nichts entschieden, weil die Stadt Hameln noch keinen Konkretisierungsantrag gestellt habe und es sich bislang lediglich um „eine Kostenschätzung ohne Detailplanung“ handele, aber dass der Landkreis 25 Prozent bezahlt und 25 Prozent als Darlehen gewährt, sei die „Faustformel“ und die mit Landrat Tjark Bartels (SPD) abgestimmte Position der Kreisverwaltung. „Aber am Ende entscheidet der Kreistag“, sagte Broistedt.

Doch das wollen die im Hamelner Rat vertretenen Fraktionen nicht unwidersprochen hinnehmen und parteiübergreifend dafür kämpfen, dass der Zuschuss höher ausfällt. Im Februar hatten sich Landkreis und Stadt darauf verständigt, ein Gutachten an ein IGS-erfahrenes Planungsbüro zu vergeben. Mithilfe externen Sachverstands sollte eine kostenoptimierte Lösung ermittelt und dabei der Blick auf das gesamte Schulzentrum Nord gerichtet werden. Den Auftrag erhielten die „Mosaik-Architekten“ aus Hannover, ein vom Landkreis empfohlenes Büro, das über umfassende Erfahrung im Schulbereich verfügt.

Der Entwurf, den die Architekten jetzt vorlegen, sieht als Herzstück des Schulzentrums einen neuen Verbindungsbau vor. Er ist als Bindeglied zwischen AEG und IGS konzipiert und soll eine gemeinsame Mensa beherbergen – „einer der wichtigsten Orte für Kommunikation, jahrgangsübergreifendes Lernen und Freizeitgestaltung“, wie es die Architekten formulieren. Das neue Gebäude soll das Zusammenwachsen der beiden Schulformen zu einem Schulzentrum auch räumlich unterstreichen.

Oberhalb der neuen Mensa wollen die Architekten neue Unterrichtsräume schaffen, hauptsächlich für die gemeinsame Sekundarstufe II beider Schulformen. Dabei planen sie „Lernlandschaften“, die eine flexible Nutzung für unterschiedlich große Gruppen ermöglichen. Die jetzige AEG-Mensa soll den Schülerinnen und Schülern des Schulzentrums als Bibliothek und „Selbstlernzentrum“ dienen. Das Raumprogramm umfasst zudem eine Einfeld-Sporthalle.

Die jetzt vorliegende Planung wurde in mehreren Sitzungen einer Arbeitsgruppe aus Schulleitungen, Elternvertretungen sowie Fachleuten der Stadt- und Kreisverwaltung einvernehmlich erarbeitet. Grundlage ist ein achtzügiges Schulzentrum, das auch dem Erfordernis der Barrierefreiheit Rechnung trägt. Das Gesamtpaket beinhaltet darüber hinaus Kosten in Höhe von rund acht Millionen Euro für Bauunterhaltung und Inklusion. Unter anderem sind der Einbau neuer Fenster und umfangreiche Brandschutzmaßnahmen vorgesehen.

Wie aber diese gigantische Summe gestemmt werden soll – davon haben Hamelns Politiker noch keine Ahnung. Grund für den stellvertretenden SPD-Fraktionschef Werner Sattler, noch einmal die von den Sozialdemokraten geforderte Erhöhung der Grund- und Gewerbesteuer ins Spiel zu bringen: „Wir müssen unsere Einnahmenseite verbessern, alles andere ist ausgelutscht“, erklärt er und fordert vom Landkreis ebenfalls ein höheres finanzielles Engagement als die avisierten 25 Prozent. Das sieht auch Griese so, wenngleich der Gruppensprecher nach wie vor von einer Anhebung der Steuern nichts wissen will. Er schlägt vor, dass die Mitglieder der Begleitgruppe die Pläne noch einmal ganz genau unter die Lupe nehmen: „Dass das Schulzentrum Nord kommen soll, steht außer Frage. Aber es muss geprüft werden, welche Elemente gebraucht werden, und welche nicht. Wir müssen schauen, wo sich Verzicht überlässt. Diesbezüglich ist noch gar nichts geklärt.“

22,3 Millionen für Schulzentrum Nord?

Baukosten explodieren: Politik reagiert „erschrocken“ auf neue Schätzung

Das wird teuer: Eine erste Kostenschätzung für die Umbauten an AEG – im Vordergrund die Mensa – und IGS (Foto u.)

schockt Politik und Verwaltung.Wal

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